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Der Israelit · 1872-08-14 · Heft 33 (14.8.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 33 (14.8.1872)
Date
1872-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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703 ^hundertjährigen Amtsthätigkeit reifen sieht, zeigt^folgendes Factum. Herr Nathan Moses, seit vielen Jahren Synagogendiener dahier, starb in Heidelberg in Folge der Operation einer Balggeschwulst, der er sich daselbst unterzogen hatte. Als die Frau desselben nach der Beerdigung wieder hierher zurückkam, bat sie den Cantor der Reformgemeinde, für po in ihrem Hause während der njnttf do’ zu sorgen, was er auch versprach. Da^es aber nicht am Versprechen fehlte, sondern an zehn Personen, so gab es im Hause des Verstorbenen kein po. Daher schickte Frau M. ihren neunjährigen Sohn (welcher, nebenbei gesagt, kaum hebräisch lesen kann) des andern Morgens 6 Uhr in den Prachttempel. Doch was war dad Da war eine große Orgel, aber kein pc. Du wirst, lieber Leser, staunend fragen.' „Es steht doch jede Woche schwarz aus weiß im Tagblatt.' „Gottesdienst in der Synagoge: Wochentage Morgens 6 Uhr; Wochentage Nachmittags 6 Uhr'f!" Jawohl, da geht es den Herren Reformern wie den Franzosen, die eine Armee aus dem Papiere hatten. — Ein Rabbiner, der es so weit m der Aufklärung gebracht, der seine Gemeinde so weit zum Fortschritt geführt hat, daß in deridbeu sich nicht zehn Personen finden, welche nach dem Tode ihres Svnagogendieners der trauernden Wittwe die Beruhigung verschaffen, daß das Kind dem geliebten Vater das Kaddisch-Gebet nachsage, ein solcher Rabbiner kann im Alter mit Stolz zurückblicken auf sein glorreiches Wirken und aus die Thaten, die er vollbracht. — Das Kind besucht jetzt die Synagoge der orthodoxen Israel. Gemeinde, wo ihm Gelegenheit geboten ist, die Ehrfurcht und Liebe gegen den Vater auch noch nach dessen Tode zu bethätigen. Um nun mit einer erfreulichen Nachricht zu schließen, sei noch erwähnt, daß unsere Smragoge schon zu klein ist. Am vergangenen nnw war sie so überfüllt, daß viele Leute keinen Platz zum Sitzen mehr fanden und darum stehend dem Gottesdienste beiwohnten. P">B’ pi ro-p p. Bielefeld, 26. Juli. Unsere Provinzialregierungen scheinen sich siir die Veränderrmg im System des Eultusministeriruns noch nicht besonders erwärmen zu können, und der alte Erfahrungssatz bewährt sich auch diep daß mit dem Systemwechsel auch ein Personenwechsel verbunden sein muß, falls das System im Sinne des Trägers durchgesührt werden soll. Der zwischen unserer städtischen Behörde und der Regierung zu Minden ausgebrochene Streit liefert hierfür eine treffliche Illustration. Wir besitzen in Bielefeld eine Töchterschule, welche im^Jahre 1853 von einer früheren Ver-' eins- und Jntereffeutenschule zur städtischen Anstalt erhoben wurde; der Organisationsplan derselben enthält kein Wort über eine bestimmte Confessionalität und bis auf den heutigen Tag saßen die Töchter unserer katholischen, evangelischen und jüdischen Bürger auf den Schulbänken einträchtiglich bei einander. Nun erwählte im Frühjahr des Jahres 1870 das Stadtverordnetencollegium aus seiner Mitte einen allgemein geachteten Arzt zum Schulvorstand der besagten Anstalt, welcher in den Augen des verstorbenen Schul-Jnspectors und Superintendenten Müller den unverzeihlichen Fehler befaß, jüd. Glaubens zu sein. Mit dem ganzen Eifer seiner pietistischen Richtung legte dieser Mann, unterstützt von einem hochaugesehenen Schulrath in Minden, gegen diese Wahl beim Ministerium Protest ein, dies schenkte demselben keine Beachtung und so wurde in Minden tapfer weitergewählt. Der Erfolg war hier ein glänzender, denn die Bezirksregierung verlangt heute vom hiesigen Magistrat Ausschließung des jüd. Schulvorstandes und Wahl eines evangelischen Mitgliedes. Bei einer solch peremtorischen Forderung darf man bei einer hochweisen Regierung voraussetzen', daß sie nicht ohne triftige Gründe vorgeht; man höre diese und staune: „Weil die Schule eine evangelische sei: freilich finde sich das im Organisationsplan nicht bestimmt ausgesprochen; allein man könne es leicht zwischen den Zeilen lesen." Wenn eine Regierung einmal anfängt, zwischen den Zeilen zu lesen, dann läßt sich schon etwas Erkleckliches zu Wege bringen. — Der Magistrat unserer Stadt hat mit lobenswerther Uebereinstimmung beschlossen, dem Ukas keine Folge zu leisten. Käme es aber trotzdem zu einer Neuwahl, so haben wir im Voraus die Gewißheit, daß unsere Stadtväter ihren Collegen, dem sie das Ehrenamt übertrugen, einstimmig wiedererwählen und sich nicht durch pietistische Machinationen einschüchtern lassen. Zehrt unsere Bezirksregierung noch an Mühler - Stiehl'schen Traditionen, so mag sie erfahren, daß man sich in Bielefeld davon losfagt und für religiöse Toleranz, in der Schule wie im öffentlichen Leben, in die Schranken tritt. ' (V.-Z.) Hüls, 4. August. Ein schreckliches Unglück hat eine sehr brave jüdische Familie in die größte Trauer versetzt. In dem Dorfe E r l a bei Borken in W. brach am 25. Juli Feuer aus. Der einzige dort wohnende jüdische Handelsmann Herz Cohen wurde durch das Einfällen eines Schornsteins so schwer verletzt, daß derselbe an seinen Wunden gestorben ist. Die Beerdigung des Verunglückten fand unter zahlreicher Betheiligung am Donnerstag statt. Derselbe hinterläßt eine Wittwe und 8 Kinder, wovon der älteste Sohn das Lehrer- Seminar zu Düsseldorf besucht. Möge der liebe Gott die schwergeprüfte Familie, die in dem Verstorbenen ibren einzigen Ernährer verloren hat, in ihrem Unglück trösten. n"2"s"J"p. In C r e f e l d schlug am 29. Juli Nachts während eines Gewitters der Blitz in die Wohnung eines jüdischen Einwohners und zertrümmerte Wände und Decke des Schlafzimmers, in welchem sich der Familienvater

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