Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1872)
- Date
- 1872-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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725 chenke des Hru. Schlumberger, das Unternehme», ihrem Wunsche gemäß, zu vollführen. Aus Elsaß-Lothringen. Die Berichte aus dem Reichslande find selten, i— glücklicher Weise — da die Gleichberechtigung der Israeliten in allen Zweigen der Staatsverwaltung anerkannt und thatsächlich ausgeführt ist. Nicht blos die Oberrabbiner erhielten eine staatliche Gehaltserhöhung von Ar. 1500, sondern sämmtliche Rabbiner und sämmtliche vom Staate angestellten Cultusbeamten wurden ganz in demselben Verhältniß, wie Geistliche u. s. w. der andern Coufessiouen, mit Gehaltserhöhungen bis zu 800 Fr. bedacht. Unter den Kaiferl. Reisbeamten in Saarburg befindet sich außer dem ersten Lehrer am Collegium, Dr. Krön, noch der Kreisbaumeister Heidegger, ein geborener Bayer, der viele Jahre am Suezkanal mitgearbeitet und vor einigen Tagen seine Hochzeit in Cöln gefeiert hat. Man sprach davon, daß das Bezirks - Rabbinat von Pfalzburg, dessen israel. Gemeinde auf etwa 35 Familien zusammengeschmolzen ist und das immer mehr ™ bürg, dessen jüdische ' jetzt fast 100 Famiakt wichtiger, sich kreuzenoer rsiMvaynen eme größere Zukunft hat, verlegt werden soll. Unter den 100 Schülern, die am Collegium zu Saarburg in 9 Classen unterrichtet werden, befinden sich 28 Israeliten. Hoffentlich wird sich auch im ganzen Reichslande durch ähnliche Zahlen der Bildungstrieb der Israeliten bald Nachweisen lassen. O e st e r r. - U n g a r i s ch e Monarchie. Wien. Die jüdische Cultusgemeinde in Wien hat gegen den Bescheid, durch welchen ihr der Consens zur Erbauung einer Leichenbelfetzkammer in ihrem neuen Spital in Währing aus sanitätspolizeilichen Rücksichten verweigert wurde, rekurrirt, und der zu einer gutachtlichen Aeußerung aufgeforderte niederösterreichische Landessanitätsrath hat, wie schon berichtet, ohne jene sanitätspolizeilichen Bedenken anzuerkennen, die Anlage der Leichenkammer an einer anderen als der projektirten Stelle als zweckmäßig bezeichnet. Ueber die Ausführbarkeit des neuen Projektes finden nun kommisfionelle Verhandlungen statt, die jedoch bis jetzt eine friedliche Schlichtung der Streitfrage kaum voraussehcn lassen. Das Barnabiten- CoÜegium St Michel hat als Grundanrainer Protest gegen die Erbauung eingelegt; ein anderer Anrainer beantragt, den Bau einer Todten- und Beisetzkammer überhaupt, insbesondere aber in der Döblingergasse in Währing nicht zu gestatten; die Miethparteien der dem Spital gegenüber liegenden Häuser richteten eine dringende Vorstellung gegen die Erbauung. Ihrerseits behauptet die jüdische Cultusgemeinde, daß der Bau einen! öffentlichen Interesse entspreche und mit den Vorsichtsmaßregeln, die in jeder erdenklichen Weise angewendet werden sollen, um Unannehmlichkeiten für die Nachbarn zn verhüten, absolut keine Gefährdung des Gesundheitszustandes der Gegend mit sich bringen werde. Wien. Sc. Majestät der Kaiser hat den Directoren der Creditaustalt, Karl Weiß u. Herrmann Wolf, als Ritter des Ordens der eisernen Krone den Ritterstand und zwar dem Erster» mit dem Prädikate „Weißenhall" zu verleihen geruht. Prosnitz. Man schreibt dem „Jb. An." aus Prosnitz (Mähren): Vor 2 Wochen ging ein hiesiger Jude nach dem nahe liegenden Dorfe Kralitz. Unterwegs begegnete ihm ein Bauer, der zu ihm sagte: Wirst du vor diesem Kreuz niederknieen, so bleibst du am Leben, sonst mußt du gleich sterben. Als der Jude sich, dem Verlangen uachzukommen, weigerte, so schlug der Bauer ihn mörderlich. Auf die Hilferufe des Mißhandelten sind mehrere beherzte Bauern herzugekommen. Diese nahmen den Bauern gefangen, um ihn dem Strafgericht zu übergeben. Holland. Amsterdam, 13. Aug. Heute Morgen ist uns durch den Tod ein Mann entrissen worden, der eine Zierde unserer Gemeinde war. Der wohlbekannte und durch seine Wohlthätigkeit weithin berühmte Herr I. S.- Cohen Lob ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Er war über 10 Jahre Vorsitzender des yv amon r>'3 :rvi und ein warmer Beschützer unserer Glaubensgenossen un hl. Lande und Mitglied des Collegiums der Pekidim und Amakalim rDs'j'n. Amerika. Baltimore. Als Schreiber dieser Zeilen vor 4 l Jahren hierherkam, wohnten nur 7 jüdische Familien in hiesiger Stadt. Seitdem hat die hiesige jüdische Bevölkerung ganz außerordentlich zugenommen. Drei Synagogen hat Schreiber dieses bauen helfen und sie dem Reformcultus zum Opfer fallen sehen. Einhorn, der jetzt in New-Aork sein Wesen treibt, hat hier viel ruinirt. Es existiren gegenwärtig in Baltimore fünf kleinere orthodoxe Synagogen, die sich in Bezug auf Schechita, Mikwah. rc. gemeinsame Institutionen geschaffen haben. Die orthodoxe Partei hat wohl Männer, die als '-na nsrnn fungiren, jedoch keinen eigentlichen Rabbinen und Prediger. Die Erfahrungen, welche die amerikanischen Gerneinden in Bezug auf ihre Rabbinen und Prediger gemacht haben, sind zu trübe, als daß wir uns in die Gefahr begeben könnten, einen sich für orthodox ausgcbenden jungen Mann von Europa hierherzuberufen, der, wie das leider schon nur zu oft geschehen, nachher in das entgegengesetzte Lager übertreten würde. Im Ganzen und Großen ist eS um die jüdische Religiosität in Amerika sehr schlecht bestellt. Gott bessere es.