Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1872)
- Date
- 1872-08-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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750 „ftiit dem klugen Aeugleinwie seinerzeit ein Literat der Synode unseren Helden geschildert, so schnell den famosen Karbonnadenproceß eines Großherzoglich Hessischen Landesrabbiners zu Darnlstadt vergessen haben soll und fing schon an, über die im Dunkel der Verleumdung einherschleichende Orthodoxie z» schimpfen. Gerade unbändig ließen sich aber die Herren Vertheidiger der gekränkten Unschuld über den armen orthodoxen Correspondenten aus, als in der Vossischen Zeitung folgendes Inserat zu lesen war: „Die aus Warmbrunn in einem hier erscheinenden jüdischen Blatte von einem „Berliner" Corres- „pondenten über mich gegebenen Nachrichten erkläre „ich für Unwahrheiten, vr. And, Rabbiner." Aber, wie erstaunte man, als die nächstfolgende Nummer dieses dahier vielgelesencn Blattes nachstehende Erwiderung des Aub'schen Dementi's brachte: „Dem Dementi des Herrn Rabbiners gegenüber „halte ich meine Behauptung vollkommen aufrecht, „und bin eventuell erbölig, sie durch Zeugenaussagen eidlich zu erhärten." Der „Berliner" Correspondent. Was der so ins Gedränge gebrachte Herr Geistliche diesem kräftigen Anti - Dementi gegenüber;u thnn beabsichtigt, ob er vielleicht in seiner Bedrängniß 'iw u-.y-pi 3 uv sein wird, wir vermögen dies vorderhand noch nicht zu sagen. Vielleicht denkt der gute Mann, Berlin, das sich ja sonst so Vieles von ihm imö seinem Amtsbrnder bieten läßt, werde auch in dieser Sache tolerant mit ihm verfahren. Möglich, daß die Rechnung keine falsche ist. Sollte es sich wirklich bestätigen, so wäre dies wieder ein Zeichen von dem feigen Benehmen der hiesigen jüdischen Gemeindeglieder. Man macht wohl eine Faust in der Tasche, wie schon oft bei den schändlichsten Angriffen auf unser Gottesgesetz durch das Rabbinatscollegium, zu einem thatkräftigen Handeln und energischen Proteste, dazu versteht sich selten ein Berliner. Man geht allenfalls aus der Heidenrenther Synagoge, wenn der würdige College des von den Halborchodoxen gemiedenen Geiger in seinem schönen Dialecte von der „Dora" dorten predigt, itnb damit hat's sein Bewenden. Unter solchen Verhältnissen sollten diese Leute, die ja nur in kleineren Punkten von der Richtung des Adaß-Jisrael abweichen, in der Erhaltung und Kräftigung des traditionellen Judenthums aber mit derselben einig sind, ihre kleinliche Opposition fallen lassen. Nur in dem vereinten Handeln Derer, die den gemeinsamen Boden der Ucberlieferung anerkennen, liegt das Heil; priucipielles und fortgesetztes Auseinandergehen kann nur den radikalen Elementen zu Statten kommen. Hoffentlich habe ich Ihnen nächstens Erfreulicheres zu melden, wenigstens ist dies schon jetzt von der Entwickelung der Adaß-Jsroel der Fall, die jetzt definitiv vielleicht schon für die nächsten Festtage, die noch im Bau begriffene Synagoge in der neuen Friedrichsstraß.e, welche viel Ehr Platze als die. bisherlge enthält, beziehen wird. v"rr"' Berlin. Mehrere hiesige politische Blätter berichten: „An der hier neubegründeten..Hochschule für die Wissenschaft des JudeitthnmS" sollen sich, obwohl dieselbe auch christlichen Theologie-Studirenden Gelegenheit bietet, talmndische Vorlesungen zu hören, bis jetzt nur 18 Zuhörer eingefunden haben. Der neuen Anstalt kommt nicht von allen Sellen Gunst und Vertrauen entgegen. Namentlich ist die Berufung des radikalen Reformers Dr. Geiger nicht nur den streng conservativen Juden, .sondern auch den gemäßigten Reformern mehrfach anstößig geworden." Die Thalsache, daß die Hörer der „Facuttät" bei den talmudische» Vorlesungen mit entblößtem Haupte dasitzen, wovon ich Ihnen schon früher berichtet, wurde jüngst auch in dem „Berliner Tageblatt" besprochen und zum Schluß mit der Bemerkung begleitet, daß der erzählte Fall einen sehr bedauerlichen Eindruck über die Bildungsstufe der Studirenden der jungen Hochschule hinterlasie " Wie uns jetzt von eingeweihter Seite mitgetheill wird, hat der Docent Dr. Lewy neuerdings eine Eingabe all das Facultätscollegium mit dem Ersuchen gerichtet, die Kopfbedeckung bei seinen Vorlesungen für obligat zu erklären. Doch , o Schrecken.' der „ fromme" Doktor fiel mit seinem Alltrage durch lllld hat in den jetzt eingetretenen vierteljährigen Ferien Zeit, über seine verunglückte Operation nachzndcnken. Natürlich, armer Lewy, Sie sind zu bedauern, wenn Sie je den Wählt gehabt, die „Facuttät", au der ein Geiger wirkt, fromm und „koscher" zu machen. S. L. Aus Worms erhalten wir die nachsteheilde Zuschrift: „Gestern aill -am mv war ich Zeuge eines Vorganges, der Nlich auf's Tiefste empörte — der ähnlich vielleicht in ganz Europa noch niemals vorgekonililen Als ich Nachmittags um 5 Uhr durch die Hauptstraße ging, führte mich mein Weg an ein Hans, wo viele Juderl standen und noch immer deren hinznkainen; nach der Ursache dieses Versammelns mich erkundigend, erfuhr ich, daß Freitag Morgen ein Spenglerlneister gestorben sei, dessen Leickenbegängniß eben stattfinde. Ich traute kanin meineir Ohren. Heute am rüff ein Leichenbegängnis Ich frug nochmals , ob dies wirklich Thatsache sei und siehe! da kam schon der Herr Rabbiner in seinem Ornate — die Leiche wurde in den Wagen gebracht, der Condnct setzte sich in Bewegung, zwei Mitglieder der .v->2.^senkten die Leiche ins Grab, — worauf der Herr Rabbiner eine kurze Anrede hielt, uub das Tra»erspiel wa i zu Ende." (Wie wir vernehmen, fand das obenerwähnte Lei-