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Der Israelit · 1872-09-04 · Heft 36 (4.9.1872) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 36 (4.9.1872)
Date
1872-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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764 über die Klasse des Todtengewandes zu entscheiden haben, nun Bestattung im Oraun wünschen, warum sollte ihnen in ihrem Schmerze nicht die Beruhigung gewährt werden? — Wenn ein der altjüdischen Richtung -angehörender Mann sein junges Kind oder seinen Sohn in dessen Jünglingsjahren verliert, so dürfte schwerlich das Verlangte überhaupt exiftiren, schwerlich der Verstorbene au so etwas gedacht haben. Soll deshalb das Gefühl eines trauernden Vaters mißachtet werden, der nur durch Beachtung jener Vorschrift sich beruhigt fühlt? — Ein wohll. Vorstand ist auch gar nicht einmal im Stande seinen Beschluß stritt in alleil Fällen aufrecht zu erhalten; — ich erinnere nur an die Bestattung des leider jüngst so früh dahingeschiedenen jungen Kaufmanns Herrmann Landsberger, Sohn des seel. Lehrers am Beth Hamidrasch, des chrenwerthen Michael Landsberger, wo doch wahrlich keine schriftliche Testirung da war und dennoch die Rücksicht auf die Familie entscheidend sein mußte. Was aber dein Einen Recht ist, ist dem Andern billig und eine weniger rennommirte Famile verdient dieselbe Rücksicht. Geehrte Herren! Ich habe es vorgezogen, bevor ich diese Frage durch die-Presse behandle, in welchem Falle ich wohl die öffentliche Meinung für inich zu haben glaube, mich zuvor an Sie zu wenden, L>ie ergebenst bittend, cs geneigtest in Erwägung zu ziehen, und die kleine Modification in Ihrem Beschluß noch nachträglich eintreten zu lassen, wonach lediglich die Familie über die Bestattuilgsweise ihres Verstorbenen, ob Oraun, ob Sarg, zu bestimmen habe und darf mir wohl ebenfalls erlauben, mir hierüber geneigtest eine Antwort von Ihnen zu erbitten. Mit vollkommener Hochachtung L. Jolenberg, Oranienburgerstraße 86 a. Auf dieses Schreiben erhielt ich — keine Antwort, nahm deßhalb unterm 15. Juli nochmals Veranlassung, mich in einer Eingabe an denselben Vorstand zu wenden, demselben zunächst auf Ehrenwort versichernd, daß hier keinesweges ein Parteimannöver dahinterstecke und ich nur als vorgeschobene Person auftrat, vielmehr im Interesse der aufrichtigsten Humanität handeln wolle. — Den Herren im Vorstand brauche ich es wohl nicht erst zu sagen, wie sehr die Wahrheit des großen Dichterwortes: „Rasch tritt der Tod den Menschen an, cs ist ihm keine Frist gegeben," längst in unserm Judenthum begründet ist und wie ungerechtfertigt es sei, wolle man von einer Familie altjüdischer Richtung cs verlangen, daß jedes Mitglied, jung und alt, schriftlich Verfügung über sein Begräbniß treffen solle, wie wenig Schutz dieselbe bei einem Todesfall habe, wenn die Familie einmal vou einem schriftlichen Testat des Verstorbenen gehört und dasselbe in der Bestürzung nicht aufffnden könne, wie endlich die Angelegenheit und der Moment zu ernst wäre, um von einer trauernden Familie als Parteisache nur vorgeschützt zu werden, vielmehr Pietät und Gefühl derselben geachtet werden müsse. Ich beschränkte mich auf die Bitte, es nur in Erwägung zu ziehen, ob durch die von mir vorgeschlagene unbedeutende Modification des Beschlusses die Sache nicht vollkommen auf tolerante Weise erledigt werden könne. Aber — ich habe bis heute nicht den geringsten Bescheid — nun fassen wir das Räthsel möglichst gellnde aus — die Herren haben vielleicht nach ihrer Rückkehr von den Sommerreisen noch keine Plenarsitzung abgehalten. Jedenfalls werde ich die Angelegenheit aber weiter verfolgen und Ihnen, Herr Rcdacteur, über den Verlauf derselben Mittheilung machen. L. I. Fulda. Ehre , wem Ehre gebührt! Wenn es auch keine Seltenheit ist, daß Jene, die durch Verdienste sich hervorgethan, mit gerechter Auszeichnung von competenter Seite belohnt werden, so glaube ich dennoch, daß folgende Mittheilung den Lesern dieser geschätzten Zeitschrift von einigem Interesse sein dürfte. Es sind bereits zwei Jahre, seitdem durch des Krieges Folgen so viele unserer deutschen Brüder in's größte llnglück gestürzt wurden Dieses Unglück nun zu mildern, schaarten sich in allen deutschen Gauen Menschenfreunde zusammen, die es sich zur heiligen Aufgabe machten, die Verwundeten zu Pflegen, ihrer sorgfältig zu warten. So bildete sich denn auch hier ein Frauencomit«, dem sich in anzuerkennender Weise jüdische Frauen hiesigen Ortes anschlossen. Unter letzteren nun war es Frau Blüma Eschwege, die Frau des Herrn Löser Eschwege, die sich durch ihr unermüdliches Wirken in benannten: Vereine besonders auszeichnete. Zu jeder Zeit sah man sie die Räume des Lazareths durcheilen, mit aufopfernder Liebe hier dem armen Kranken Labung reichen, dort die Wunden der Unglücklichen auswaschen und verbinden, und da wieder dem der Verzweiflmlg Nahen trostreiche Worte zuflüstern, und weder Seuche noch Verstümmelungen, die im Lazarethe heimisch waren, vermochten sie von diesen Liebesdiensten zurückzuhalten. Wenn es auch Lohn genug ist, das Bewußtsein zu besitzen, die leidenden Mitmenschen nach Kräften unterstützt zu haben, so freute es uns doch, daß erwähnte Handlungen auch von Sr. Majestät, unserm gnädigen Kaiser, gerechte Würdigung fanden, die darin besteht, daß Frau Eschwege am 18. d. M. mit der Sanitäts- Decoration in Anbetracht ihrer Verdienste während der Jahre 1870 und 1871 allerhuldvollst decorrrt wurde. N . e.

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