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Der Israelit · 1872-09-11 · Heft 37 (11.9.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 37 (11.9.1872)
Date
1872-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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785 Oe ft er r. -Ungarische Monarchie. Pefth, 5. Sept. Wie der Telegraph berichtet, ist im ungarischen Ministerium insofern ein Personenwechsel vor sich gegangen, als der bisherige Justizminister Bitto seine Entlassung erhalten hat und der bisherige j Cultusminister Panter das Justizporteseuille übernimmt. I Zum Nachfolger Pauler's im Cultus-Departement aber! ist der Schwager des verstorbenen Cultusministers Eötvös, August Trefort, ernannt worden Eine Correspondenz der „9t. Fr. Presse" gibt folgende Charakteristik des neuen Ministers: Der Name des neuen Ministers für Cultus und Unterricht, August Trefort, ist im Laude bekannt und nicht vom schlechten Klange. In den Vierziger Jahren machte der junge Abgeordnete für Altsohl Aufsehen mit seinen national-ökonomischen Schriften. Trefort schrieb über politische Oekonomie, über Bankwesen und vertiefte sich bald in die damals aufgetauchten national-ökonomischen Systeme. „Man hielt ihn für einen Wucherer," schreibt ein Chronist aus jener Zeit, „so viel und so gern schrieb er über Banken." Später declarirte sich Trefort auch durch andere Arbeiten als ein für Ungarn mit Recht bedeutender Gelehrter. Die Akademie ddr Wissenschaften ernannte ihn zu ihrem wirklichen Mitgliede. Dort war es auch im Jahre 1861, wo Trefort in einem Vortrage das kühne Wort sprach: „Die Juden stehen im Punkte des Ehrgefühls zurück gegen die anderen Nationen." Ein Sturm der Entrüstung, wie er vorher bei keiner Gelegenheit hervorbrach, wendete sich gegen den judenmindlicheu Akademiker. Heute ist der Mann Minister für Unterricht und Cultus. Man fürchte nicht, daß seine Ernennung die Juden neuerdings in Harnisch bringen werde. Seitdem er dieser „Nation" jedes Ehrgefühl abgesprochen, hat Trefort am grünen Verwaltungsrathstische gelernt, mit Christen und Juden zu wandeln , zu handeln und Geld zu verdienen. Zwischen ihm und der jüdischen Nation besieht seit Langem schon ein inniges Einverständnitz. Wenn Lonyay seine Wahl trifft, daun pflegt er sich in seinen Leuten nicht zu täusche». Sein Cabinet hat in Trefort wirklich „eine neue, eine kräftige Stütze" erhalten. Trefort ist wirklich ein tüchtiger, fleißiger und geistvoller Mann. Sieht man von dem berhängnitzoollen Umstande ab, daß, statt wie im classischen Alterthnme vom Pfluge, hierzulande Minister stets vom VerwaltungSrathstische weggeholt werden, so hat das Land durch die Ernennung Treforts gewonnen. R u m ä n i e n. Bukarest, 28. August. Eigenthümlich, wie in all' ihrem Thnn und Lassen, hat unsere Regierung die von ihr seitens dG amerikanischen Consulats verlangte Unterstützung der nach Amerika auswandernden Juden in Angriff genommen. Die allezeit getreuen Rathgeber Karl's des Ersten beschlossen, den auswandernden Juden Pässe gratis zu verabfolgen, damit sie je eher je lieber den Grenzpfählen des geliebten Vaterlandes den Rücken kehren. Wir sagen Vaterland, denn der Umstand eben, dasz die Juden rumänische Pässe benöthigen, beweist zur Genüge, daß die Kinder Israels in Rumänien fast durchgehcnds Eingeborne sind und demonstrirt ad oculus, daß das Flunkern mit Furcht vor überhandnehmender jüdischer Invasion nichts weiter als leere Phrase ist. Wohl wahr, zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts kamen viele Juden aus der Bukowma, Galizien und Ruisich-Polen zu uns herüber, um sich hier ihren Erwerb zu suchen; die Einwanderer von Anno dazumal aber find längst den Weg alles Fleisches gegangen und was jetzt auf rumänischem Boden von Bekennern des Judenthunls leibt und lebt, hat zumeist auf rumänischer Scholle das Licht der Welt erblickt. Es klingt wie Hohn, wenn Eingewanderte vom Schlage Caesar Bolliak'S und Conforten über fremde Eindringlinge lameutireu und selbst gar keine Rumänier sind. Am allerwenigsten ist es Herr Caesar Bolliak, der berüchtigte Redacteur der „Trompeta Carpatzilor" und eingefleischte Judenfresser: im Banate geboren, dort gwßgewachsen, trieben ihn im reiferen Alter Gründe, über denen ein mysteriöses Dunkel schwebt, nach den Gauen Rumäniens, wo er Journalist, Deputirter und Judenhetzer pur excellence in einer Person ist. Auch er hat es natürlich nicht unterlassen, in der famosen Paß-Afsaire ein Wörtchen mitzu'prechen. Zuerst in seinem Blatte und dann in Form eines „Eingesendet" im „Romauul " worin er den anlerikauischen Consul sowohl, als natürlich auch die Juden mit Schimpf und Schande überhäuft und zum Schluffe meint: „Haben denn die Juden nicht die Pässe, mit denen sie nach Rumänien gekommen sind, und kann man denn diese Vagabunden (l) nach Amerika, wo man keine Pässe benöthigt, nicht auch ohne solche schicken, so wie sie nach Ruinänicu gekommen sind V‘ Herr Bolliak scheint ganz zu vergessen, daß „diese Vagabunden" Laudcskiuder sind, während er blos ein zugereister politischer Taugenichts ist. „Romauul" schließt sich den weisen Ausführungen Bolliak's. mit dein er sonst in den Haaren liegt, an. und kann es nicht begreifen, warum denn die Juden nicht Knall und Fall Abziehen, da sie doch freie Pässe haben „Es muß doch nicht so arg sein mit den Judenverfolgungen in Rumänien." philosophirt genanntes Blatt. Nun. ob dem wirklich so ist, bedarf nicht erst gesagt zu werden, und wenn die Juden doch in Rumänien bleiben, so ist es dem einzigen leichtverstäudlichen Umstande zuzuschreiben, daß es eben schwer fällt, sich von dem Herde zu trennen, dessen Gründung jahrelanger, mühevoller Arbeit bedurfte. Die rumänischen Juden haben übrigens zu gar keinem andern Zwecke ihre Leiden der civilifirteu Welt erzählt, als um von dieser die Verbesserung ihrer Lage zu erlangen, nicht aber um von ihrer Geburt-statte vertrieben zu werden.

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