Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1872)
- Date
- 1872-08-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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690 Andenken übergeben wird. Von einem wohlwollenden Herzen geleitet und mit der edelsten Gesinnung erfüllt, kannte er bei all seinem Reichthum weder Stotz noch Selbstüberhebung und hing mit vollem Herzen au unserer väterlichen Religion. Er war darum auch von Allen, die ihn kannten, geschätzt und geliebt. Den Armen zeigte er sich stets als bereitwilliger Helfer und spendete jederzeit mit freigebiger Hand. Besondere Erwähnung unter seinen vielen Tilgenden verdient aber eine, die er im höchsten. Grade besaß — die Gastfreundlichkeit. Diese wurde in seinem Hause gegen Arm wie Reich, gegen Glaubensgenossen wie gegen Bekenner anderer Confessionen ohne Unterschied geübt. Dadurch erwarb er sich auch die Liebe und Achtung Aller, die mit ihm in Berührung kamen. Groß war daruur auch der Schmerz über sein frühes Hinscheiden — er erreichte nur ein Alter von 59 Jahren und 2 Monaten. — Sein Leichenbegängnis legte Zeugniß davon ab, in welch' hohem Ansehen er hier gestanden. Die ganze jüdische Gemeinde nnb ein beträchtlicher Theil der christlichen Mitbürger hiesiger Stadt gaben ihm das letzte Geleite. Herr Rabbiner Grünbanni von Ansbach schllderte vor Ueberführung der Leiche nach dem Begräbnißplatze Bechhofen das Leben und Wirken des Entschlafenen in tief zu Herzen dringenden Worten und brachte den Theitln'hlncrn an der ernsten Feier die Größe des erlittenen Verlustes so recht zum Bewußtsein. Hieraus stattete Lehrer Frank dem Verewigten, Namens der Cultnsgememde, den innigsten Dank ab für die vielen Verdienste um letztere. Denn der Heimgegangene bekleidete während einiger Jahrzehnte die Vorstandschaft mit der größtmöglichsten Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit und bekundete seinen religiösen Sinn unter Anderem auch durch Verschönerung der hiesigen Synagoge und Ausstattung derselben mit mehreren heiligen "Gerüchen, als deren schönstes ein kostbarer, grünsammtner Vorhang zur heiligen Lade genannt werden muß, der das Andenken des Entschlafenen und seiner traucrndeir Gattin mit Ruhm auf die späteren Generation überliefern wird. Ein noch schöneres, unbergäugliches Monument hat er sich aber durch die herrlichen Stiftungen errichtet, mit welchen er seinen wohlthätigen Werken die Krone aufgesetzt hat. Voll den verstifteten 25,000 fl. j find 13,500 zur Aussteuer für Bräute aus seiner Fa- I milie uild für hiesige Mädchen, ^500 fl. tüv die hiesige j Gemeinde, 5000 fl. für die Waisenanstalt in Fürth,! der Rest für die Lehrerbildungsanstalt in Würzburg,! für die Jeschibah in Höchberg, für das heilige Land :c.! bestimmt. So hat der Verewigte, obwohl kinderlos,! für Träger seines Maincm in edelster Weise gesorgt j nach dem Grundsätze unserer Weisen: cn*nnVo j C'p'-j. Er hinterläßt einen so ansgezeichneten Ruß wie er bisher nur wenigen Reichen zu Therl gej w^e>.en ivik wUiuv , j fi! I | Raviez, 2. August. Herr Dr. Koref, Schüler | des Herrn Rabbiner Or. Auerbach in Halberstadt, [ ist zum Rabbiner der hiesigen isr. Gemeinde erwählt l worden und hat die Wahl angenommen. Die isr.! Gemeinde zu Ravicz kann sich zu der getroffenen j Wahl Glück wünschen. O e st e r r. - U n g a r i s ch e Monarchie. Wien. Das ossiziöse Organ des Fürst-Erzbischofs und Cardinals Schwarzenberg fetzt die Agitation gegen die Juden fort. In Böhmen und Mähren und in allen Donauländern, sagt der erzbischöfliche „Tfchech," ständen die Juden im Solde Preußens, und die Regierung des katholischen Kaisers von Oesterreich sollte, anstatt die Selbftvertherdigung des rumänischen Volkes gegen die jüdischen Eindringlinge zu hindern, vielmehr darauf bedacht fein, das eigene Land gegen das verderbliche Element zu schützen. " In der mährischen Stadt Jglau hat die katholische Geistlichkeit 400 Weiber zur Unterzeichnung einer Petition veranlaßt, die gegen die Anstellung eines israelitischen Lehrers an der dortigen Bürgerschule protestirt. Troppau, 3. August. Seit gestern ist der 13jährige Israelit Heinrich Moses verschwunden Behufs Uebertritt zum Kakholicismus sott aus Veranlassung des Katecheten Benda der Pfarrglöckner denselben eingesperrt haben. Der Vater thnt gerichtliche Schritte. AnsTroppau, 3. d., wird der „D. Ztg." gemeldet: In Folge eines energischen Briefes an den Katecheten Benda ist der Judenknabe Heinrich Moses, der gegen den Willen seiner Eltern zum Christenthume bekehrt werde», sollte, noch gestern Nachts in sein Elternhaus zurückgekehrt. R u m ä n i e n. Bukarest, 21. Juli. Nachrichten ans Couftantiuopel bestätigen, daß die Beziehungen der Pforte zu der Regierung des Fürsten von Rumänien sich in jüngster Zeit sehr befriedigend gestaltet haben. Dafür spricht auch schon die Thatsache, daß dem Fürsten das Recht zngestanden ist, eigene Münzen mit dem rumänischen Landeswappen zu schlagen. Auch icheint die Dynastie des Fürsten Karl eine feste Grundlage gewonnen zu haben-, jedenfalls ist es ein Beweis von dem Machtbewußtsein der Regierung des Fürsten, daß dem ehemaligen Fürsten Kma gestattet worden ist, zur Regelung seiner Vermögensverhältuiffe nach Bukarest zu kommen. Was die Judeu-Augelegenheit betrifft, io wird an eine Intervention der Großmächte kaum mehr gedacht. Man