Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1872)
- Date
- 1872-08-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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er eigentlich meint. Von welchem Wunderglauben soll denn die Schule befreien? Von dein krassen Ackerglauben an spätgeborene Heilige, dem wir da in allen (Konfessionen begegnen, wo Schule und Unterricht nur Traumgebildc sind? Dazu bedarf es wahrhaftig! keiner confessionslosen Schulen, davon sind wir in Deutschland schon durch unsere confessionellen befreit worden, und das können solche auch in Mähren crivirkeir. Sie meinen doch aber eben nicht gar den Glauben au die Wunder der Bibel? freilich diesen Glauben könnte eine confessionslose, oder besser auticoufeniouelle. Schule tilgen; oder hätte ich Ihre Meinung erratheu? Ebenso mengt Herr D. in demselben Satze die zwei Begriffei Dogmatil und Scholastik, wobei sich sehr viel denken läßt,- und man sich mancher Vermuthungen über die Ansichten des Herrn D. nicht entschlagcn kann. So möchten wir denn auch Herrn D. fragen, was er sich unter den Worten, daß die confessionslose Schule „die religiöse Fortbildung fördere," gedacht hat, oder ob er sich gar etwas dabei gedacht hat? Ich lege das freimüthige Bekeuntuitz ab, datz^ ich diese Phrase weder in ihrer Tiefe noch in ihrer Höbe mir erklären konnte. Der ganze Phrasenschwall des Herrn D. für die confessionslose und gegen die confessionelle Schule patzt sehr wohl in dem Munde derer, die überhaupt von Religionsunterricht nichts wissen wollen, diese führen auch Redensarten ein: „die confessionslose Schule kennt keinen Gewissenszwang, setzt Religionsfreiheit voraus," „will von Wunderglauben befreien, an die Dogmatik und Scholastik nicht binden" u. dgl. m; doch ist dieser Standpunkt längst von allen besonnenen Pädagogen perhorrescirt, diese mochten Den Religionsunterricht nicht preisgeben. Jene aber stehen nicht mehr auf dem Standpunkt der confessionslosen Schule, sondern dem der anticonfessionellen, denn die confessionslose Schule wird nicht verlangt, weil nur diese das Denken fördert und mit der Wissenschaft sich in Harmonie weitz, das ist auch, kann wenigstens and) von der confessionellen gelten, die confessionslose Schule wird nur deshalb, und auch von uns, vom | Staate verlangt, weil der Staat allen seinen Bürgern! gerecht werden mutz, und daher Jedem den Besuch einer! Schule zu ermöglichen hat. in welcher .(keiner in seinen! religiösen. Ansichten sich gekränkt oder zurückgesetzt fühlt > und für den Religionsunterricht einer jeden Konfession ' Sorge getragen wird. — i Wir haben bereits oben bemerkt, datz mau bei Herrn D. nicht immer wissen könne, wo das Original aufhört und die Eopie aufäugt. Man kann natürlich nicht verlangen, datz ein Autor immer Eigenes biete, er hat das Recht fremde Schriften ganz nach Belieben auszunutzen, nur mutz er dem literarischen Brauche genügen, die Orrelle anzugebeu, wenn man ihn nicht des Plagiats zeihen soll. Hier ein Beispiel, der den gerechten Verdacht in uns aufkommen lätzt, Herr D. habe eine Schrift über die Gebühr beuiitzt. S. 42 findet sich ein Bericht über das Turnen in Deutschland, dessen Schlußsatz characteristisch ist und die Vermuthuug aufkommen lätzt, datz dieser ganze Bericht wörtlich abgeschrieben sei. Wir lesen dort: „Das zweite Turnfest fand 1861 rn Berlin, das dritte ls66 in Leipzig statt, und das vierte soll (!!) im Juli des Jahres (!!) in der altchrwürdigeu Stadt Nürnberg gefeiert werden." Das Buch ist 1872 gedruckt iiud erzählt uns, datz 1866 in Nürnberg ein Turnfest abgehalten werden soll. Dieser Passus verräth mehr, als Herrn D lieb ist. — S. 152 wird von der Nothweudigkeit, datz die Erziehung deutsch sein müsse, gesprochen, der Eharacler der Deutschen geschildert und unter Anderem erwähnt: klniere Urahnen waren tapfere, freiheitliebende Pfänner " Wessen Urahnen? Zählt Herr D. die blondhaarigeir und blauäugigen Germanen zu fernen Urahnen, oder hat er diese Worte einem Andern ruhig nachgeschrieben? Die Diatrrbe über Raba (S. 21 r.) ist zum Theile inhaltlich, zum Theil fast wörtlich aus dem 4. Bande des G räch scheu Geschichtswerks ('S. 414 f.) abgeschrieben. Weitere Einzelheiten, die noch besprochen, resp. berichtigt werden körruteu, übergehen wir, da das Berührte schon einen hinlänglichen Matzstab für den Werth vorliegenden Buches abgibt. Nachschrift. Beim Schluß des Blattes geht ruairn" zugeschickt haben. Wir werden unfern int selbigen Hecke veröffentlichten Aufsatz nächsteirs den gesch. Leiern dieser Blätter reproduciren. MT Korrespondenzen und Beiträge für die Pädagog. Beilage des „Israelit", wie Bücher pädagogischen Inhalts zur Besprechung in diesen Blättern wolle man gefälligst adressiren an Pr. A. Sulzba ch in Frankfurt a. M. Verantwortliche Redaction: r. r. Lehmann. — <crlü§ der Le Rouz'schen Lofbnchhaiidlnna. I. (KottslehL n's Brichdruckerer in Mainz