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Der Israelit · 1872-08-28 · Heft 35 (28.8.1872) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 35 (28.8.1872)
Date
1872-08-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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759 gebunden. „Das Geld her!" schrie der Bandit Der Angefallene folgte seine ganze Baarschaft, in 80 Kreuzern bestehend, ans,' der Räuber aber wollte noch mehr haben, indem er dem Juden ein Pfeifchen zeigte und sagte, falls er darauf pfeife, würden noch fünf Kameraden kommen und dem Aermsten den Garaus machen. Der Angcfallene bot nun dem Räuber zitternd seinen Branntwein an. Während der Letztere aus der Flasche trank, befreite sich der Jude rasch von seinen Banden, ergriff sein Schlachtmesser und schnitt dem Banditen den Hals ab. Zu entfliehen wagte er jedoch nicht, bis er in weiter Ferne einen Gendarmen erblickte, worauf er aus Leibeskräften um Hilfe rief. Der Gendarm kam und brachte den Inden sammt dem todten Räuber in die Stadt, wo Ersterer einstweilen in Verhaft blieb Dem Banditen wurde jenes Pfeifchen abgenommen, und eine Abtheilung Soldaten begab sich in den Wald. Kaum lies; sich der cigenthümliche Pfiff hören, als die fünf Banditen eilends herbeikamcn und so in die ihnen gelegte Schlinge fielen Italic n. Aus Rom schreibt man uns: Obwohl dem nachstehenden „Mortora"-Fa!le unter dem freiheitlichen Regime des heiligen Rom bald eine befriedigende Losung zu Theil ward, so wirft derselbe dennoch über die vvrseptemberlichen Zustände ein zu bedeutendes Licht und erregt zu viel Aufsehen, um nicht in seinen Einzelheiten' bekannt zu werden. Henriette, eine Tochter des in Nettuno, einem kleinen Dorfe in der Wätje von Porto d'Anzio, wohnenden Israeliten, Samuel Ascarelli, verliebte sich in einen jungen, katholischen Gewcrb smann des genannten Ortes. Die Liebe bestimm'e das fünfzehnjährige Mädchen, ihren Geburtsort, ihre Familie und ihre Religion zu verlassen, um sich mit dem Gegenstand ihrer Zärtlichkeit für dieses Leben einen zu können. Henriette entfloh aus Nettuno unter dem Schutze der örtlichen Geistlichkeit ungefähr vor l6 Monaten, und wurde in Rom in dem für die Karechumenen bestimmten Kloster bei S. Maria di Monti untergebracht, daselbst zum Uebertritte in die katholische Religion vorbereitet und am Charsamstage :: it großem Pompe bei S. Giovanni in Laterno, im Bap'tistcrio Konstantin des Großen getauft. Ihr Vater, welcher nach langen Forschungen endlich erfahren hatte, wo sich seine Tochter befand, wurde nicht eher zu derselben gelassen, bis die Tauft vollzogen war. Der Einfluß, welcher währeud eines achtmonatlichen Aufenthalts auf das Mädchen ausgeübt wurde, war so nachhaltend, daß Henriette sich weigerte, den Bitten ihres Vaters nachzukommen und in den Schooß ihrer Familie zurnckznkehren. An ein gerichtliches Verfahren war unter per Regierung der Geistlichen nicht zu denken und obwohl von der Heirath, welche dieser Bekehrung als erstes Motiv diente, nicht mehr die Rdde war, blieb das Mädchen in dem obengenannten Kloster eingeschlosseu. Unter so bewandten Umständen kam der 20. September 1870, und mit dem Falle des weltlichen Regiments der Curie wurden dem Vater der Neophytin die Mittel in die Hand gegeben, seine väterlichen Rechte vor den Eivilgerichten geltend zu ruachen. Gegen eine günstige Entscheidung von Seite des Tribunals erster Instanz appellirte der Rector dieser klösterlichen Anstalt für Kalechumnen, allein auch der Apellationshof bestätigte das Urtheil zu Gunsten des Vaters. Run wurde von Seiten der italienischen Polizei alles Mögliche aufgeboten, um die Sache in Gutem bciznlcgcn und die Herausgabe des Mädchens ohne gerichtliche Executio» zu erzielen. Alles war umsonst. Der Rector verweigerte die Herausgabe Henriettens. Vor dem Kloster sammelten sich in den letzten Tagen drohende Volksmasse» und die Behörde wurde genöthigt, mit Gewalt einzusckreiten. Einem llltimatum entgegnete der Rector, daß er nur der Gewalt nachgeben würde Der Vater des Mädchens hatte sich am 13. Juni in Begleitung des Polizei-Jnspeetors Maio und der königlichen Gendarmen nach dem Kloster verfügt, wo eine große Menschenmenge nur mit Hilfe der Sicher-- heits»iachcu beschwichtigt werden konnte Als man nach wiederholtem Klopfen das Thor nicht, aufschließen wollte, wurde dieses sowohl als nach und nach andere stchs Thüren eingerannt und Henriette endlich in einem Nonnengewande in der Capelle des Klosters betend aufgefunden. Nach erfolgter Conftatirung ihrer Persönlichkeit wurde das Mädchen in Gesellschaft von zwei Nonnen in einen 28agen gehoben und auf die Polizei-Direction gebracht. Da sich das Mädchen unter den Zusprüchcn der beiden Nonnen weigerte, in das väterliche Hans zurückzukehren, schlug der Polizei- Director Berti in versöhnender Weise vor, man möge dasselbe einstweilen in einer katholischen Familie unterbringen; allein noch am selben Abende kehrte Enrichetta zu ihrem Vater zurück, machte mit demselben einen Spaziergang durch die Stadt, nachdem sie verlangt hatte, ihren Nonnenrock abzulegen, und ist am 14. Juni mit Samuel Ascarelli in ihren Geburtsort abgereist. Eine so friedliche Lösung wäre unter dem vorigen Regimente nicht möglich gewesen.

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