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Der Israelit · 1872-09-04 · Heft 36 (4.9.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 36 (4.9.1872)
Date
1872-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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765 Holland. Amsterdam. Den israel. Soldaten, welche sich im Lagerplatz zu Milligen befinden, ist es erlaubt, von Freitag Nachmittag an in die benachbarten Städte Amersfoort, Hardewigk rc. den Sabbat zu feiern, um Sonntags frühzeitig ins Lager zurückzukehren; diese Erlaubnis wird von den Soldaten fleißig benützt. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Agram. Der Bericht über die an: 20. August in Agram abgehaltene Landtags-Sitzung in Bezug auf die Judenemancipation liegt uns vor. Derselbe lautet: Der Deputirte Fust legt unter allgemeiner Beifallsbezeigung das Gesetz über die Gleichstellung der kroatischen Juden vor. Er sagt: „Der kroatische Landtag hat sich wohl schon des unterdrückten Volkes angenommen und die Regierung aufgefordert, das Gesetz über die Gleichstellung der Juden einzubringen. Aber die Regierung bleibt damit zurück, und das darf man nicht zugeben. Die Juden gehen mit der kroatischen Nation Hand in Hand und zeigen ihre Opferwilligkeit für das Land. Wir dürfen diesen gebildeten Tbeil der Bevölkerung nicht länger unter den Vvrurtheilen des Mittelalters schmachten lassen. Der Landtag möge daher die Regierung nochmals auffordern, das Gesetz über die Gleichstellung der Juden baldigst vorzulegen, damit es gleich in der nächsten Sitzung zur Berathung und Annahme komme." Dieser Antrag wurde auch vom ganzen Landtage angenommen. Serbien. Belgrad. Ein Mitarbeiter der „Neuen freien Presse", welcher jüngst zur Großjährigkeitsfeier des Fürsten nach Belgrad gesandt wurde, schreibt über die dortigen Juden Folgendes: Die serbischen Juden stammen aus Spanien und führen trotz ihres Reichthuins ein einsames, abgeschlossenes Leben. Die Männer haben ihre Geschäfte in der Stadt, sie verkehren mit aller Welt, handeln und wandeln mit Türken, Arabern, Engländern und Franzosen, ihr Haus aber ist abgeschlossen, und keiner, der incht fränkischer Jude ist, darf in daffelbe kommen. Auch ein Jude aus andern Ländern wird als Fremder betrachtet. Sobald als eine serbische Judenfrau oder ein Mädchen einen fremden Juden sieht, läuft sie vor ihm davon, wie vor einem Christen. Niemals wird ein fränkischer Jude einem nichtfränkischen Juden seine Tochter geben. Ihre Sitten cr.nnern vielfach an Spanien und ihre Sprache ist dem Spanier noch verständlich. Als vor mehreren Jahren der spanische Gesandte Belgrad besuchte, konnte er sich mit den dortigen Israeliten recht gut verständigen. Rumänien. Piatra, 16. August. Unsere Polizei begnügt sich nicht mit den Geldstrafen allein, welche sie von den Juden, welche des Sonntags ihre Verkauisläden öffnen, l abverlangt, sie fügt der Geldstrafe auch ehrenrührige, > grausame körperliche Mißhandlungen bei. Die Polizei- I Commissäre wandern des Sonntags scharf inspicirend * durch die Straßen, und wehe dem Juden, dessen Magazin auch nur für einen Moment des Vormittags geöffi net wird, wehe ihm, wenn er das Unglück hat, keinen; andern Eingang zu seiner rückwärts vom Verkaufslocale sich befindenden Wohnung hat: er muß entweder d^n ganzen Vormittag Hausarrest haben, oder aber er wird mit Geld bestraft und zuweilen erhält er noch obendrein; eine tüchtige Tracht Prügel- Auch der Christ darf sei- * nen Laden nicht weit öffnen, aber die Circulation ist ihm nicht verweigert; er kann aus- und eingehen, wenn er die Thüre hinter i'ch nur wieder einfach zuklappt. 1 So hat denn Sonntag den 4 August folgende hübsche und erbauliche Scene stattgefunden: i Ein ziemlich angesehener jüdischer Kaufmann, Namens Wölfel Süßes, verkaufe Vormittags Mais an! einige Bauern. Das Unglück will es, daß der Com-! missär des Viertels, von zwei Gensdarmen begleitet, ■ vorbeipasfirt, und bemerkt, daß im Laden etwas verkauft l wird. Er öffnet die Thüre, tritt mit seinen Schergen j ein, läß die Thüre hinter sich zumachen und befiehlt seinen Begleitern, den Juden zu ergreifen, welche dem Befehl gehorchend, über den erschrockenen Mann herfallen, und ihn in unmenschlicher Weise mit Hieben und Stößen mißhandeln Die Frau des Unglücklichen, ein Kind im Arme, tritt dazwischen, doch sie wird mit einem heftigen Stoß zurückgeschleudert. Die Gensdarmen warfen den Süßes zu Boden, öffneten die Thüre, und schleppten ihn puffend und schlagend eine Strecke weit auf die Straße. Die herbeigeeilte Menge sicht starr zu, und Niemand wagte es, dem würdigen Commissär eine Vorstellung zu machen. Endlich schien des Grausamen Wuth gekühlt und die Scene hat ein Ende. Der Gemißhandelte verfügt sich hierauf auf die Polizei, und da der Präfect, Herr George Rosnavan, abwesend ist, wendet er sich mit seiner Klage an den Polizeimeister, welcher ihn statt aller Geurlgthung einige Stunden ein sperren läßt. Als endlich der sehnsuchtsvoll erwartete Herr Präfect zurückkehrte, eilt Herr Süßes in Begleitung feines Schwagers Osias Schorr und eines andern angesehenen Kaufmannes hoffnungsvoll zu ihm. Der Unglückliche trägt dem Herrn Rosnavan weinend sein Anliegen vor und verlangt Gerechtigkeit. Der gnädige Herr aber ist so freundlich, dem von Schmerz und Gram Gebeugten in Gegenwart mehrerer Beamten höchsteigenhändig einige Schläge in's Ge-

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