Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1872)
- Date
- 1872-08-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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739 lief) belehrende Vorträge zu halten über Literatur und Literaturgeschichte, über Physik und Kunstgeschichte. Das Gedächtnis der jungen Mädchen wird mit Kenntnis; alles Wissenswürdigen berührt, Völker- und Länderkunde werden mit gebührender Ausführlichkeit behandelt, aus den Gebieten der Botanik, der Chemie und der Acsthetik werden die wichtigsten und wissenswerthestcn Lehren mitgetheilt; und da man in fremden Sprachen und weiblichen Handarbeiten nicht zurückstehen darf, bei Vielen auch die Musik noch viel Zeit in Anspruch nimmt, so bleibt den Schülerinnen wenig Gelegenheit zur geift gen Verdauung ihres reichen Wissens. Es ist hiebei nicht unbeachtet zu lassen, wie erwachsene Mädchen eine erhöhte Strebsamkeit und Gewissenhaftigkeit zu besitzen pflegen in Ausführung der ihnen ertheilten Aufgaben. Es kann ja kein Zweifel obwalten, das; eine gute Schulbildung, mithin auch eilt hoher Grad von populären Kenntnissen deit Frauen ebenso notwendig ist als Männern; allein die Anforderungen au die Biloungszi el e der Mädchen sollten darum denen der Knaben in höheren Lehranstalten nicht gleich gehalten werden. Wenn in Gymnasien , Real -, Handels - oder polytechnischen Schulen Wissenschaftlichkeit uitd Tiefe wobt verlangt werden muß, so ist es die Ausgabe der Töchterschulen vorzugsweise, anregend zu wirken, die Stoße durch Gründlichkeit und Klarheit des Vortrags zu solchem selbstbewußten Verständnis; der Schülerinnen 311 bringen, das sie befähigt, eine selbstständige Ansicht über dieselben zu bilden, und mit selbstständigem, freiem Urtheil an jeder Besprechung eines Thema's sich zu betheiligen. Der gesellige Verkehr ist, — nächst dem segensreichen Wirten im Familienkreise, — das eigentliche Lebenselement des Weibes, der Wirkungskreis, in dem sie die dem Geichlechte eigenthümlichen Vorzüge mit gemüthvoller und verständiger Thätigkeik entfalten kann. Diese Fähigkeit wird aber im Großen und Ganzen nur durch das Beispiel erworben, und durch diejenige Unterrichtsform gefördert, welche sich einer natürlichen, ungezwungenen Unterhaltung am meisten nähert. Nicht das Wieviel des erlangten Wissens gibt in denr Bildungsgang des Mädchens den Ausschlag, sondern die Tüchtigkeit, zu aller Zeit über dasselbe zu verfügen! Heil unfern Töchtern, wenn es ihnen beschieden ist, solche Lehrer und Lehrerinnen gefunden zu haben, welche durch Rührigkeit und Lebendigkeit in Unterricht und Verkehr, die der Fugend eigne und unentbehrliche geistige Frische zu erhalten und durch Persönlichkeit und Beispiel auch nach dieser Richtung hin einen günstiger: Einfluß auf dieselbe zu üben wissen! V Necensionen Dr. M. Duschak. Schulgesetzgebung und Methodik der alten Israeliten rc. Wien 1872. (Baumr'iller.) i IX. 179 S. : (Schluß.) \ Welches Motiv führt nun Herr D. für die con-! fessionslose Schule and „Sie ist die Humanitätsschule, j Sie will das Denken begünstigen, vom Wunderglauben! befreien, an die Dogmatik und Scholastik nicht binden, das Princip der freien Forschung benutzen, folglich auch die religiöse Fortbildung fördern, sie kennt keine Polizeigewalt und keinen Gewissenszwang, setzt Religionsfreiheit borarrs, steht mit jeder Art von Bildung und Wissenschaft in Harmonie und will den Menschen im Geiste frei machen." (S. 139.) Herr Duschak versieht sich auf dem Titelblatt seines Buches mit drei Titeln : Rabbiner, Gymnasial-Religionslehrer und Mitglied des k. k. Bezirks - Schulrathes in Gaya, und darum ist es sehr schwer, den Herrn auf einen Widerspruch ertappen zu wollen. Unfehlbar hat er diese Tirade als „k. k. Bezirksschulrath" vom Stapel gelassen, obgleich er als solcher nicht so sehr mit der Polizei in Conflict hätte gcratben sollen. Wollte man ihm nun entgegenhalten, wie er, der von der confessionellen Schule so Ungeheuerliches berichtet und die geisteserlösende Kraft der confessionslosen so sehr preist, wie er in seinem „Gutachten", das er S. 170 ff. abdruckt, so sehr für den Talmudunterricht in der Gemeindeschule in die Schranken treten kann, „der ihm in seiner Eigenschaft als Jude auch zugute kömmt" und noch > hinzufügt: „Die Gemeinde-Volksschule ist berufen und! hat die Aufgabe, für alle Lebensrichtungen und Berufs- I arten den Boden zu legen und die Bahn zu ebnen,! also muß sie auch dem eigenthümlichen und eigenartigen j Talmudstudium mit den ersten Elementen und primären > Grundzügen Vorarbeiten und vorbauen;" —wollte man! ihm Vorhalten, daß doch dieser Passus nicht ganz zu! der so ohne Reserve gehaltenen Lobrede auf die eonfessionslose Schule paßt: — nun der Herr kommt nicht in Verlegenheit, das Letztere hat er als Rabbiner geschrieben. Es ist doch was Schönes, so eine Reihe von Titeln. Doch untersuchen wir den obigen Satz. „Sie will das Denken begünstigen." Wir besitzen in Deutschland eine Reihe von jüdischen und christlichen Confessionsschnlen, wird in diesem das Denken unterdrückt? Entsprechen sie nicht dar strengsten Forderungen der Pädagogik in Bezug auf naturgemäße Entwickelung des Denkvermögens? Hat man nicht, namentlich in den höheren Schulen, auf welche das Regiment der Regulative keinen Einfluß hat, den Gedächtnißkram über Bord geworfen und dafür das Denken zu seinem Rechte gelangen lassend Aber sie will „vom Wunderglauben befreien, an die Dogmatik und Scholastik nicht binden." Herr Rabbiner und Gymnasial-Religionstehrer Duschak sehen Sie doch dem k. k. Bezirksschulrats) Duschak bester auf die Finger, daß er sich nicht so vergaloppirt. wanlassen Sie ihn wenigstens, immer gleich zu sage' s