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Der Israelit · 1872-08-28 · Heft 35 (28.8.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 35 (28.8.1872)
Date
1872-08-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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^äs er bon seinen Eltern ererbt hat, wird er wohl größtenteils in Mainz und in Concy aufgezehrt haben. Ein Geschäftsmann ist er nicht. Wovon also will er sein Weib ernähren? Ihr sagt, er wurde vielleicht Rabbiner in Wien werden. Ja, vielleicht; vielleicht aber auch nicht. Und wenn er's würde, was hätte er da? Besolden etwa die Gelneinden ihre Rabbiner so, daß diese bequemlich davon leben' können? Nein, ich vertrete jetzt die Stelle von Zaires Vater, und ich werde das Mädchen so versorgen, wie es m i r angemessen erscheint. Da ist der reiche Abner, der reichste Mann weit und breit, der hat um das Mädchen angehalten und ihur werde ich sic zum Weibe geben."" „Ich habe soeben meine Schwägerin und ihre Tochter gesprochen. Dinah hat ihr Euren Wunsch mitgetheilt, aber das Mädchen weigert sich auf's Entschiedenste, sich dem Abner zu verloben." „„Weigert sich? Was liegt an ihrer Weigerung? DaS Mädchen, welches den Abner hcirathct, macht cur großes Glück, Abner ist der reichste Mann weit und breit. Mag sic sich weigern, ich werde sie nötigenfalls zu ihrem Glücke zwingen."" ^Zwingen? das werdet Ihr nicht thun. Dean darf die eigene Tochter nicht zwingen. einen ungeliebten Mann zu heirathen, um wie viel weniger das Kind eines Andern. Und noch ein Anderes spricht hier mit Ihr dürft Eures Bruders Tochter nur in dein Sinne und nach dem Wunsche Eures Bruders verheiratben. Und würde dieser wohl jemals seine Tochter einem Am Haarez zum Weibe gegeben haben?" „„Was Ihr da redet! Weil'mein Bruder ein Narr war 'ein Lebelang, so soll ich etwa ans die Narrheiten Rücksichten nehmen, die er begehen würde, wenn er hier wäre? Ich will's Euch nur gestehen. Es liegt mir sehr viel an dieser Verbindung meiner Nichte mit Abner. Er wird, wenn er erst mein Neffe ist, mein Compagnvn werden, und mir wird es dann gestattet fein, über seine großen Mittel zu schalten wie über mein Eigenthum. Ist etwa in Euer dumpfes Studirziinmer eine Kunde gekommen von dem, was in der Außenwelt vorgeht? Große Ereignisse bereiten sich in der Welt vor. Die mächtigsten Fürsten der Welt, der deutsche Kaiser, der alte Rothbart, König Philipp von Frankreich und König Heinrich von England, unser Herr, wollen gemeinsam nach Osten ziehen, um Sultan Caladin zu bekämpfen, das Land, das einst unfern Vätern gehörte, zurückzuerobern. Eine große Bewegung geht durch die Welt; die Fürsten, Grafen und Ritter rüsten sich, um an diesem Kriegszuge theilzunehmen. Sie verkaufen ihre Besitztümer um billigen Preis, damit sie das zum Kriege nöthige Geld erlangen, weil sie denken, alle Schätze des Orients erwerben zu können. Wer jetzt viel Geld hat, um zu kaufen und zu verkaufen, wie es die Zeit erfordert, kann ungebeure Summen verdienen. Zwar bin ich reich. aber Abner hat von seinem Pater ein noch viel größeres Vermögen ererbt. Wenn wir Beide uns miteinander verbinden, so werden wir ungeheure Reichthümer erringen können. Abner ist bereit, mein Compagnon zu werden; allein er hat mir die Bedingung gestellt, daß ich ihm zuvor die Hand Za'üen's gebe. Ihr seht alio, Rabbi Moscheh, ich kann nicht anders, wenn ich auch wollte."" „Chajim. Chajim, schämt Ihr Ench nicht, Eure unersättliche Gier nach Reichthümern so offen zu bekennen? Euren eigensüchtigen und eigennützigen Plänen wollt Ihr das Glück der Tochter des Mannes opfern, der für Euch in die Sclaverei gegangen ist?" „„Was redet Ihr da, Rabbi Moscheh? Nicht unglücklich will ich meine Nichte mache», im Gegcntheil, ich will sie hochbeglücken, indem ich ihr den reichsten Man» weck und breit verschaffe. Was hätte sie davon, wenn sie den Iizchak, den Aschkenasi heirathete? Hunger und Kummer wäre ihr Loos. Ich aber will sie zu einer reichen, angesehenen Frau machen. Kann ein Mädchen wohl glücklicher werden?"" „Ihr babt sehr eigenthümliche Ansichten über Glück oder Unglück, Chajim. Für Euch besteht das Glück einzig in dem großen Besitze. Wie ist cs nur möglich, daß Ihr des edlen Rabbi Samson Bruder seid! Ich dringe nicht »er, er in Euch. Wo Euer Eigennutz im Spiele ist, da wäre alles Bitten vergeblich." „„Ihr thut Recht daran. Saget dem Iizchak, er solle nur getrost nach Wien reisen; wird er es aber nicht gutwillig thun, so werde ich Mittel und Wege finden, ihn gewaltsam von hier zu entfernen. Fürst Raoul von Concy, unser gnädigster Herr, ist mir sehr gewogen. Auch er wird mit gen Palästina ziehen; er hat mich beauftragt, alle die nothwendigcn Einkäufe für :lm zu besorgen. So mag denn dieser Iizchak sich in Acht nehmen und bald freiwillig seine Reise antreten. Ihr. aber dringet nicht ferner in mich. Zaire wird Adner's Weib. Das ist mein fester Entschluß, und Niemand wird Etwas daran ändern können."" „Ihr sprecht sehr zuversichtlich. Wisset jedoch: viele Pläne sind in dem Herren eines Mannes, allein nur der Rathschluß Gottes wird Bestand haben. Der Vater der Waisen, der Richter der Wittwen wird die Angehörigen Rabbi Samson's nicht Eurer Willkür überlassen." (Fortsetzung folgtH Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redactton: Dr. Lehmann. — Verlag der Le mour'scken Hofbuchhandlung. I. Gotttzleben's Buch- und Steindruckerri in Main-.

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