Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1872)
- Date
- 1872-09-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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f t.v f,. I ■fc. T-T—7------'---!--- ' .»7"^ 1 ,.,4» v 766 sicht zu versetzen. Hierauf wendet er sich an die erstarrten Begleiter und ruft ihnen wuthend zu: Und Sie, was wünschen Sie? Wollen Sie, daß ich Ihretwegen den Polizeimeister soll aufknüpfen lassen? Entfernen Sie sich! und er wies sie zur Thüre hinaus. — Ich glaube, jeder Commentar zum obigen Factum ist überflüssig, die Thatsachen sprechen zur Genüge. (Rum. Post.) Frankreich. Paris, 26. August. Ihre gesch. Zeitschrift brachte unlängst nach französischen Blättern die Notiz, daß Herr Limbourg, der neue Präfect von Marseille, Jude sei. Da das Journal „L’univers catholique" hierüber sein Mißvergnügen aussprach , so hat der Vater des Herrn Limbourg an diese Zeitschrift einen Brief gerichtet, in welchem er zwar seine Achtung und Sympathie für die Juden ausdrückte, zugleich aber mittheilt, daß er sowohl wie sein (Lohn dem römisch-katholischen Glauben angehört. Sein Oheim sei sogar katholischer Pfarrer in Tbionville gewesen. Zugleich gibt Herr Limburg dem „Ilnivors eatdoliquo" eine Lection und ermahnt es, sich den toleranten Erzpricster, seinen Oheim, zum Muster zu nehmen. R u ß l a n d. Wilna. Nach der letzten Volkszählung in Wilna gibt cs dort unter 81,000 Einwohnern 10,172 Anhänger der russischen Staatskirche, 21,986 Katholiken, 1596 Protestanten, 166 Mohamedaner und 47,373 Juden. Schweden. Stockholm. Nach schwedischen Gesetzen dürfen Israeliten nur in Stockholm, Gothenburg, Norrköping und Karlskrona ansässig sein. Mit Bezug hierauf hat die Regierung ein Gesuch von drei Israeliten, welche in Malmö Handel treiben wollen, abschlägig beschicden. (H C.) Feuilleton. Per Jixfl von Loiiry. ix. Es ist wohl an der Zeit, daß wir unfern Lesern mittherlen, lvie es dem Helden unserer Geschichte, Rabbi Samson, so lange ergangen. Es waren traurige Tage und Wochen, die der Gefangene in dem untern Raume des Seeräuberschiffes, das ihrr nach Alexandrien bringen sollte, verlebte. Mit Hunderten von Leidensgenossen zusammengepfercht, entbehrte er nicht allein der frischen Lust, sondern lebte nur von verschimmeltem Brod und verfaultem Wasser, da er jede andere dargebotene Kost verschmähte, um das jüdische Religionsgesetz nicht zu verletzen. Dagegen hatte er einen andern Vortheil vor seinen Mitgefangenen voraus. Während diese von der schrecklichsten Langweile geplagt wurden, die sie gar nicht zu bannen vermochten, fand Rabbi Samson so viel Beschäftigung in seinem eigenen Nachdenken, daß trotz der unendlichen Leiden ihm die Tage und Wochen unvermerkt verflogen. Sein eigenes Loos als Sclave gab ihm Anknüpfungspunkte überall das nachzudeukeu, was schriftliche und mündliche Lehre, was Thora, Mischnah und Talmud über das Verhältniß der Sclaven und Knechte zu ihren Herren lehrerr und bestimmen. Wenn die Gefangenen auf das Verdeck geführt wurden, um frische Luft zu schöpfen, so war es die fremdartige, orientalische Einrichtung des Seeräuberschiffes, die ihm Anlaß gab, sich all das in's Gedächtniß zurückzurusen, was der Talmud über die Einrichtung der Schiffe erwähnt. So kam es, daß er stets, mit sich allein beschäftigt, auf die Unterhaltung der andern Gefangenen nicht achtete, und das war sein Glück. Denn diese, unter denen sich mehrere Hanptleute und viele Matrosen der gekaperten Schiffe befanden, hatten eine Verschwörung angezettett; sie wollten au einem günstigen Tage, da ein Sturrn das Schiff gefährden und die Aufluerksaurkeit des Schiffsvolkes vollständig in Anspruch nehmen würde, sich ihrer Ketten entledigen, ihre Unterdrücker tödten und sich des Schiffes bemächtigen, um nach Europa zurückzukehren. Die Seeräuber jedoch, die derartiges vermnthen mochten, hatten gleich zu Anfang der Reise Einige aus ihrer Mitte in Sclavenkleider gesteckt und unter die Gefangenen verlheilt, so daß sie von Allem Kunde erhielten. Eines Tages kam der Pirat mit seinen Offizieren und einigen Matrosen in den untern Schiffsraum. Die Anzettler der Verschwörung und die Hauptwortführcr wurden ergriffen und vor den Augen ihrer Leidensgefährten erdrosselt. Rabbi Samson aber, der, nach der Aussage der Spione, sich stets ruhig verhalten und an der Verschwörung nicht theilgenommen hatte, wurde von seinen Ketten befreit und crhwlt die Erlaubniß. sich für den Rest der Reise nach seinem Belieben auf dem Schiffe frei zu bewegen. Mit welchen Gefühlen betrat Rabbi Samson, als das Ziel der Reife erreicht war, die ägyptische Küste! Als Sclave betrat er das Land, in welchem dereinst seine Voreltern so lange das bittere Brod der Sclaverei gegessen hatten. Mtt welchen Gefühlen erblickte er die Pyramiden, die seine Väter dereinst, an-