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Der Israelit · 1872-08-28 · Heft 35 (28.8.1872) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 35 (28.8.1872)
Date
1872-08-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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758 Gutachten enthaltenen religiösen Prinzipien zu veranschaulichen und die Darnachhaltung als das einzige Ziel ihres gegenwärtigen Vorhabens zu bezeichnen Ich bin nun in der Lage, Ihren Bericht zu ergänzen, und in obiger Affaire einige, von dem echt jüd. Sinn der hiesigen Orthodoxen Zeugnis; gebende Thaisachen registriren zu können. Noch bevor' der Ausspruch genannter Nabbinen in die Oesfentlichkeit drang, hatte bereits bei einer beträchtlichen Anzahl hiesiger Gemeindemitglieder in Folge einer Erklärung des um die Wiener jüd. Interessen so verdienten Führers Herrn Rabbiner Spitzer '"j die Ueberzeugung Wurzel gefaßt, daß sie, um als treue Anhänger des Judenthums zu handeln, in keiner Weise im Verbände der Cultusgeme'nde bleiben dürfen. Die später erschienenen Gutachten drückten der erwähnten Erklärung nur noch das unverbrüchliche Siegel der Wahrheit auf, und trugen sichtlich dazu bei, die angeregte Idee, eine autonome Gemeinde zu bilden, ihrer Verwirklichung naher zu bringen.^ Dem Eultusvorstande entging wohl nicht diese Stimmung, die mittlerweile unter den Gcmeindegliedern immer mehr an Jntension gewann. Doch anstatt, wie man allgemein vermuthcte, gegen die die Cultussteuer verweigernden Orthodoxen, als ihre Stammesgenossen, schonend und rücksichtsvoll zu verfahren, und überhaupt einen cbti ’mn fern zu halten, brachte derselbe ein für seine Sache probates Mittel in Anwendung. „Er ließ nämlich „eine Anzahl der Cultussteuerpflichtigen, welche „aus erwähnten Rücksichten dieselbe zu entrichten „sich weigerten, behördlich scguestriren, und als sich „auch dieses energische Vorgehen grvßtentheils als „fruchtlos erwies, wurde dieser Tage bei Einem „der Sequestrirung mH der Trans ferirung der „Effecten der Anfang zum Scandal gemacht." So eschehen in der Residenz unseres liberalen freieitlich gesinnten Reich es, in einem Jahrhundert der Aufklärung und Civilisatiou, von Männern, welche die humane Interessen einer Großgemeinde Wien zu vertreten und zu fördern berufen sind. Es wäre überflüssig, ein solches Verfahren näher zu illustriren. Mögen die Wiener Jehudim in ihrer Ausdauer verharren. Das Judenthum, das in seiner Geschichte eine beispiellose Aufopferung für seinen Glauben verzeichnet hat, wird solche Proben, wie derlei in neuester Zeit häufig an seine Bekenner herantreten, ohne jedwede Ueberwindung bestehen können. Schließlich seien dem für die Constituirung der neuen orthodoxen Gemeinde erwählten Comitv einige Worte der Ermunterung gewidmet, daß dasselbe wie bisher sich bemühen möge, das einmal begonnene Werk seiner Vollendung nahe zu -ringen, ',n na crp? zb. Der Allerhöchste, der über die Gedanken der Könige und Fürsten verfügt, wird seinen Beistand nicht fehlen lassen. Hoffen wir, daß eine hohe österreichische Negierung das gerechtfertigte Verlangen einer Anzahl loyaler Staatsbürger nicht unberücksichtigt lassen wird. v. 8. Wien. Es liegt uns der erste Jahresbericht des von Frau Esther B y ck gegründeten „Polnilch-israclitlschen Frauen-Wohlthätigkeitsvereins" vor. Seit anderthalb Jahren wirkt derselbe im Stillen zur Linderung der Roth und des Elends hiesiger verschämter Armen, Kranker und Eurbedürftiger. Der Verein zählt bereits 181 Mitglieder , und trotz des geringen monatlichen Beitrages von vierzig Kreuzern wurden im verflossenen Jahre, die Regiekosten und den zurückgelegteu Fonds von st. abgerechnet, nahezu tausend Gulden ail Unterstützungen vertheilt. Schließlich müssen noch die Verdienste des Herrn Hof- und GerichtsadvoeatenDr Oskar Berggruen, welche er sich um die Constituirung des Vereins erworben hat, erwähnt werden. Aus Ungarn. In einem Weinberge des Zelaer Eomitates, welcher derWittwe Mana Weber gehört, erschien vorigen Herbst der Handelsjude Schwalb. Im Weinberge arbeitete der Knecht Stefan Bogatin, und die Eigenthümerin befand sich eben zufällig mit ihrem kaum vierjährigen Kinde dort. Als nun der Jude mit dem laugen Bart kam, erschrak das Kind und fing heftig zu weinen an. Darüber aber wurde die gute Mutter so zornig, daß sie ihrem Knecht befahl, den alten Juden zu verjagen. Der Knecht nahm die „Weinbergshaue" und setzte dem alten Juden nach. Als er den weißbärtigen Greis endlich erreicht hatte, schlug er ihm die Weinbergshaue so lange an den Kopf, bis der alte Jude, der daheim Weib und Kind hatte, zusammenbrach, und sein Leben aushauchte. Das Komitatsgericht verurtheilte den Mörder zu fünfjährigem schweren Kerker. Aus Galizien. Vor einigen Tagen ging von Stanislawczyk, einem kleinen, nächst Brody gelegenen Städtchen, der dortige jüdische Schlächter in das benachbarte Dorf, um den rituellen Schlachtungsakt auszuführen. Der Schächter trug ein Fläschchen Aqua vitae bei sich, um, falls er ermüden sollte, eine kleine Herzstärkung nehmen zu können. Während er den vor seinem Ziele liegenden Wald passirte, wurde er plötzlich von einem Strolche angefallen. Der schlichte Mann suchte sich zwar zur Wehre zu setzen, allein vergebens , er wurde übermannt und ihm die Arme

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