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Der Israelit · 1872-09-04 · Heft 36 (4.9.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 36 (4.9.1872)
Date
1872-09-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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767 getrieben von der Peitsche der ägyptischen Ausseher, hatten erbauen müssen! Der Pirat übergab sämmtliche Gefangene einem Sclavenhändler, der sie nach Alerandria brachte. Das also war die Stadt, die einst Alexander der Große gegründet und die auch in der jüdischen Geschichte eine sehr große Rolle gespielt hat! Unter den ersten Ptolomäern war Palästina eine ägyptische Provinz gewesen, und Alerandria war damals der Mittelpunkt des politischen Lebens des von seinen Hohepriestern verwalteten jüdischen Staates. Hier hatten die 70 Aeltesten aus Befehl eines Ptolomäischcn Fürsten zum ersten Male die Bibel in eine fremde Sprache, in's Griechische, übertragen. Hier hatte der Tempel des Onias gestanden, der von dem flüchtigen Hohepriester Onias ganz nach dem Vorbilde des Tempels zu Jerusalem war gegründet worden. Hier hatte später eine große Synagoge geblüht, und unter tausenden von Verfolgungen hatte Gott die hier lebenden Israeliten beschützt und erhalten. Auch jetzt noch blühte eine große und wohlhabende isr. Gemeinde in Alexandria. Gern hätte Rabbi Samson den dortigen Glaubensgenossen Kunde von sich zukommen lassen. Sie hätten ihn sicher freigekauft, wenn sie erfahren, daß er als Sclabe in ihrer Stadt weilte; allein der Sclavenhändler wollte nicht gestatten, daß der jüd. Gefangene seine Glaubensgenossen aufsuche oder Botschaft zu ihnen sende. Die Nachfrage nach Sclaven, nach kräftigen, tüchtigen Arbeitern war damals gerade sehr groß, und der Händler beeilte sich, seine Waare auf den Markt zu bringen. Kannst Du Dir, lieber Leser, etwas Traurigeres verstellen als einen Sclavenmarkt? Menschen, die im Ebenbilde Gottes erschaffen worden, sind die Waare, die zunl Kauf ausgeboten wird. Da stehen sie in langen Reihen, Männer' und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, Knaben und Mädchen. Und diese Unglücklichen sind meistens nicht als Sclaven geboren, sie sind von Räubern geraubt imb aus den verschiedensten Lebensstellungen zusammengewürfelt. Die Tochter des Fürsten und die Tochter des Bettlers, sie werden manchmal von einem Herrn erstanden, der die Bettlerin zu seiner Gemahlin erhebt und die Fürstentochter als Magd verwendet. Der ehemals reiche Kaufmann, dessen kräftiger Körperbau schwere Arbeit zu ertragen scheint, muß in die Tretmühle wandern, um Tag und Nacht die einförmigste, geistestödtende Arbeit zu verrichten, während sein ehemaliger, mit ihm zugleich gefangen genommener Schreiber von einem Pascha oder Emir erworben wird, um als Secretär zu dienen und so einenl verhältnißmäßig angenehmen Leben entgegengeht. Am schlimmsten pflegte es den schönen, wohlgebauten Jünglingen zu ergehen. Im Oriente, und namentlich in Aegypten, wo die Vielweiberei herrscht, besitzt der geringe Mann selten genug, um sich den Luxus eines Harems oder auch nur j eines einzigen Weibes zu gestatten. Da kauft er sich i einen männlichen Sclaven, den er nicht nur in seinen j Geschäften verwendet, sondern auch zu den abscheulichsten! Dingen mißbraucht! Da stand nun Rabbi Samson auf dem Markte,! auf dem die in langen Reihen ausgestellten Sclaven! und Sclaviunen zum Kaufe ausgeboten wurden. Von allen Seiten kommen die Käufer herbei, betrachten und befühlen die dargebotene Waare und feilschen und mäkeln um den Preis. Ein Jedes nruß zeigen, was es kann. Die Mädchen müssen tanzen, das Tamburin schlagen, die Weiber müssen erzählen, was sie von der Haushaltung verstehen, müssen an auf dem Markte aufgestellten Apparaten weben, nähen und waschen. Die : Männer müssen erzählen, was für ein Handwerk sie! verstehen und müssen in aus dem Markte crrichreten j Werkstätten hobeln, zuschneiden, schustern, Baurisse zeich- ' nen und was derlei Dinge mehr sind. Schon mancher ' Kauf ist abgeschlossen: da naht sich ein vornehmer, von l mehreren Dienern begleiteter Herr der Gruppe, in wet-; eher sich Rabbi Samson befindet. Der Sclavenhändler begrüßt ihn auf's Ehrerbietigste, kreuzt die Arme über die Brust und verneigt sich zur Erde; dann spricht er inr unterwürfigsten Tone: „Was bestehlt mein gnädigster Herr, der Emir Said? Ich preise Gott, daß es mir vergönnt sein wird, Dir, mächtiger Emir, meine Waare zum Kauf auzubieten. Befiehlst Du Mädchen für Deinen Harem, in den; kaukasischen Bergen geboren, schön wie die Houris des; Propheten? Nirgendwo wirst Du sie schöner irnd preis- . würdiger finden als bei nür. Der Prophet möge Dich segneil, groszmächtiger Emir, daß Du zu mir Deine : Schritte gelenkt hast. Glaube mir, ich werde Dich bedienen, wie noch nie ein Fürst von seinem Knecht ist l bedient worden; das Schönste und Beste wirst Du von! mir erhalten um den billigsten Preis. Oder besiehlst; Du etwa . . . ." „ „Schweig, alter Schwätzer, und erwarte stillschwei-; gend meine Befehle!"" herrschte ihn der Emir an, und ließ stolz und ruhig seine Blicke über die zum Kauf : ausgestellten Sclaven und* Sclaviunen schweifen. Auf Rabbi Samson blieb sein Auge hatten. „Wie heißest Du?" fragte er ihn. „„Samson,"" antwortete der Rabbi. „Du bist ein Hebräer?" „„Mein Hecr ist weise und hat die Wahrheit errathen."" „Verstehst Du irgend ein Handwerk?" „„Dein Knecht hat nie ein Handwerk geübt."" „Hast Du etwa, der Gewohnheit Deiner Brüder gemäß, Dich mit dem Handel beschäftigt?" „„Dein Knecht ist ein Schriftgelchrter.""

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