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Der Israelit · 1872-08-28 · Heft 35 (28.8.1872) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 35 (28.8.1872)
Date
1872-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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746 -rr /irß i«i T»»r? TIII. Unter den Schülernwelche Rabbi Samson in Eoucy zurückgelasscn und dem Unterrichte seines Schwagers Rabbi Mosches anvertraut hatte, zeichnete sich vor Allem ein junger Mann, Namens Jizchak, aus, der aus Deutschland stammte. Sein Vater, Rabbi Moscheh. der Aschkenafi genannt, war früh gestorben, und bald nachher hatte er auch seine Mutter verloren. Seine Eltern hatten ihm einiges Vermögen hinterlassen, das der strebsame Jüngling dazu verwandte, sich dem Studium der Gotteslehte zu widmen. Zu diesem Zwecke war er zuerst, nach Mainz geaangen , um dort zu den Füßen des Rabbenu Jovl ha Levi, des berühmten Schwiegersohnes dcS noch berühmteren Rabbi Elieser bar Nathan zu sitzen und aus den Quellen des Lebens zu schöpfen. Als Rabbi Joel bald darauf starb,* »ar der junge Jizchak eure Heit lang der Schüler des Sohnes und Nachfolgers fernes bisherigen Lehrers, Rabbi Elieser den Rabbi Joel ha Levi (.t"3*o) geworden, war aber dann nach Loucy gewandert, um dort in der Schule des großen, Toßaphistcn Rabbi Samson sich weiter auszubilden. Rabbi Samson hatte ihn mit ganz besonderer Freude unter die Zahl seiner Schüler ausgenommen, da er sofort erkannte, daß dieser junge Mann dereinst eine große Leuchte in Israel werden'würde. Ihm ganz besonders hatte er sein Haus geöffnet und ihn in seine Familie eingekührt. Schon damals war der Gedanke in dem Rabbi aufgestiegen, daß er diesen begabten Jüngling naher an sich feffeln und ihm seine Tochter Zaire zum Weibe geben könnte. Um des jungen Jizchaks Wille» namentlich hatte er sich so ungern entschlossen, seinen Bruder zu begleiten. Dinah, die um die Pläne ihres Gatten wußte, hatte den jungen Jizchak ganz besonders in ihr Herz geschlossen und war stets bemüht gewesen, ihm eine mütterliche Freundin zu sein. Auch deA jupgen Leuten war der Wunsch der Eltern kein GHtimNlß geblieben, und Jizchak hatte keinen sehnlicheren Wunsch als den, der Schwiegersohn seines geehrten Lehrers zu werden; auch Zaire hatte den edlen, bescheidenen, von ihrem Vater so hochgeschätzten Jüngling gern. So lagen die Verhältnisse, als plötzlich Chajim verlangte.Zaire sollte den reichen , aber unwissenden Abncr heirathen. Dinah wagte cs, wie wir gesehen haben, kaum, dem reichen Schwager, der sie und ihre Kinder ernährte, und an diesen Vaterstelle vertrat, Gegenvorstellungen zu machen. Sie gehorchte chm also und nahm ihre Tochter allein. „Mein liebes Kind," sagte sie, „Du bist jetzt über sechszehn Jahre und wirst bald siebenzehn zählen; leider ist Dein Vater nicht da, der für Dich sorgen könnte, aber Dein Oheim, der uns so reichlich nnsern Unterhalt spendet, ist bereit, seines Bruders Tochter auszustatten wie sein eigenes Kind. Er hat mich beauftragt, Dich darauf vorzubereiten, daß bald das Fest Deiner Verlobung stattfinden werde." „„O meine Mutter."" antwortete verschämt das jnnge Mädchen, „„hätte es damit nicht noch Zeit? Siehe, ich bin noch so jung! Und wie könnte ich gerade jetzt der Freude Raum geben in meinem Herzen, da der geliebte Vater in der Feme weilt und das schreckliche Loos der Sclaverei zu erttagen gezwungen ist?"" „Wohl hast Du Recht, geliebte Tochter. Auch mir widersteht es, freudige Feste zu feiern, da tiefer Kummer um das traurige Geschick meines Gatten. mein Herz erfüllt, aber wer weiß, ob er jemals zu uns wieder zurückkehrt! Und wenn uns Gott so gnädig sein möchte, ihn zu uns zurückzuführen — wer weiß, wann das geschieht und wie viele Jahre darüber noch hingehen mögen? Und waS würde Dein Vater sagen,- wenn er nach Jahren zurückkäme und Dich unverheirathet fände, würde er da nicht mir und seinem Bruder die bittersten Borwürfe machen? Nein, mein Kind, Du würdest dadurch, daß Du dem Kummer so große Gewalt ei «räumtest und deßhalb auf Deine Verheirathung verzichtetest, Deinem Vater nur Schmerz bereiten. Wenn er auch nicht bei uns ist, so ist es doch unsere Aufgabe, in seinem Sinne zu leben und seinen Wünschen gemäß zu handeln. Du weißt, wie fromm und gottergeben er ist. und mit derselben Frömmigkeit und Gottergebung müssen auch wir unfern Kummer tragen." „„Und wen hat mein Oheim für nnch bestimmt?"" fragte die Jungfrau tieferröthend. „Den reichen Abner." „„Wie?"" rief Zaire entsetzt, „„den rohen, nnwiffenden Menschen, der nichts gelernt hat. als Handel treiben und Geld erwerben? Nein, meine Mutter, niemals würde mein Vater zugegeben haben, daß ich die Gattin eines Am Haarez werde!"" „Ich weißes, mein Kind, ich Weihes; allein. Dein Vater ist fern, Dein Oheim vertritt seine Stelle." Za?re fing an zu weinen. „Meine Mutter," rief sie schluchzend, „niemals werde ich mich dazu entschließen können, den rohen, unwissenden Abner zu heirathen! Sage Du selbst, ob es nicht ein Anderer ist, den der Vater für mich bestimmt hat. Oftmals hörte ich ihn seinen Schüler Jizchak rühmen und preisen; oftmals sprach er davon, wie glücklich der Mann sein würde, der ihn als Schwiegersohn ge-

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