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Der Israelit · 1872-08-21 · Heft 34 (21.8.1872) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 34 (21.8.1872)
Date
1872-08-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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738 Verhalten eines Dircctors gegen jüdische Schüler betreffs des Samstags hervorgegangen und liefert daher selbst den Beweis für das Dasein übelwollender Directoren. Darum zur That! Es muh eine Petition an hohes Abgeordnetenhaus zu Stande kommen, welche den Wegfall des Samstags-Unterrichts (handelt es sich ja doch uur um einen halben Tag, dessen Ausfall durch Unterricht am Mittwoch-Nachmittag, der bisher als Ferialzeit galt, gedeckt werden könnte) an den Staats- und Communalschulen zu erwirken, erbittet. Wir bitten dringend Jeden, welchem Standpunkt er auch angehöre, um diesbezügliche schleunige Meinungsäußerung sowohl zur Veröffentlichung in diesen Blättern, als auch als Material für eine zu entwerfende Petition und sind gern bereit, die weiteren Schritte in dieser Angelegenheit zu veranlassen. *** Die Jukmitiffum in der Volksschule. In neuester Zeit ging die Erzählung durch die Zeitungen, daß in Troppau es beinahe zu einem neuen Mortara-Falle gekommen, indem der katholischen Geistlichkeit bald der Fang einer 13'/2jährigen Judenseele gelungen wäre, wenn nicht durch einen energischeri Drohbrief seitens der Mutter diesen: Seelenschacher ein Ende gemacht worden wäre. Glauben wir aber ja nicht, daß die Nähe der Mönchsklöster und der Jesuiten die gefährlichste für jüdische Eltern wäre, weit gefährlicher ist die Garde des protestantischen Pietismus, die sich nicht durch äußerliche Abzeichen erkennen läßt und in Seelenfängerei die höchste Aufgabe ihres Lebens erblickt. Diese Judenmisfionäre mit ihrem süßlichen Gesichte, ihrer unverschämten Zudringlichkeit, überall sieht man sich von ihnen umgeben: in der Promenade, im Eisenbahn-Coupe, im Badeorte, überall sind es die unverschämten Gesellen, die k tout prix ein Himmelsgeschäft mit denen, die ihnen in den Weg kommeil, abschließen wollen. Nun, das mag uns eben nicht beunruhigen, man weiß, daß die Spesen bei ihrem Geschäfte nicht gedeckt werden; der Fang ist kein ergiebiger. Und doch befinden wir uns durch die von England aus dirigirte Gesellschaft der protestantischen Jesuiten in einer großen Gefahr, da inan mit dem Gedanken sich trägt, die Seelenfängerei in die Schulen einzuschmuggeln. Das 1. Heft d. I. des „Praktischen Schulmann," herausgegeben von Lüben in Bremen, enthält einen Artikel „Gehet hin, und thut desgleichen!" von einem Missionär Becker, in welchem ganz besonders das Verdienst der Judenbekehrungen gepriesen und das Losreißen der Kinder von den Eltern mit dem großen Gefolge von Kummer, Schmerz und Elend als eine christliche Liebesthat anempfohlen wird. Es wird darin gezeigt, wie schon die Kinder ihre Mitschüler bekehren könnten, es wird eine Unterredung, wie man vom Alltäglichen auf das Gebiet der Religion gelangen könne, zun: Besten gegeben. Lüben ist eine hervorragende Größe auf dem Gebiete der Pädagogik, um so gefährlicher wirkt das Gift, das er in feiner verbreiteten Zeitschrift, die Materialien für den Unterricht geben will, seinen Lesern bietet; es ist Zeit, Front gegen solche Auswüchse der Zeit zu machen! Wir aber bitten alle jüdischen Eltern, namentlich die auf dem Lande, ein stetes Augenmerk auf ihre Kinder und deren Umgang zu haben, damit die Herzen ihrer Kinder ihnen nicht entfremdet werden. Wir kommen nächstens ausführlich auf den beregten Missions- Artikel zurück. Pädagogische Aphorismen ") von I. Ae. Japhet in Frankfurt a. M. I. Wir haben oft Gelegercheit zu beobachten, wie junge Mädchen, in Instituten erzogen, oder in höheren Töchterschulen unterrichtet und wissenschaftlich ausgebildet, ihr Wissen doch im geselligen Verkehr so wenig gelreiid zu machen verstehen. In Gesellschaften mit ihres Gleichen, wenn auf Putz und Vergnügungen die Rede kommt, wissen sie allerdings eine Beredisamkeit zu entwickeln, die von der gründlichsten Bekanntschaft mit den Objecten des Gesprächs zeugen; doch bei einer geistvollen Unterhaltung im Kreise gebildeter Frauen oder ernster Männer, sobald dieselbe sich auch nur auf dem Gebiete des praktischen Lebens bewegt, oder Fragen von allgemeinerem Interesse berührt, zeigen sie eine Unsicherheit und Befangenheit, die sie zu jedem sinnigen und ungezwungenen Gedankenaustausch unfähig niachen, — hin und wieder zu nicht geringer Befremdung der Eltern, die, von den heimgebrachlen günstigen Censuren eingewiegt, kein geringes Vertrauen in die Fähigkeit und den hohen Bildungsgrad der Tochter gesetzt. Dieser Mangel rührt vorzugsweise daher, daß der Unterricht der Mädchen in den oberen Elasten allzu doctrinär gehalten wird. Die Lehrer pflegen hier förm- *) Bem. der Red.: Der geehrte Vers, dieser Aphorismen hat die Absicht, die Ergebnisse seiner vieljährigcn Erfahrung im Erziehungsfache in einem größeren Werke de^ Oeffentlichkeit zn übergeben. Es ist ihm namentlich daran gelegen, sich mit dem Publikum über die Fragen auseinanderzusetzen, in denen sich Schule und Haus, resp. Gemeinde, berühren. Aus diesem Grunde ist auch die Form der Aphorismen gewählt, denn einmal erleichtert sie die populäre Behandlung, und ist andererseits mehr geeignet, das Interesse des Publikums zu gewinnen Es gereicht uns zur besondern Freude, den wehrten Vers, veranlaßt zu haben, uns die Ausnahme einiger dieser pädagogischen Ansätze in diesen Blättern schon seht zu gestatten.

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