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Der Israelit · 1872-08-14 · Heft 33 (14.8.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 33 (14.8.1872)
Date
1872-08-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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707 Feuilleton. Per Fürst von Toury. VI. Zu ihrem größten Erstaune» vernahmen die Männer von Mogador den Entschluß Rabbi Samsons. Sie bewunderten allerdings den Edelmuth imb die Seelengröße des Mannes: allein es schmerzte sie tief, daß sie all die schweren Dpfer nicht für ihm sondern für seinen Bruder gebracht haben sollten, der nicht allein kein Gelehrter war, der auch sonst es nicht verstanden hatte, die Liebe und Freundschaft dieser biedern, frommen und einfachen Leute zu gewinnen. „Nein," sprach Einer zum Andern, „wenn wir solche Leute, wie dieser Chajim, auslösen wollten, so hätten wir viel zu thun das Jahr über: solche Menschen werden mir zu häufig als Sclaven hierher gebracht. Ja, wenn wir ihn freikaufen, - so begehen wir ein Unrecht an allen denen, die so gut und bester waren als er, und die wir in den verflossenen Jahren nicht losgekauft haben, nicht loskaufen konnten. Männer wie Rabbi Samson, deren gibt cs nicht viele, und unsere Urenkel werden es noch ihren Enkeln erzählen, daß wir einem der größten Männer in Israel die Freiheit verschafft haben; aber Chajim von Coucy — wer spricht von ihm, wer wird von ihm sprechend" Mit Mühe beschwichtigte sie der Rabbiner. „Freunde," sprach er, „wenn Ihr auf den Wunsch Rabbi Samsons hin seinen Bruder auslöset, so ist das so gut, wie wenn Ihr ihn selbst befreit, und das himmlische Verdienst, das Ihr erwerbt, wird dadurch nicht geringer." „Bedenket," fügte Rabbi Samson hinzu, „daß Ihr durch beit Loskauf meines Bruders mir mehr als die Freiheit verschafft, da mein Bruder meine Lieben daheim ernähren und vor dem Hunger schützen wird." „„Rabbi,"" cntgegnete ihm ein alter Mann, „„verzeihe, wenn ich Dir widerspreche. Du bist ein Großer in Israel: ich aber besitze nur ganz geringe Kenntnisse. Erfahrungen jedoch habe ich gemacht in meinem Leben, und die Menschen kenne ich ein wenig. Glaube mir, Dein Bruder bethört Dich. Gestatte. daß wir Dich loskanfcn und kehre Du in die Heimatb zurück, sollte i es so schlimm stehen mit unfern Brüdern in Francia,! daß sie einen Mann, wie Du bist. mit den Seinen darben ließen, weil er schöpft aus dem Brunnen des ewigen Lebens und sich nicht darauf versieht, zu feilschen, zu handeln, zu tauschen? Nein, ich denke nicht so schlimm von den Glaubensgenossen in Deinem Vaterlande. Sie werden für Dich sorgen, und Dein Weib und Deine Kinder nicht hungern lassen,- ich sage es Dir noch einmal, Dein Bruder bethört Dich aus eigensüchtigen, niedrigen Beweggründen."" „Mein Freund," antwortete Rabbi Samson, „ich ehre Deine Klugheit und Deine Erfahrung. In Deinem Urtheil über meinen Bruder magst Du — es schmerzt mich, so reden zu müssen — nicht ganz Unrecht haben; allein trotzdem ist das, was ich beschlossen habe, das Richtige. In meinem Heimathlande sind die bedeutenden Talmudisten nicht selten, und ich nehme unter ihnen keinen besonders hervorragenden Rang ein. Nichtsdestoweniger weiß ich, daß man die Meinigen nicht wird verhungern lassen. Aber unsere Glaubensgenossen! in Francia sind arm, sind in diesen unruhigen Zeiten j vielfachen Verfolgungen ausgesetzt, und bitter ist das Brod, das die Mildtbätigkeit spendet. Außerdem schulde ich meinem Bruder Verpflichtungen, die ich gern abtrageu möchte und wozu mir heute die Gelegenheit geboten wird. Gott wird mir helfen: Er wird mir beistehen. Er wird mich nicht oerlasteu. Er wird mich schützen, wie Er den Joseph schützte, da dieser zum Sclaven verkauft, da er unschuldig in's Gefängniß geworfen wurde. Er ist mein Hort, meine Zuversicht, mein Fels und mein Erlöser!" „„Welch ein edler, frommer Mann Du bist!"" sagte bewundernd der Greis. ,,„O, könnte ich mein Herzblut für Dich hingeben, ich thäte es gern und freudig." " „Und willst Du mir Liebe erweisen," sprach Rabbi Samson eifrig, so beschwichtige Deine Landsleute und ermahne sic, meinem Wunsche nicht zu widerstreben, meinen Bruder auszulösen, mich aber in die Gefangenschaft ziehen zu lassen." Der Greis versprach es und that also: und siehe, es gelang ihm. Chajim wurde freigekauft: Rabbi Samson aber blieb in der Gewalt des Korsaren. Es war ein für alle Israeliten von Mogador trauriger Tag, als das Sclavenichiff abfuhr, um seine Ladung aus den Sclavenmarkt nach Alexandrien zu bringen. In langen Reihen wurden die Unglücklichen, allesammt mit Gewändern von grauer Sackleinwand bekleidet, aus das Schiff geführt: unter ihnen Rabbi Samson. Am Ufer standen alle Israeliten von Mogador, j Männer. Weiber und Kinder; die alrersschwachen Greise waren au Krücken herausgewankt, Kranke hatten sich herbeitrageu lassen. Als Rabbi Samson auf's Schiff geführt werden sollte, stürzte der Rabbiner auf ihn zu und umarmte ihn, laut weinend. Jetzt brach die ganze Gemeinde in Wehklagen und Schluchzen aus. „Wehe, wehe." rief mau von allen Seiten, „ein Großer in Israel wird binweggefübrt in'-:- 'chreckliche

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