Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1872)
- Date
- 1872-08-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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binnen möchte und dann schaute sei« mildes, freundliches -luge auf mich voll freudiger Hoffnung." „„Und weißt Du, ob Jizcha! Dich wird zum Weibe begehren?"" „Ich weiß es nicht," antwortete Zaire erröthcnd, „aber ich glaube es." In diesem Augenblicke öffnete sich die Thüre und Rabbi Moscheh trat ein. „Grüß Dich Gott, liebe Schwägerin," sprach er, „und auch Dich, liebe Nichte! Wie- Deine Augen sind geröthet von Thränen. hast Du wiederum um den verlorenen Pater geweint? warum fügt Ihr Euch denn nicht endlich in den Willen des allmächtigen Gottes?" „„Lieber Schwager!"" antwortete Dinah, ihm einen Stuhl hinftellend, „„wohl sind unsere Herzen voll Kummer ob des zum Sclaven verkauften Gatten und Pater's; allein die Thränen, die meine Tochter soeben vergossen, haben einen andern Grund; mein Schwager Chajim will Zaire mit dem reichen Abner.verheirathen, und sie weigert sich, diesen zum Manne zu nehmen."" „Und warum," fragte Rabbi Moscheh, „weigerst Du Dich deffen, Zaire? Ist eS doch sonst wohl der ^Wunsch junger Mädchen, durch ihre Berheirathung reich zu Werden, ein schönes Haus, schöne Möbel, schöne Kleider und reichen Schmuck zu erlangen!" „„Sage Du, lieber Onkel,"" entgegnete Zaire, „„würdest Du Deine Tochter einem reichen aber unwissenden Manne, einem Am Haarez geben?"" Rabbi Moscheh lächelte. „Das ist also der Grund Deiner Weigerung," sagte er, „dann kann ich Dich nur loben, mein Kind; Du bist die würdige Tochter Deines großen Paters. Wenn dnn so ist, so wird der Vorschlag, den ich Dir zu machen habe und um deffeutwiüen ich hierher gekommen bin, wohl eher Deine Zustimmung finden. Jizcha k, der ehemalige Schüler Rabbi Samson's und jetzt der meinige, ist zu mir gekommen und hat mich um seine Fürsprache bei Euch gebeten. Er hat einen Brief von seiuem Oheim, der als wohlhabender Kaufmann in Wien lebt, erhalten. Der . Rabbiner von Wten ist vor einiger Zeit gestorben, und Jizchaks Oheim, der mit Recht eine Ahe Meinung von der Gelehrsamkeit seines Neffen hegt, vistet diesen, nach Wien zu kommen, weil er die Hoffnung hat, daß die Gemeinde ihn dann zum Rabbiner ernennen chürde. DerOheim Jizchak's ist sehr einflußreich. und m der That, jede Gemeinde in Israel könnte sich Glück wünschen, einen solchen Rabbinen wie Jizchak zu erhalten. Dieser ist nun entschlossen, dem Rufe feines Oheims zu folgen. Vorher aber sehnt er sich danach, seinen innigsten Herzenswunsch erfüllt zu sehen; ehe er abreist, möchte er die älteste Tochter seines großen Lehrers, möchte er Dich, Zaire, seine Braut nennen." Zcckre erröthete. Ihr« Tbranen stoffen aufs Keue; aber oreÄnal waren es nicht Thränen des Kummers, sondern der Freude und des Glückes. „Du weinst, Zaire?" fragte Rabbi Moscheh. „Aber wenn Du einen Talmid Chacham zu Deinem Ggtten wünschest. so könntest Du wahrlich keinen bMeru als Jizchak finden!" ' „„Meine Tochter,"" nahm Dinah das Wort, „„weint nicht deßhalb, «eil sie Jizchak verschmäht, sondern sie weint vor Freude, daß er um.sie geworben. Sowohl ich wie Zaire, wir Beide würden uns glücklich schätzen, wenn die Verlobung mit Jizchak würde.stattfinden können. Ich bitte Dich, lieber Schwager, rede Du mit Chajim und ersuche ihn, daß e.r den Gedanke» arr die Verbindung mit dem unwissenden Abner aufgebe und in die Verlobung meiner Tochter mir Jizchak lige."" „Ich werde Deinen Wunsch erfüllen, Dinah. und will sogleich hingehen, um Deinen Schwager Chajim aufzusuchen." Er that, wie er gesprochen. Als er zu Chajim in's Zimmer ttat, rief ihm dieser entgegen: „Was verschafft mir die hohe Ehre, daß der berühmte große Rabbi Moscheh den unwissenden Chajim besucht? wahrlich, ich weiß mich nicht der Zeit zu.'erinnern, daß meinem Hause eine solche Auszeichnung' zu Theil geworden." v: „„Ihr habt Recht. Chajim; cs ist lange her, daß ich bei Euch gewesen, allein Ihr dürft Euch nicht darüber beklagen; meine dem unablässigen Studium der Thora gewidmete Zeit erlaubt nur nicht, Freundschaftsbesuche zu machen. Auch heute ist es ein besonderer Zweck, der mich zu Euch führt."" „Und was wollt Ihr, mein Herr? Euer Knecht hört. Doch setzt Euch zuvor." Rabbi Moscheh nahm auf dem chm angewiesenen Stuhle Platz, und als Chajim sich chm gegenüdergesetzt hatte, sagte er: „Ich komme um der Tochter Eures Bruders Rabbi Samson willen. Ihr kennt seinen Schüler, den jungen Jizchak, den Aschkenafi. Sein Oheim, will, daß er nach Wien komme, damit die dortige Gemeinde, deren Rabbiner gestorben, ihm den dadurch freigewordenen Posten übertrage. Zuvor aber möchte er sich mit Zaire, Eurer Nichte, verloben." „„Möchte er? Sieh, sieh! Der Mann ist so dumm nicht, er weiß, daß ich Zaire ausstatten werde, wie eines der reichsten Mädchen. Aber ist er klug, so bin ich noch klüger? Nein, mein lieber Rabbi Moscheh, daraus wird nichts."" „Und warum nicht?" „„Warum nicht — fragt lieber, warum ja! Was hat denn dieser Aschkenafi, dieser Jizchak? Das Wenige,