Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1872)
- Date
- 1872-08-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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737 von einem afrikanischen Seeräuber $ u--.'-uen; wir beide wurden nach dNogador gebracht, imd die dortigen Juden wollten ihn, den großen TaliMidgelehrten, auslöfen. Uns Beide freizukaufen, waren fie zu arm. Da wollte der Edle die Freiheit nicht nie sich allein in Anspruch nehmen. Er gebot den Juden von dNogador, mich, statt feiner. zu befreien. Er selbst aber wurde nach Alexandria gebracht, um dort als Sclave verkauft zu werden."" „Und Du, Unglückseliger," rief Dinah verzweiflungsvotl, „Du hast dieses ungeheure Opfer angenommen? Und die Juden von dNogador waren io wöricht, den Edelstein fortzuwerfen und den Kieselstein aufzubeben? Mein Gatte war so erbarmungslos gegen Weib und Kinder, daß er uns seiner beraubte, um Dich, der Du doch nur sein Bruder bist, zu erretten?" „„Sonderbares Weib!"" entgegnete Ehajim, „„nur Deinetwegen und nur um Deiner Kinder willen hat mein groszmüthiger Bruder das allerdings ungeheure Opfer gebracht. Nur deßhalb hat er mich hergesandt, damit Ihr in mir den Ernährer und Versorger findet. Du weißt es ja, daß er nicht fähig ist, Handel zu treiben und Geld zu erwerben. Ich aber werde für Dich und Deine Kinder wie für die Meinigen sorgen. Schon hat Gott meiner Hände Werk gesegnet, und anstatt der Güter, die mir der Eorsar geraubt, habe ich auf der Reise andere Schäle erworben. Ihr sollt von nun an in Wohlstand und Ueberflnß leben. Die Zeit der Noth und des Elends ist für immer für Euch vorüber."" „Ach!" jammerte Dinah, „was hilft mir Wohlstand und Ueberfluß, wenn mein geliebter Gatte in der Ferne weilt, und der Gedanke an sein trübes Geschick alle meine Tage und Stunden vergällt! Wie können mir könliche Leckerbissen schmecken, wenn ich stets daran denken unlß, daß er verurtheilt ist, das bittere Brod der Sklaverei zu offen? O/Samson, Samson, warum hast Du mir das gethan? Warum bist Du nicht zurückgekehrt zu Deinem Weibe, das Dich so sehr liebt, zu Deinen Kindern, die sich stündlich nach Dir sehnen? Brod tind Salz uitd Grnndbirnen würden tins fein das leckerste Mahl. wenn Du nur bei uns wärest! Der Duelle klares Wasser würde uns schmecken wie der köstlichste Wein, wenn Du den Labetrank mit uns tbeiltest! So aber füllt der Gedanke an Dein hartes Geschick unfern Becher mit Wermuth und unsere Seele mit Bitterkeit. D, wüßte ich, wo Du wärest, ich roürde zu Dir eilen durch weite Länder, über große Meere hinweg,-durch Wüsten und Einödert hindurch, mit Dich wieder an mein Herz zu schließen, und das ichivere Sela-! vcnjoch mit Dir zu lheilen! Doch, wo finde ich Dich,! mein Geliebter? Werweiß, welcher graufaule Herr Dich I gekauft hat, Dich quält, Dich peinigt! Wer weiß, in I welchen Winkel von Asien oder Afrika man Dich ge-! schleppt hat! Grausamer, Deinen Bruder hast Tu heim- | geschickt, Dich selbst hast Du uns entzogen! O, daß mein Herz bräche vor Kummer und Schmerz!" „„Weine riicht, geliebte M''ttcr,"" sprach Zaire, selbst die Augen voller Thränen, ,>„ich bitte Dich, gib Dich nicht der Verzweiflung hin! Sollen wir unglückliche Kinder denn beraubt werden des Vaters und der Mutter an einem Tage?"" „Ja wohl, unglücklich seid Ihr, meine Kinder," rief Dinah voll Bitterkeit, „Euer Vater hat Euch verlassen um seines Bruders willen!" „„Und hat mein Vater das gethan,"" entgegnete Zaire saust, „„so hat er sicherlich nur gethan, was recht ist. Er ist so weife, so erfahren, so gottesmrchtig, daß Alles, was er thut, nur in reiner Absicht geschieht. Er hat sicherlich, ehe er seinen Entschluß faßte und ausführte , alle Gründe aufs Sorgfältigste erwogen und dann das Rechte gewählt. Du weißt ja, daß er nicht allein gut und edel, daß er auch klug und besonnen ist. Ilm unsertwillen hat er den Onkel heimgefandt, während er für sich selbst das schreckliche Loos des ^claven erkor. Konnte er deutlicher darthun, wie sehr er uns liebt? So wollen wir ihm dankbar dafür sein! Und jetzt, da wir mit Bestimmtheit wissen, daß er noch lebt, daß er nicht, wie wir fürchteten, vom Meere verschlungen, jetzt wollen wir noch heißer und inniger zu Gott um seine Rettung mtö Wiederkehr flehen. Siehe, der Oheim ist mit der Tante in das Haus hineingegangen, um seine Kinder an das Baterhcrz zu schließen. Wir wollen die theuren Verwandten nicht um dies hohe Glück beneiden, wir wollen vielmehr uns freuen mit ihrer Freude. O, einst wird kommen der Tag, da auch unser Vater zurückkehrt! Laß uns, statt daß wir der Verzweiflung uns hingeben, uns mit der süßen Hoffnung trösten."" Alle Bewohner von Coucy, Juden wie Christen, strömten nach dem Hause Ehajim's, um den so unerwartet Wiedergekehrten zu begrüßen und die Erzählung seiner Abenteuer zu vernehmen. Sie Alle bewunderten den Edelmuth Rabbi Samsons, und Ehajim gelobte nochmals in Aller Gegenwart, dem Weibe und den Kindern Rabbi Samson's ein Beschützer und Ernährer zu sein. Er hielt auch Wort. Mit den auf der Reise erworbenen Reichthümern fing er auf's Neue seine ehemaligen Geschäfte zu treiben an, und ersichuich ruhte Gottes Segen auf Allem, was er unternahm. Nach wenigen Jahren war er der reichste Mann in Coucy und in der ganzen Umgegend. Redlich theilte er seinen Gewinn mit der Familie Rabbi Samson's. Cr kaufte für dieselbe ein schönes Haus und einen geräumigen Garten und gewährte allwöchentlich zu ihrem Unterhalte dieselbe Summe, die er dem eigenen Weibe als Wochengeld gab. Eines Tages sagte er zu seiner Schwägerin: „Die 700 Drachmen, welche mein Bruder in Mogador für mich verwenden ließ, haben den Seinigen gute Fürchte getragen."