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Der Israelit · 1872-08-07 · Heft 32 (7.8.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 32 (7.8.1872)
Date
1872-08-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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688 „Und warum sollte ich nichts Sind sie doch verpflichtet , die größte aller Mizwoth, die Befreiung der Gefangenen mit Aufbietung ihres ganzen Vermögens zu ermöglichen." „„Ist auch der Rabbiner verpflichtet, sein Hans zu verkaufen, so daß er in künftigen Jahren vielleicht für sich und die Seinen kein Obdach hat?"" „Es macht mir das vielen Kummer; wollte Gott, ich könnt's vermeiden, ein solches Opfer anzunehmen." „„Du kannst es vermeiden, mein Bruder?"" „Und wie denn?" „„Siehe, geliebter Bruder, wenn ich an Deiner Stelle wäre, ich sagte zu dem Rabbinen: Behalte Dein Hans und kaufe statt meiner den Bruder frei, für den nur siebenhundert Drachmen verlangt werden."" „Das würdest Du thun, Chajim? Und glaubst Du, daß ich so einfältig bin, Dir das zu glauben? Du hast während unserer Reise mir oft gezeigt, wie eigensüchtig Du bist, wie wenig Du mich liebst!" „„Du verkennst mich, Bruder; ich würde zu Deinen Gunsten gern auf die Freiheit verzichten, wenn ich in Deiner Lage wäre? Siehe, in Coucy habe ich Dich und Deine Familie ernährt. Und ich bin Dein älterer Bruder?"" „Wahrlick, wenn Du ein Talmid Chacham wärst, ich würde Dir als dem älteren Bruder den Borrang lassen; allein . . . ." „„Gerade, weil ich ein solcher nicht bin, müßtest Du mir den Vorrang lassen. Wohin Du konnnft, wird man Dich auslösen. So gut wie es die Juden von Mogador thun, werden es die von Alexandria oder Kairo zu thun bereit sein. Wer aber wird sich um mich kümmern? Dir kann die Freiheit nicht eutgehen?"" „Nicht jeden Tag ereignet sich ein Wunder." „„Und wenn auch nicht — was willst Du auf Erden? Thora lernen? Nun wohlan, kannst Du nicht auch als Sclave Thora lernen? Du bedarfst ja nicht einmal der Bücher dazu? Du weißt ja den ganzen Talmud auswendig."" „Ah, sagtest Du nicht vorhin, Du spürest schon jetzt die Peitsche des Aufsehers auf Deinen! Rücken, wenn Dir die ungewohnte Arbeit mißlingen würde? Und wenn i ch bei der vorgeschriebenen Arbeit in meinen Gedanken beim Talmud verweilte, so würde mich die Peitsche des Aufsehers zum Spaten oder zum Pfluge zurückführen." Chajim biß sich in die Lippen. „Habe ich mich selbst verredet!" sprach er leise. „Er ist doch so dumm nicht? Ich muß es anders anpacken? Aber zum Ziele kommen muß ich. Habe ich -umsonst mein Leben lang das kluge Chajimchcn, das gescheidte Chajimcheu geheißen? Haben sich nicht alle Handelsleute von Francia und Augleterre. von Germa- I nia und Lothringa stets gefürchtet, von mir überlistet! zu werden? Und beit einfältigen Bruder sollte ich zu j bethören nicht im Stande sein?"! Unterdeß hatten die Worte Chajims aus Rabbi! Samson einen tiefen Eindruck gemacht. Es ging dem! edlen Manne tief zu Herzen, daß die gesammte Ge- > meinde von Mogador seinetwegen verarmen sollte; na-? mcntlich war es ihm leid, daß der Rabbiner für ihn! sein Häuschen verkaufen mußte. Er sah die stillen Thränen der Fran des Rabbiners, welcher der Gedanke fürchterlich war, das Häuschen, ein Erbtheil ihrer Eltern, künftig entbehren zu müssen. Diese Thränen lasteten schwer auf dem edlen Manne; er sann darauf, sie zu trocknen. „Höre, Bruder," sagte Chajim am andern Tage, „ich bin nur froh, daß wenigstens einer von uns nach Hause zurückkehrt, um unsere Frauen und Kinder zu ernähren. Ich bin jetzt arm; die Seeräuber haben nickt allein all mein Permögen geraubt, sondern auch das Gut fremder Leute, das mir für jenes unglückselige Pferj degeschäft war anvertraut worden. Das Wenige, was! ich meiner Frau gelassen, wird bald zu Ende gehen und j vielleicht gerade bis zu Deiner Ankunft ausreichen.! Dann mußt Du anfangen zu handeln und zu a'.beiten; | denn Du wirst doch hoffentlich auch für meine Familie! sorgen? Freilich, mit dem Lernen und Stndiren wird's! dann aus sein?" i „ „Wie, ich werde nicht inehr lernen sollen? Wozu! nützt mir dann die Freiheit?"" I „Sollen denn unsere Frauen und Kinder Hungers! sterben?"! „..Aber, mein Bänder, Du weißt doch, daß ich # I auf's Geschäft, auf Handel und Kauf und Verkauf mich 1 nicht verstehe."" „Ja, mein Bruder, das weiß ich, und eben deßhalb dächte ich, es wäre besser, ich ginge heim und ernährte in Ehren meine und Deine Familie, als daß Du nach Hanse znrückkehrlljt, um gemeinschaftlich Mit unfern Frauen zu hungern!" „„Was Du da sagst,"" antwortete Rabbi Sam- K'ii bedächtig, „„hat guten Grund. In Dir würden die Unsrigen daheim einen Ernährer finden, in mir nicht. Und dann brauchte der hiesige Rabbiner sein Häuschen nicht zu verkaufen!"" „Du willigst ein, mich statt Deiner toskaufen zu lasten?" „..Ich willige ein."" „Du guter, edler, großmüthiger Bruder!" (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilage«. verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. -?-r!as> dei Le 3lour'iwen Hvsr'rukchüuNuria. I. Gottsleben's Buch- und Stein-ru?e-ei in Mnirn,

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