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Der Israelit · 1872-08-21 · Heft 34 (21.8.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 34 (21.8.1872)
Date
1872-08-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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728 „„Was hilft es mir,"" antworteteDinah seufzend, „„da ich den Gatten, und meine Kinder den Vater entbehren müssen?"" „Ernähre und versorge ich Euch nicht, wie Rabbi Samson selbst es zu thuu nichl vermöchte?" „„Ach, wenn nur die geringste Kunde von ihm käme! aber seit Deiner Rückkehr ist uns keinerlei Nachricht von ihm zugekonunen."" „Höre, Schwägerin, laß endlich das Trauern! was nützt es, was billt es Dir? Hat Gott beschlossen, Deinen Gatten zu Dir zurückzuführen, so wird der Tag der Rückkehr schon kommen; wo nicht, so werden ihn Deine Thränen nicht herbeiführen. Wir wollen jetzt von wichtigern Dingen reden. Ich habe versprochen, Euer Versorger und Ernährer zu fein, und ich habe mein Wort gehalten. Ich will aber noch mehr thuu als das. Niemand soll sagen, daß Chajim das Opfer seines Bruders mit Undank vergolten hat. Deine älteste Tochter Zaire ist herangewachsen; sie zählt jetzt 16 Jahre; cs ist Zeit, sie zu verheirathen, und ich will sie ausstatten, wie ich meine eigenen Töchter ausstatten werde. Ich werde ihr eine Mitgift geben, wie sie nur wenige jüdische Töchter erhalten in ganz Francm, Lothringa und Angleterre." „„Ich danke Dir, guter Schwager, daß Du so Deines Versprechens gedenkst. Hast Du auch schon einen Bräutigam für Zaire in Aussicht genommen?"" „Sicherlich. Da ist der junge Abncr, ein Mann von guter Familie und großein Vermögen." „Abner? Es ist nur das Eine an ihm auszusetzen, daß er nicht talmudkundig ist. Zu einer solchen Verbindung würde Rabbi Samson nimmer seine Zustimmung gegeben haben." „„Du hast wohl recht, aber mich leiten andere Grundsätze; Zaire muß einen Mann haben, der sie ernährt. Tbeile ihr meine Wünsche mit, damit wir baldigst das Verlobungsfest feiern."" (Fortsetzung folgt.) i <« g es air - t.) Rössel, O.-P. (Durch Zufall verspätet.) Als ein seltenes und seltsames Beispiel, wie die oft gerühmte Autonomie, deren sich die jüdischen Gemeinden, Dank jenem bekannten Ausnahmegesetze vorn 3. Juli 1847, im preußischen Staate erfreuen, von manchen Gemeinde- Vorständen und Verwaltungen aufgefaßt und gehandhabt wird, und zur Warnung für jüdische Lehrer und Gemeindebeamten möge folgender Vorfall aus der Synagogen - Gemeinde Sorau N./L. der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten bleiben. -Auf die auch in diesen Blättern veröffentlichte Annonce des dortigen Vorstandes bewarb sich der Untergefertigte um die dortige Religionslehrer-, Cantor- und Schächterftelle. Nachdem ich ineine Zeugnisse eingesandt, alsdann, auf Berufung, daselbst erschienen, einen Probevortrag in der Synagoge und eine Probelektion in der Religionsschule zu Aller Zufriedenheit abgehalten und in Folge dessen auch vom gedachten Vorstande, wie von der Repräsentanten - Versammlung einstimmig gewählt war, wurde eine Commission, bestehend aus den Vorsitzenden dieser beiden Körperschaften und andere hervorragenden Gemeindeinitgliedern ernannt , um mit mir den Contract abzuschließen, was auch am 2. Juni geschehen ist. Es wurde abgemacht, daß ich zum 1. September d. I. eintreten sollte. Da nun vom 2. Juni bis dahin kaum 3 Monate sind, so iiiußte ich meine jetzige Stelle gleich nach meiner Rückkehr kündigen, da dieses die kürzeste gesetzliche Frist hierzu ist. — Wegen der Kürze der Zeit, die es nicht gestattete, eine ordentliche Gemeindeversammlung einzubernten, wurde in den Contrakt folgende Klausel ausgenommen; „Vorbehaltlich der nochmaligen, endgiltigen Genehmigung Seitens des Vorstandes und der Repräsentanten-Versammlung innerhalb 10 Tagen." Die Absicht war, und so ist es mir allseitig versichert worden, durch diese Klausel die Zeit zur Herstellung der richtigen statuarischen Form des Contrakts gewinnen, nicht a b er, um denselben später noch auflösen zu können. Erst nach 16 Tagen erhielt ich jedoch vom dortigen Vorstände die Anzeige, daß mein Contrakt nicht genehmigt werde, und warum?-weil ich — so Lautet cs in dem betr. Schreiben - „zu viele Ansprüche gemacht" (ich hatte na'mkich in Rücksicht auf die dortigen Theuerungsverhältnisse bei einem Einkommen von'ca. 400 Thlrn. p. a. eine Entschädigung für Wohnungsnnethe und die nöthigsten Umzugskosten noch vor Abschluß des Contracts beantragkt!!) „und darum ein längeres und freundliches Zusammenwirken nicht zu hoffen wäre". Inzwischen ist meine hiesige Stelle zur anderweitigen Besetzung ausgeschrieben und bereits ein Bewerber hierher berufen worden. Also bin ich durch das Verfahren der Sorauer Gemeinde-Verwaltung gewissermaßen aus meiner Stelle verdrängt und mit Weib und Kind brodlos gemacht worden!!. Vergebens appellirte ich an das Rechts- und Ehrgefühl dieser Herren, vergebens machte ich ihnen die eindringlichsten Vorstellungen,' daß der angeführte^ Grund ein ganz ungerechtfertigter und die daraus basirte Befürchtung eine ganz unbegründete sei; — mein Contrakt wird nicht genehmigt, nicht vollzogen und nicht gehalten! ' S. Nathan. Hierzu zwei Beilagen. L tr arj»nrt[i(tc &ebe*ttßn: l'r. Ledmann. — >! erlag der Le Roux'scken Hofbuchhandluns. Z. Oorttzlehen's «rrv Steinbrurferri in Mainz.

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