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Der Israelit · 1872-08-14 · Heft 33 (14.8.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 33 (14.8.1872)
Date
1872-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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w yjppM MlMAMWWMWW schritt der Menschheit anznbahncn. Wie oft kam es zum Zusammenstoß mächtiger Völker! Welches Heil war der Menschheit daraus entsprossen? Die Errungenschaften waren jedes Mal zu theuer erkauft, die Kraftanstrengung und die Opfer waren zu groß. Und welche sind die Güter, um die die Menschheit so lange gerungen und noch ringt? Menschenrecht und Menschenwürde, Entfesselung des Geistes und sittliche Vervollkommnung. Jedoch nur langsam brachte es die Menschheit zu dem heutigen sittlichen Standpunkt. Israel aber bedurfte keines Kampfes, um jene hohenGüter zu erringen. Die Thora, dieser lebendige Quell, aus dem wir ewig schöpfen, setzt den Menschen in feine Würde ein, beftehlt ihm stets zu forschen, und ihre Gesetze führen zur höchsten sittlichen Vollkommenheit. Wenn der Jude im Alterthnm und im Mittelalter und selbst in der neuen Zeit sich umsah und überall moralische Verkommenheit erblickte und seine eigene reine Lehre als die einzige Richtschnur im religiösen wie im Staatsleben erkannte, mußte er da nicht, wenn ihm diese entrissen werden sollte, freudig den Märtnrertod wählen, mußte er da nicht mit frohem Bewußtsein ausrufen: rwn rmnn bzz D'pns E’Dsipei D’p-n b "»sw Vru ’u iqi „Und wo ist eine Nation, sie mag noch so groß sein, die solche gerechte Gesetze und Verordnungen hätte, als diese Lehre hier!" Jedoch stehen blieb Israel nicht; fort und fort arbeitet es an dem Ausbau des Tempels, den keine irdische Macht zerstören konnte, in der Thora, die ihm als einzige Retterin in der Noth geblieben. Stets soll und wird der Jude bestrebt sein, sich sittlich zu vervollkommnen. Kann es da noch auffallend sein, daß wir so lange und so sehnsuchtsvoll der Erlösung harren? Fehlt uns ja so Vieles, um ganz den göttlichen Gesetzen gemäß leben zu können, vermissen wir ja beu Tempel, den Opserdrenst u. A.. die rrns boütommcn zum &n? vi stempeln. Und eben dieses Sehnen und Harren, das ist das Trostvolle im Judenthum, dadurch bekunden wir, daß es uns Ernst ist um unsere sittliche Vervollkommnung , daß wir die Wichtigkeit des uns gebliebenen Kleinods, die p''mn, in vollstem Maße erfassen und dafür dem allgütigen Vater den tiefsten Dank zollen. Wie lächerlich und kleinlich erscheint uns dagegen das Gebahren jener Verblendeten, die das Abschaffen der Gebete um Aufbau unseres Tempels linb um Ankunft des Messias aus die Tagesordnung gesetzt, die in frevelhaftem Uebermuth sich erdreisten, Hand an das Allerheiligste anzulegen! Jene vertauschen das alte Ehrwürdige mit schimmerndem Plunder, den ein einziger Luftstoß nach allen Seiten hin zerstreut; sie verleugnen ihre Vergangenheit, brechen die Brücke zwischen derselben und der Gegenwart ab; daher fehlt ihnen das Baumaterial zu einer neuen für die Zukunft. Wie bezeichnend sind die Worte des Propheten, der uns die Trostesworte zuruft: 2 nbiyi cip’ -a-n ps Pn; ■vsn bC’ „Gras dorret, Blume welkt, Gottes Wort besteht ewigl-ch." Wir wollen nur immer jene Neuerungssüchtigen im Judenthume arff die Culturgeschichte aller Völker verweisen; wir fragen; Hat das wahre echte Judcnthum nicht immer zu jeder Zeit und in allen Verhältnissen 1 einen Vergleich mit denselben ausgehalten? Stehen die Gebete um die Ankunft des Messias rc. mit wahrer Bildung und gründlicher Wissenschaftlichkeit im Widerspruch? Fragen wir die Völker, deren Geschichte so manchen schwarzen Flecken zeigt, in wie weit sie bei allem Kämpfen und Ringen höher stehen bezüglich der Sittlichkeit und wahren Herzensbildung, als Israel. Sic selbst werden uns das beste Zeugnitz geben, ihre Geschichte zeigt uns unsere eigene große Geschichte, der Culturgang der Menschheit läßt genau erkennen, welch hohen Werth das göttliche Gesetz hat, das uns in frühester Zeit hoch über alle Nationen gehoben. — Wenn Israel dem Schmerze um das verlorene Zion sich hingibt , wenn es die Hände ringt ob des zerstörten Tempels und vermißten Opferdienstes, wenn die Gegenwart düster und trübe scheint, so findet es auch Trost in der Thora, die uns unverfälscht geblieben; sie wird uits stärken tmd mit frischer Hoffnung neu beleben. Wenn dann unsere innern Feinde dieses unser Heiligthum zerstören wollen, wenn sie übcrmüthig genug unsere Vergangenheit leugnen, so zeigen wir ihnen die Annalen der Geschichte der Meitschheit. Die Vergangenheit der Nationen im Vergleiche zur unsrigen tröstet uns. 'Qp toru 10m. T. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u t s ch l a n d. □ München, 27. Juli. Der Geschichts-Unterricht an den Gvmnafien in Bayern war bis jetzt je nach der katholischen oder protestantischen Confesfion der Schüler getrennt; die Israeliten an diesen Lehranstalten theilten gewöhnlich beit der Katholiken. Auf Befehl des Cultnsministeriums wtrd mmmelu der Unterricht in diesem Fache ebenfalls paritätisch ertheilt werden, und ist daher eine Neubesetzung der Stellen für Geschichte angeordnet. Wiesbaden, 1 August. Wie nochig es vier war, eine orthodore Gemeinde zu gründen, wie weit Vier das Reformjudenthum gediehen, was für Früchte der Herr Bczirksrabbiner Süskind nach einer mehr als vier-

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