Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-08-21 · Heft 34 (21.8.1872) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 34 (21.8.1872)
Date
1872-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447585--10780-2466535
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

722 9!achdem dieselben schon im Januar des vormen Jahres zum Beschluß erhoben worben waren und sich in Folge dessen ein Schrei der Entrüstung allüberall, wo cs noch wahrhafte Juden gibt, vernehmen ließ, war cs das Verdienst des sel Baron Königswarter, damals Präses des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Wien, es dahin gebracht zu haben, daß jenen unheilvollen Beschlüssen keine praktische Folge gegeben wurde. Doch kaum hatte sich Las Grab über den sel. Baron K. geschlossen, als der neue Präses, Herr Ur. Ignatz Kuranda, nus's Neue den Beschluß fassen ließ, säuuutliche auf die Zukunft Israels bezughabende Gebetsstellen in den Gemeindebethänsern nicht mehr laut recitiren zu lassen. Interessant ist, was uns Herr Spitzer über den religiösen Bildungsgrad des reformirenden Vorstands¬ und Repräseutantencolleziums erzählt. Diese erleuchtete Versammlung war zum größten Theil aus Männern zusammengesetzt, welche weder den Inhalt, noch den Sinn, noch die Bedeutung jener Gebetstücke verstehen, ja welche nicht einmal wußten, um was es sich handelte. Diesen in Bezug ans Börse, Haudel und andere Dinge wohlerfahrenen, gebildeten und tüchtigen, in Bezug auf die Religion Israels aber völlig unwissenden Männern, wurde nun weis gemacht, daß in Berücksichtigung unserer Loyalität gegen Thron und Vaterland es unstatthaft sei, Gebete gen Himmel zu senden, deren Inhalt mit unseren staatsbürgerlichen Pflichten unvereinbar seien; der österreichische Patriot dürfe sich nicht wegsehnen vom Donaustrande in ein fernes Land und der gute Unterthan des Habsburgischen Kaisers dürfe nicht um die Herstellung der Davidischen Dynastie zu Gott beten. Was Jahrtausende hindurch den enragirtesten Judenfeinden nicht gelungen, aus diesen Gebeten ein Vaterlandsverrath zu folgern, das suchen jetzt die unserer eigenen Dritte entsprossenen Feinde unsrer heiligen Religion geltend zu machen. Wahrlich da erfüllt sich der Ausspruch des Propheten: iee i’znnci "i'Dinc. Wie lächerlich sind doch diese Beschuldigungen! Das jüdische Religionsgesetz befiehlt Gehorsam und Treue gegen das Staatsoberhaupt und gegen die Landesgesetze: es befiehlt uns, unser Vaterland zu lieben und sein Wohl zu befördern. Und dadurch, daß wir von Gott die Erfüllung der messianischen Verheißungen erflehen, welche dereinst der ganzen Welt das Heil bringen sollen, sollen wir einen Verrath begehen? Welche eine Thorheit, welch ein Wahnsinn! Wie uns Herr Rabiner Spitzer ferner mittheilt, haben diese in Rede stehenden Gutachten bewirkt, daß die gesetzestre«en Israeliten Wiens in der Constiluirung einer autonomen jüdisch-orthodoxen Gemeinde rüstig voranschreiten und keine Opfer scheuen, um das mit Eifer und tiefinnerer Ueberzeugung begonnene Gotteswerk einer erfreulichen Vollendung entgegen zu führen. Möge des Allerhöchsten Segen ihnen eine gedeihliche Entwickelung ermöglichen. Dieses ist von der größten Wichtigkeit nicht allein für Wien, sondern für die Israeliten der gesammten österreichisch-ungarischen Monarchie, ja für ganz Israel ’JiCK *0;^;swn.n lprnnn. Ihr treuen Gläubigen unseres Volkes, seid stark und kräftig!! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Bayern. Der Taglöhner Joh. Denzinger von Altenmuhr ritt am 25 ds. Mts., Abends 5 Uhr, das Pferd seines Dienstherrn, des Handelsmanns Hrn. L. Feldmann von da, in die Schwemme. Um feilte J Gewandtheit im Reiten vor seinem ihn begleitenden Herrn zu zeigen, lenkte er das Pferd auf eine Stelle in der Altmühl, die wegen ihrer gefährlichen Tiete allgemein bekannt ist. Auf einmal verschwand, und Reiter vor den Augen des Hrn. Feldman: einiger Zeit kam wohl das Pferd, aber nicht d an die Oberfläche des Wassers. Ohne sich nouzu besinnen, sprang Feldmann in seinem ganzen Anzug in das Wasser und rettete mit eigener Lebensgefahr den Denzinger. Dieser edle Liebesdienst verdient auch in entfernten Kreisen bekannt zu werden. Stuttgart. Am 27. d. M., Vormittags 10 Ilhr, wird sich Heuer die freiwillige israel. Lehrer- Conserenz hier im Cafo Werner versammeln. Auf der Tagesordnung stehen: 1) das Referat und Correferat über den h ebr. Unterricht, wozu in der vorigen Conferenz der pensionirte Lehrer Weil hier und der Oberlehrer Elsäßer in Laupheim berufen worden sind. 2) Der Kirchen st atuts- Entwu rf, worüber die Gutachten sämmtli! er isr. Kirchenvorsteherämter des Landes jetzt bei dem K. Cultusministerirrm zur Vorbereitung für den Landtag liegen. 'Da dieser Entwurf die bisherige Stellung und Wirksamkeit der Vorsänger wesentlich alterirt, so ist es angezeigt, daß auch dieser Stand selbst seine Stimnie darüber an die gesetzgebenden Factoren rechtzeitig abgcbe. 3) Die Bildung und Fortbildung des Lehrers und Vorsängers, an den die Neuzeit in Schule und Synagoge erhöhte Ansprüche erhebt. Den Schluß bildet vertrauliche Unterhaltung der' Collegen, die diesmal zahlreich an der Conferenz sich betheiligen dürften. Einestheils gibt die Wichtigkeit der Tagesordnung diele Hoff-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.