Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1872)
- Date
- 1872-08-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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683 klagt ‘ schon in diesem Sinne der 106; Psalm. Wir sind ja um die Erfahrungen unserer Väter reicher als diese, und so theuer erkaufte Erfahrungen unbenützt liegen lassen, ist wahrlich schon an und für sich, von den daraus sich ergebenden Consequenzen ganz abgesehen, ein ich wer zu sühnendes Unrecht. Wir haben die Mittel zur Gestaltung jener Zukunft in Händen und haben die Straft nicht und den nöthigen Muth, sie zu verwerthen. Unveränderlich wie das Ziel, sind seit Jahrtausenden auch diese Mittel geblieben: rrvso rxi rp^n nx motpi. Da wo gesündigt wurde, mutz die Sühne beginnen. In ihre alten unveräntzerlichen Rechte mutz unsere min wieder eingesetzt, ihr das Haus gebaut, ihr der Tisch gedeckt, ihr müssen unsere Kinder geboren und erzogen, kurz, das ganze vielgestaltige Leben mutz freudig ihr geweiht werden. Daß unsere Väter nicht in allererster Reihe dem Gottesgesetze die Anerkennung zollten, die es zu beanspruchen berechtigt ist, mnn mira otd abv dp, war der erste und letzte Grund ihres staatlichen Untergangs. Werden erst rrvn und n* *sc wieder heimisch fein in allen jüdischen Hütten und Palästen, dann wird sich auch die Trauer und das Fasten des vierten und fünften Monats in selige Wonne auflöscn. Nicht Fasten, nicht Weinen, nicht Beten vermögen etwas an unserer Lage zu ändern, wenn wir uns nicht zuvor der min gebeugt; weil das Gebet dessen, welcher der Thora sein Ohr verschließt, Gott zuwider ist.") Ir demselben Augenblick aber, in welchem wir uns freudig der Autorität des Gotteswortes unterordnen, sind wir erlöst von den Veranlassungen jeglicher Klage. Denn heute 'pvL-p nx c-,p, heute noch, wird unsere Zukunft zur Gegenwart, wenn wir nur Gottes Stimme gehorchen. Darum tritt mit jedem wiederkehrenden 2x2 nytpn immer und immer wieder die Mahnung an uns heran, das was Israels segnender Genius bei seinem Scheiden heute schon erkannt wissen wollte, wenigstens heute noch zu beherzigen: „Hüte seine Gesetze und seine Gebote, die ich Dir heute — noch — befehle, damit es Dir wohl geht und Deinen Kindern nach Dir und Du lange auf dem Boden leben wirft, den Gott, Dein Gott, Dir für alle Zeiten gegeben hat." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Offenbach, 25. Juli. Nach der am 1. Deccmber 1871 vorgenommenen Volkszählung hat Offenbach *) Prvv. 2S,?. eine Einwohnerzahl von 22,689 Personen. Hierunter sind: 14,589 Evangelische, 6148 Katholiken, 881 Deutschkatholiken. 44 Freireligiöse. 13 Menoniten, 7 Anglikaner, 1 Dissident, 1003 Juden und 1 Muhamedaner. Von 2 Einwohnern ist das Religionsbekenntnitz unbekannt geblieben. Heidelberg. Der Heidelberger Aegyptologe Dr. August Eiienlohr reiste in diesem Frühjahr nach England, um nebst anderen ägnptischen Alterthümern von geringerer Bedeutung eine von A. C. Harris, dem verdienstvollen Herausgeber der Hieroglvphical Standards, in einem Mumicngrabe aufgefundenen Papyrusrolle zu studiren. Sie ist die schönste, größte, bestgeschriebene und besterhaltenc aller bis jetzt aufgefuudenen ägyptischen Papyrusrollen, 40* Meter (— 135 badische Fuß) lang und 42 /2 Centim. breit. Vom Ende der Regierung Ramses 111. (Herodot's Rampsinit) stammend, ist sie über 3000 Jahre alt und gibt wichtige Aufschlüsse über die politische, religiöse und Culturgeschichte jener Zeit. In der sogenannten (ans Hieroglyphen, Buchstaben- und Sylbenzeichen gemischten) Schrift geschrieben, enthält sie eine Ansprache des Königs Ramses III. selbst an sein Volk und alle Menschen, über seine Thaten und Leistungen während seiner Regierung, mit einem Rückblick auf die seines Vaters Setinecht und Großvaters Maneptah 11. Seti, welche einer Revolutionszeit religiösen Charakters ein Ende gemacht, und gibt zuerst an, wie er selbst, Ramses 111., die Wiederherstellung des ägyptischen Cultus durch Wiederaufbau aller Tempel und reiche, diesen gespendete Geschenke, welche bei jedem einzelnen umständlich aufgezählt werden, zu Stande gebrachthabe. Zum Schluß beschreibt er sodann noch seine eigenen Kriegsthaten und andcrweite Verdienste um sein Reich. Jene religiöse Revolution fällt aber mit Moses'Aufenthalt in Aegypten, mit seiner monotheistischen Religions-Stiftung oder Wiederherstellung, und mit dem Auszug der Juden aus Aegvpten zusammen und die biblische Erzählung darüber empfangt durch den ägyptischen Papyrus Bestätigung und neue Aufschlüsse. Herr Dr. Eisenlohr hielt unlängst über diesen Gegenstand einen anssührlichen Vortrag im Heidelberger historisch-philosophischen Verein, worin er eine vollständige Ucbersetzung des geschichtlichen Schlusses der Ramses'schen Ansprache mittheilte. Dieser Vortrag wird gegenwärtig gedruckt. Außerdem wird die ganze Rolle von Hinrichs in Leipzig in der Urschrift gedruckt werden, nach der genauen Abschrift, welche sich Herr Dr. Eiscnlohr davon genommen. Berlin, im Thamus. Die Statistik der Taubstummen, über die ich Ihnen kürzlich berichtete, hat nun auch in der „ Polkszeitung" eine Entgegnung gefunden, die besondere Beachtung verdient, weil sie mit Recht darthut, wie cs für die Statistik von geringem Erfolge sei, wenn sie in der Religion und nicht in