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Der Israelit · 1872-08-14 · Heft 33 (14.8.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 33 (14.8.1872)
Date
1872-08-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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708 «WWW» Sclavenjoch, und Gott hat es uns versagt, ihm zu helfen!" Als Rabbi Samson das allgemeine Wehklagen hörte, wurde er tief ergriffen, und auch seine Augen füllten sich mit Thränen. „Ich danke Euch, meine Brüder, ich danke Euch, meine Schwestern," ries er mit von Thränen beinahe erstickter Stimme. „Nicht Eure Schuld ist's, daß ich als Sclave fortgeführt werde. Ihr habt gethan, was Euch möglich war. Gott hat es so beschlossen; Sein heiliger Name sei gepriesen!" „„Sein Name sei gepriesen!"" rief es von allen Seiten; aber das Schluchzen, Weinen und Wehklagen begann von Neuem. „Welch ein Mann!" rief Einer aus der Versammlung, „Wehe über den, der ruhig und ungerührt statt seiner die Früchte genießt, die für Rabbi Samson gepflückt sind worden." Aller Augen richteten sich bei diesen Worten auf Chajim, der mit freudestrahlendem Gesichte zuschaute wie die Gefangenen in das Schiff geführt wurden. Gerade hatte er daran gedacht, daß ohne seine Verschlagenheiterdas Loos dieser Unglücklichen theilen müßte und hatte sich seiner gelungenen Anschläge gefreut. Da richteten sich Aller Blicke auf ifjii mit dem feindseligsten Ausdrucke. Klug wie er war, begriff er sofort, daß sein Benehmen kein angemessenes sei. Augenblicklich nahmen seine Züge einen schmerzlichen Ausdruck an; er eilte aus seinen Bruder zu, umarmte und küßte rhn. „Geliebter Bruder." ries er, „wie schmerzt es mich, daß Du meinetwegen ein so großes Opfer bringen mußt; ach, könnte ich statt Deiner als Sclave hinwegziehen! Allein, Du weißt cs ja, daß ich nur um Deines Weibes und Deiner Kinder willen es vorziehe, heimzukehrcn, um ihnen ein Beschützer und Ernährer zu werden. Lebe wohl, guter Bruder, möge Gott Dich schützen und bald befreien!" „„UndDu, Chajim,"" antwortete Rabbi Sanlson, „„halte wenigstens Dein Versprechen und ersetze, so Gott Dich glücklich in die Heimath zurückbringt, meinen Kindern und meinem Weibe den Vater und Ernährer. Sorge dafür, daß meine Knaben zur Thora erzogen werden: versprich mir, daß Du meine Töchter nur an talmudkundige Jünglinge verheiratben wirst."" „Ich verspreche es, ich gelobe es." „„So bringe denn meinen Lieben daheim meine - letzten Grüße. Ach, vielleicht sehe ich sie nieruals! wieder!"" l „Wie lange noch," rief der herzutretende Korsar, „wollt Ihr hier stehen bleiben? Alle Sclaven sind be-! reits an Bord! Hinein, Jude, oder Du kostest die Peitsche!" Seufzend folgte Rabbi Samson der rauhen Aufforderrmg. Am Bord des Schiffes hob er die Hände empor, die am Ufer Stehenden segnend; dann wurde er in den unteren Schiffsranm hinabgestoßen. Klagend und jammernd kehrten die Israeliten von Mogador' in ihre pickten zurück. Chajim fand überall nur zornige Gesichter. Er beschloß, sobald als möglich Magador zu verlassen und die Reise in die Heimath anzutreten. Das aber auszuführen, war keine geringe Aufgabe. Die Israeliten von Mogador zürnten ihm, denn sie batten ihn durchschaut; auch konnten sie ihm die Mittel zur Heimkehr nicht gewähren, da sie Alles für seine Auslösung ausgeopfert hatten. Er war demnach ganz allein auf sich angewiesen, und mm zeigte sich sein großes, geschäftliches Talent in der glänzendsten Weise. Ja, er war ein Genie, dieser Chajim, und aus dem Gebiete des Handels ebenso groß wie sein Bruder auf dem Feld', der Wisfeuschast: denn mit großen Mitteln ini Kreise von Freunden und Bekannten Geschäfte zu machen und Geld zu erwerben, dazu gehört wohl Fleiß. Klugheit, Geschäftskunde und Gewandtheit , aber eine große Kunst ist das nicht. Wenn aber Jemand ohne Geld, elme Freunde. ohne Credit im fremden Lande, dessen Bevölkerung er nicht kennt, dessen Sprache er nicht spricht, sich ein Vermögen erwirbt, w verdient der sicherlich unsere Bewunderung. Ein solcher Mann war Chajim. Ta er von Mogador ans die Heimath nicht erreichen konnte, so beschloß er, nach Marocko zu reisen. Er vermiethete sich bei einer Karawane als Kameeltreiber gegen einen gewissen Tagelohn. Wiewohl er nie zzivor ein Kamee! gesehen hatte, so lernte er doch rasch, mit den Thieren umzugeben. Ilnterweges trank er Wasser und aß trockenes Brod oder Datteln, die auf den Bäumen der Oasen wuchsen. Seiiwn Tagelohn aber verwandte er dazu, den Reisenden allerlei abzukanfcn, so daß er einen ganzen Waarenvorrath mit nach Marocko brachte. Hier verkaufte er und kaufte wieder mit mannigfachem Gewinn, so daß er binnem Kurzen tticht allein die Ueberfahrt nach Unter- Italien bestreiten konnte, sondern noch eine beträchtliche Summe übrig behielt. Immer kaufend und verkaufend, handelnd und tauschend durchzog er Italien und Frankreich , bis er nach zwei Jahren als reicher Mann nach Coucy zurückkam. (Fortsetzung solgt.) Hierzu zwei Beilagen. «e'nn'wor-sliche rltederton: i>r. Vehtnonn. — Verlag der llc Roux'schen Hofhuchhandlung. Gottleben’s Äuct>- und Steindrucke: ei in Mainz.

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