Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1872)
- Date
- 1872-09-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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, IUJ-WIIIUII1UI >J- 772 Verloren ist damit jedoch gar 9Uchls. Allzuleichte Erfolge fördern die gute Sache nur wenig. Je kräftigere Anstrengungen und je zähere Ausdauer der Kampf erfordert,' desto intensiver wird er, und desto mehr bietet er Aussicht auf große bedeutende und nachhaltige Errungenschaften. — Die Wiener Orthodoxen haben sich nunmehr zunächst an den Landtag zu wenden und diejenigen Mitglieder desselben für ihre Angelegenheit zu interessiren, denen die Gewissensfreiheit mehr als ein bloßes Wort ist. Sollte auch der Landtag nicht geneigt sein, ihnen Recht zu schaffen, so mögen sie sich erinnern, daß der Kaiser von Oesterreich auch König von Ungarn ist und daß in der westlichen Landeshälste nicht Unrecht sein kann, was in der östlichen von allerhöchster Stelle aus als Recht erkannt worden ist. — Sollte es jedoch durchaus nicht möglich sein, in Bezug auf den Geldpunkt dem Rechte zum Durchbruch zu verhelfen, so mögen die Wiener Orthodoxen dahin streben, daß sie wenigstens in Bezug auf alle religiöse Dinge Die Autonomie erlangen. Das kann, das wird man ihnen nicht verweigern. Daher nur Muth imD Ausdauer! Recht muß Recht bleiben, und die Wahrheit ist stark genug, sich überall Bahn zu brechen. —) Prag. Seit einigen Tagen haben die czechischen Blätter eine Hetze gegen die Juden arraugirt. Der „Tagesb. a. B." bemerkt in Bezug darauf: „Mit dem gemeinsten Schimpf, mit allgemeinen, durch nichts erwiesenen Phrasen werden die Leidenschaften der leicht beweglicken Menge aufgestachelt und wie wenig es in Prag und in Böhmen überhaupt bedarf, um solche aneifernde Worte zur That werden zu lassen, ist noch Jedermann in frischer Erinnerung. Hoffentlich wird diesmal, unter dem Gefühle der an maßgebender Stelle herrschenden Energie, bie Wühlerei und Schürerei ohne den gewünschten Effect vorübergehen; die Praxis aber, zum Zeitvertreib oder vielleicht zur Ableitung leicht begreiflicher Verstimmung, solche Ereignisse heraufzubeschwören, ist eben so Verdammungswerth wie strafwürdig und zeigt deutlich, was für Händen die „öffentliche Vertretung — der ganzen Nation" anvertraut ist". Rumänien. Bukarest. Wir berichteten seinerzeit von der Mißhandlung, die an Herrn Weißmann in Bottuschan von Seiten des Polizeichefs Constantin Placa begangen wurde. Dieser Polizeichef ist inzwischen, wie wir erfahren, seines Amtes entsetzt worden. (Rev. Jsr.) Frankreich. . Paris. Baron Alphonse v. Rothschild ist vom Präsidenten der Republik in Anerkennung für die bei der Milliardenanleihe geleisteten Dienste zum Osffcier der Ehrenlegion ernannt worden. Aus diesem Anlaß hat Baron Rothschild 30,000 Fr. dem Waiseniustitut geschenkt, welches für Kinder der im Kriege gefallenen Soldaten gestiftet worden. (Univ. Jsr.) England. London. An d.m ersten Sanfftag nach seiner Rückkunft von Petersburg wohnte Sir Moses Monteftore des Morgens dem Gottesdienste in der sephardischen Synagoge und des Nachmittags in der „Großen Synagoge" bei In beiden Synagogen wurde er zur Thora aufgerufen und sprach" er die für seine glücklich beendete Reise aus, wobei er namhafte Summe für verschiedene Zwecke spendete. Auch die andern zur Thora Gerufenen spendeten ans diesem Anlaß große Beträge. In ersterer Synagoge sprach Herr Rabbiner Dr. Artom ein hebr. Dankgebet. (Jew. Ehr.) London. Zwei Räthe der englischen Regierung beim Schiedsgericht in Genf sind Israeliten. Es sind dies die Herren G. Jessel und Arthur Cohen. Das ist eine Thatsache, die erwähnt zu werden verdient; denn es ist das erste Mal, dah Aehnliches in England vorgekomuien. A s i e n. Aus Jemen (Südarabien) wird dem „Libanon" geschrieben, baß die Juden daselbst neuerdings sehr hart bedrängt werden. Der Correspondent fordert dringend die „All. Jsr. Univ." auf, die nöthigen Schritte zur Besserstellung der dortigen Glaubensgenossen baldigst cinzuleiten. Feuilleton. Dir Arßiim von Narbounr im Mittelalter. Im Nachstehenden bringen wir aus den Berichten der Akademie der Wissenschaften in Paris eine Stelle, welche einiges Licht auf die Geschichte der Juden Südfrankreichs im Mittelalter wirft. Unsere Leser werden daraus ersehen, daß inmitten der Verfolgungen, denen die Juden damals ausgesetzt waren, doch Einige unter ihnen dazu gelangt sind, Privilegien zu erhalten und gewisse Rechte auszuüben, welche ausschließliche Eigenschaften der Adeligen zu sein schienen. Das waren Ausnahmen und die Mittheilung, die wir bringen, zeigt, daß selbst diese begünstigten Situationen unsicher waren; sie bieten aber nichtsdestoweniger inerkwürdige uild interessante Geschichtszüge.