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Der Israelit · 1872-09-04 · Heft 36 (4.9.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 36 (4.9.1872)
Date
1872-09-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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762 Helten des Judentums dem Kinde schon eingeprägt werden. Die erhabenen Vorbilder der altehrwürdigen Frauen können wohl zur Genüge zeigen, wie sie ihre Glückseligkeit in der innigen Frömmigkeit und Ergebenheit in den göttlichen Willen fanden, wie sie den Stürmen von Außen die sittliche Größe und herzliche Innigkeit der erhebendsten Gefühle entgegensetzten, wie sie die wahre Freiheit in der Ausübung der religiösen Pflichten suchten und fanden. Die deil jugendlichen Sinn anziehenden Bilder von den rauschenden Vergnügungen des Lebens müssen dem ohnedies für solches leicht empfänglichen Gemüthe des Mädchens entrückt werden. Der Darlegung der jüdischen Glaubcnsprincipien und Sittlichteitsgesetze wird es leicht gelingen, die Nichtigkeit lind Schädlichkeit der Eitelkeit, Putzsucht, der schlüpfrigen Lectüre und der gefährlichen Romanliteratur 51t erweisen. Die jüdische Geschichte in allen ihren Einzelnheiten wird als Leiterin das Kind zur Erkenntnisz des wahren Judenthums und seiner Principien führen. So ausgerüstet, gelaugt die jüdische Jungfrau bald zum Bewußtsein ihrer Pflichten innerhalb des Judenthums. Nicht sollen, dem Zuge der Zeit folgend, die Jugendjahre ans Bällen, im Theater, in Concerten oder an anderen Belustigungsorten verlebt werden, sondern im Hause, . im trauten Familienkreise; in dem steten Streben, ein würdiges Glied der großen Kette der Menschheit im Allgemeinen und des Judenthums im Besonder» zu sein, sollen sie zur geistigen Ausbildung und zur moralischen Kräftigung benutzt werden. Der schädlichen Romantik, ebenso wie der fingirten Begeisterung für Kunst und Wissenschaft, die heutzutage, mit Alltagsphrasen um sich werfend, sich allenthalben zeigen und die das religiöse Leben untergraben, die sittliche Reinheit vernichten, die engsten Familienbande freventlich zerreißen und die Jugend in einen bodenlosen Abgrund stürzen, nmß sich das jüdische Mädchen mit aller Kraft entziehen. Das Judenthum verlangt aber nicht von seinen Bekennern ein ascetisches Leben, Abgeschiedenhenheit und Entsagung aller Genüsse, Zurückziehen und Lossagen von dem Schaffen und Treiben um uns; man braucht nicht gegen Kunst und Wissenschaft, die den Menschen veredelnden Elemente anzukämpfen; es darf vielmehr Alles, was nicht mit den göttlichen Gesetzen in Collision tritt, nach Neigung betrieben werden. Dabei muß man jedoch eingedenk lein, daß dieses nicht allein die Lebensaufgabe des Juden ausmacht, daß vielmehr das religiöse Leben in den Vordergrund treten und im Contact mit dem praktischen sich nicht farblos und nur als bloße Form zeigen muß. Tief eingeprägt seien die Pflichten und Forderungen des Judenthums allen seinen Bekennern; durchdrungen von dem Geiste seiner erhabenen Ideen seien alle seine Anhänger. Dann werden jene sogenannten geiftesftab.ken Menschen, denen jedes religiöse Gefühl frenld und Religion überhaupt ein überwundener Standpunkt ist, nicht mehr sich und die von ihnen Beeinflußten der Religion der Väter entfremden. Dann werden die höchst betrübenden Fälle von zerstörtem Familienglück durch Kinder, die in Uebermuth und Verhöhnung des jüdischen Glaubens und Sittengesetzes die Tage der Eltern verbittern, zu den seltensten Ausnahmen gehören Fassen wir die Forderungen zusammen, die wir an die Erziehung der Mädchen stellen: das Mädchen muß das Judenthum und seine Gesetze kennen, den schädlichen Einflüssen von Außen entzogen werden. Das Haus und der Familienkreis sollen für die geistige Ausbildung und moralische Kräftigung Sorge tragen und durch Beispiele aus der jüdischen Geschichte sittliche Reinheit und Geistesadel als Grundprincipien des Judenthums erkennen lassen, damit die Religion in d.em jugendlichen Gemüthe feste Wurzel fasse und das religiöse Leben iu allen Lebensverhältnissen in den Vordergrund trete. Wenn nun derartig das Mädchen für seine Pflichten vorbereitet ist, daun hat man auch festgegründete Hoffnung, daß das jüdische Haus, das' es später gründe, ein Heiligthum sein wird, in dem weder gemeine Handlungen verübt , noch unedle Worte gesprochen werden. Denn die jüdische Familie muß ein Tempel sein, der nicht entheiligt werden darf durch Unfriede oder unehrenhaftes Benehmen. Das echte jüdische Weib allein ist im Staude, der Familie jenen poetischen Reiz zu verleihen , der lediglich im Judenthume gefunden wird. Blicken wir jedoch hinaus iu's Weltgetümmel, wo wir so viele jüdische F,-.mitten inmitten 'berauschender Vergnügungen bemerken, wie sie das silbische Religionsgesetz in jeder Minute übertreten, das stille Familienleben nur dem Namen nach kennen, und tragen wir sie, ob sie wahrhaft glücklich sind. Die Ehrlichen werden sicherlich mit einem bestimmten Nein antworten. Denn der Flitterglanz ltnb das wilde Toben sollen gewöhnlich nur die innere 'Unruhe und Leere dem Auge der Welt entziehen. An die Stelle wahrhaften Glückes sind leere Formen ohne irgend welchen geistigen Gehalt getreten. Bald aber gehen die Wogen der häuslichen Unzufriedenheit höher, der auf dem Meere von Lustbarkeiten und Vergnügungen sich schaukelnde Nachen stößt bald auf mannigfache Hindernisse, und zerschellt endlich an irgend einer Klippe, die bisher durch Nebel verdeckt gehalten war, und so ist der kurze Traum von Glückseligkeit dahin. Das Vertrauen und die Vertraulichkeit der Gatten gegeneinander schwinden von Tag zu Tag mehr, bis endlich der moralische Verfall unausbleiblich und die letzten Trümmer eines zerstörten Familienglückes vernichtet sind. Die Erziehung der Kinder kann natürlich unter solchen Verhältnissen keine glückliche sein, und sehr oft entstehen in den Kindern bittere Rächer für die Jrrthümer und Vergehen der Eltern, indem jene in neuer Auflage erscheinen lassen, was sie diesen abgelernt. Ganz anders jedoch gestaltet sich das echte jüdische Familienleben, dessen Begründerin hauptsächlich die fromme

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