Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1872)
- Date
- 1872-09-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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gemeinsamen Vaterlande gegenüber vom selben Geiste beseelt sind. In meiner eigenen Familie führe ich nur an und nenne nötigenfalls die Namen: einen Capitän der Infanterie , welcher bei der Belagerung von Sebastopol verwundet wurde; — einen Capitän der Artillerie, weleher bei Sedan fiel: — einen Oberarzt; — einen Militärarzt; einen Lieutenant, der wegen Gebrechen, das er sich im Dienste zuzog. ausschied: — einen Sergeanten, der seine 7 Dienstjahre geleistet: — einen Freiwilligen, der bei Villersexel verwundet wurde; — einen Freiwilligen bei der Loire-Armee. Solche Listen lassen sich in den israel. Famillln Frankreichs und des Elsasses viele aufstellen. Tausende von Israeliten gehören als Soldaten und Offiziere aller Grade der französischen Armee an. Ich bitte Sie, Herr Redacteur, diesen Brief im Interesse der Wahrheit und der Ehre des National- Charalters der Israeliten Frankreichs und Elsast-Lothringens in Ihre nächste Nummer aufzunehmen. Er hat den einzigen Zweck, einen Theil des fraglichen Artikels zu berichtigen. Genehmigen Sie, Herr Redacteur, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung. Einer Ihrer israel. Abonnenten. O e ft e r r. - U n g a r i f ch e M o n a r ch i e. Wien, 1!). August. Seit der Durchführung der bekarnuen Beschlüsse des hiesigen Cultusvorstandes war zu erwarten, dafz in den hiesigen Tempeln 3*0 nysyn als Freudenfest begangen, oder mindestens ignorirt werde. Denn jeder Unbefangene must einsehen, dast diejenigen, die sich von den Hoffnungen Israels lossagen, diejenigen, welche sich der Bitten um Wiedereinführung des in der Thora gebotenen Opferdienftcs schämen, mit sich selbst in Widerspruch gerathen, wenn sie einer Trauer um das gefallene Tempelheiligthum Ausdruck geben. Welchen Sinn hat die Klage im Munde derer, die sich erfrechen, die von Gott gebotenen Opfer als eine ihrer „fortgeschrittenen" Anschauungen nicht entsprechende Einrichtung zu bezeichnen? Sollten die, welche die Bitte um Verwirklichung der durch die Propheten uns gewordenen Verheistuugen als „ Lüge" aus ihren Tempeln verbannen, sich nicht schämen, m diesen Tempeln dem Schmerze um Zions Fall irgend einen Ausdruck zu leihend Sollten sie den Tag. an dem die Erinnerung an die Einäscherung des Beth Hamikdaich jedes jüdische Herz mit der tiefsten Wehmuth erfüllt, nicht als Freudentag begehend Sollten sie nicht Nebukaduezar und Titus, sollten ne nickt alle, welche Feuerbrände ins Gottcsbeiligthum schleuderten, und w das Darbringen der den Neologen verhastten. von ihrer hochmütigen Beschränktheit verhöhnten Gottgebotenen unmöglich machten, als Wobltbäter des jüdischen Volkes betrachtend Indessen, wer den Wiener Reformhelden eine solche Consequenz zutraute, der hat sich gewaltig getäuscht. (L>ie haben es nicht blost unterlassen," am Tage der jüdischen Trauer ihre Freude über das, was diese Trauer veranlaßte, kuudzugeben; sie haben nicht blost unterlassen, dem in ihren Beschlüssen liegenden Proteste gegen diese Trauer durch deren Ignorirnng rreu zu bleiben; ja sie haben sich nicht einmal mit der Inconsegnenz begnügt, in der bisherigen Weise begehen zu lassen: sie besten in diesem Jahre mehr p-j*p als bisher sagen: die Wiener Tempelceniur war in diesem Jahre gegen die Klagelieder «m den Fall Jerusalems gnädiger als seit einer Reihe von Jahren. Wodurch lästt sich dies erklären? Wissen sie viel- : leicht, dast wir in diesem Jahre Grund haben, die Zn- ■ stände, in die wir durch den Verlust unseres National-; Heiligthums gestürzt wurden. iroch mehr als bisher zu! beklagend Wissen sie vielleicht, dast das Attentat, das! sie gegen das Iudenthum begangen, unsere Trauer ver-! gröstern mustd — Wüssten sie dies, so hätte sich ihre! Hand ilicht zum Artstreiche gegen das Iudenthuin er-; hoben, hätten sie die Recitirung der auf Wiederverlei-! hung des ain 9. Ab uns Entrissenen sich beziehenden : Bitten nicht verbieten können. Worin must also der > Grund der diesjährigen Vermehrung von Kinuotb in! den hiesigen Refvrmtempeln liegend DerEultusborstand! hat bei der Durchführung jener Beschlüsse nicht gedacht, I dast sich in Wien noch 300 gesetzestreue Ielmdim benn- > den, die ihre Pflicht kennen, die Gesinnnngstüchtigkeit! und den Muth haben, sich voll einer Eilltusgemeinde, die durch Osienbarungsleugnung aufhört, eine jüdische zu sein, loszusagen. Man hat nicht erwartet, dast es hier noch Männer gibt, die sich ihr Heiligstes nicht von der Willkür eiiies EultusvorstandeS und der zil seinen Werkzeugen sich herabwürdigenden „Geistlichen" rauben lassen; mau dachte nichts dast die Worte des ehrwürdigen Herrn Rabbiners Lxrlomon Spitzer auf einen fruchtbaren Boden fallen werden: man hoffte, dast die Orthodoxen, die ja schon lange ihre besonderen Synagogen haben, es nicht wagen werden, einer Cultusgcmeinde. die vom jüdischen Bekenntnisse abgefallen, keine Eiiltussteuer mehr zu entrichten. Da nun dies doch geschehen: da 300 jüdische Fannlienhäupter sich zu dem einzig correcten Schritte ermannt, den sie nach jenen Beschlüssen thun konnten; und da man einzusehen anfängt, dast der auf dem Boden des alten, einzig wahren bisher vom Staate anerkannten Iudenthums stehenden orthodoxen Gemeinde von der hohen k. k. Regierung nach dem Wortlaute und Geiste der Staatsgrundgesetze unzweifelhaft die Genehmigung ihrer Eonstituiruug ertbeilt werden must: suchte man die bisher io geduldigen Orthodoxen durch die bekannte 'Wiener Gemüthlichkeit, durch > eine scheinbare Schwenkung zu ködern, glaubt ilmen! durch die Vermehrung von r.'vp Sand in die Augen! streuen zu können.