Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1872)
- Date
- 1872-07-31
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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678 Sowohl bei den Auswanderungs-, wie bei den Waisenexpcditionen — welche das Eleno und die Verlassenheit der westrussischen Inden, gleichzeitig aber auch die wirksamste Hilfe und trostreiche Rettung in aller lebendigen Wirklichkeit veranschaulichen — hat das Berliner Lokalcomite seine Ausgabe nach dem Umfange seiner Mittel mit möglichster Liberalität und außerdem in aller Herzlichkeit durch fürsorgliche persönliche Berhätigung zu erfüllen versucht; wir glaubten, den Auswanderern und den Waisen auf ihrem, immer schweren Wege, in die neue Heimath und zu den neuen Eltern auch eine moralische Stärkung gewähren zu sollen und hoffentlich bewahren beide ihrem, wenn auch nur temporären uud gelegentlichen Aufenthalte in Berlin eine gute Erinnerung. Im Ganzen sind für 659 Auswanderer und Waisen 2384 Thlr. 4 Sgr. verausgabt worden, ein nach dem Umfang unserer Mittel nicht unbedeutender Betrag, und doch möchten wir es bedauern, daß wir an unserer Stelle der Gelegenheit zu reichlicherer Verwendung für diese Zwecke entbehrten. Die Einnahmen betrugen 10092 Thlr., die Wesammtausgabe 9483 Thlr. Ueber den unmittelbaren Erfolg derjenigen Thätigkeit, welche das Berliner Lokale nnite an seiner Stelle zu üben hatte, sei kurz folgendes bemerkt; Von den „Studirenden" befindet sich die größere Zahl derjenigen, welche sich dem eigentlichen Studium widmen, noch im Stadium der Vorbereitung, jedoch ohne besondere Unterstützung von unserer Seite; ein Technologe und die drei Hebammen sind bereits etablirt. — Von den Handwerkern ist ein großer Theil nach der westrussischen Heimath erwerbsmäßlg zurückgekehrt, um dort selbstständig oder als Geselle sich und die Familie zu ernähren; ein anderer Theil arbeitet in derselben Weise entweder hier in Berlin, oder anderswo, wie z. B. in einigen süddeutschen Städten. Ueber den Verbleib und das Schicksal mancher Anderer fehlen uns bestimmte Nachrichten. Wie unsere Bilanz ergiebt, hat unsere Arbeit für die westrussischen Inden unsere Mittel derart in Anspruch genommen, daß nicht bloß unsere eigenen regelmäßigen wie außerordentlichen Einnahmen dafür verwendet worden sind, es ist uns auch noch eine nicht unbeträchtliche Summe direct oder indircct aus der Centralkasse zugeflossen, um theils gleichen Zwecken 511 dienen, theils den regelmäßig conftatirten Bestand zu bilden. Es bedarf daher keiner Erklärung, daß und weßhalb während der in Rede stehenden Zeit ein Beitrag aus unseren Einnahmen zu den allgemeinen Ausgaben der Allianz an das Centralcomits nicht hat abgelwfert werden können, Wenn iudeß die Angelegenheit der weftrusfisän'n Inden .unsere materiellen Mittel auch gänzlich erschöpft und unsere persönliche Arbeit fast ausschließlich beansprucht hat, so sind wir doch auch WWWWWWWWWWWWWWW anderen Aufgaben der Allianz nicht gänzlich fern geblieben. In Folge zunächst unserer directen Verbindung mit Herrn Peixotto und dann auf Grund besonderer Mittheilungen Seitens unseres Centralcomites sind wir auch in der rumänischen Angelegenheit thätig gewesen. Ueber den sehr erfreulichen materiellen Erfolg, welchen ein auf Anregung des hiesigen Lokalcomitss der Allianz begründetes Comite für die rumänischen Juden bereits erzielt hat, haben die Zeitungen bereits berichtet. Die unseren Mitgliedern mit diesem Berichte zugehende Broschüre-) über die Judenverfolgungen in Rumänien, von Herrn H. B. Oppenheim, ist ein weiteres Zeugniß unseres thätigen Interesses für die rumänische Angelegenheit. Schließlich haben wir zu berichten, daß das hiesige Lokalcomite sich einläßlich mit der Frage einer energischen Propaganda für die Allianz in Deutschland beschäftigt nnb dabei die Ueberzeugung gewonnen hat, daß dieselbe nur durch eine bestinnnte Organisation durchzuführen sei. Auf unfern Antrag hat deßhalb die am 24. Apr.l stattgehabte Generalversammlung nachfolgenden Beschluß gefaßt, mit dessen Ausführung wir zur Zeit beschäftigt sind: „Der Vorstand wird beauftragt, daß derselbe eine Delegirten-Versammlung berufe, behufs Organisation des Jsraelitenbundes in Deutschland und behufs Feststellung seines Verhältnisses zur Alliance israelite universelle. Als Delegirte sollen fnngiren a) die Abgeordneten der hauptsächlichsten Lokal' Comites der Alliance israelite universelle in Deutschland; b) Vertrauensmänner nach freier Wahl des Vorstandes; c) der Vorstand hat die Vorarbeiten für diese Organisation in geeignetster Weise den Delegirten 5m* Kenntnih zu bringen; d) die etwa zur Ausführung nothwendigen Gelder werden dem Vorstand zur Disposition gestellt; e) die Generalversammlung bevollmächtigt den Vorstand, dem von der Versammlung der Delegirten ausgestellten Statute Namens des hiesigen Zweiges beizutrtten. Fürfeld. Ein wohlmeinendes Wort an die Herren Vorstände und Lehrer des Großhcrzogthums Hessen. Wie bekannt sind bis auf wenige Ausnahmen, die isr. Lehrerstellen des Großherzogthums Hessen Rcligionslehrerstellen. Die Kinder besuchen die Ortsschulen und hat der isr. Lehrer nur den Religionsunterricht zu crtheilen. In den Ortsschulen werden die jüdische Kinder während der Religions- und biblischen Geschichtsstunden nicht entlassen, vielmehr muffen sie am letzteren Unterrichtsgegenstand Theil nehmen und sich hierzu biblische *) Die uns ebenfalls vorliegende Bioschüre ist recht beachtenswerth; sie bespricht die rumänische Angelegenheit ganz ausführlich. Die Red.