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Der Israelit · 1872-07-31 · Heft 31 (31.7.1872) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 31 (31.7.1872)
Date
1872-07-31
Page
– (sequence 19)
Language
German
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679 Geschichtsbücher beschaffen, in denen altes und neues Testament enthalten find. Wie nachtheilig dieses auf die Kinder einwirkt, bedarf gewiß keiner weiteren Erörterung. Bedenkt man nun noch, wie unregelmäßig und schlecht Las isr. Religionslehrerwesen in unserem Großherzogthum bestellt ist, daß es viele Gemeinden gibt, die die meiste Zeit ohne Religionslehrer sind, dann wieder andere, welche Lehrer dem Namen nicht der That nach haben, so hat man ein Bild, wie es unser Lehrer Moses n"y in den wenigen, aber vielsagenden Worten nicht schrecklicher schildern konnte: „Es entsteht ein in D3 p» -rd IPX D’ja no>*?nn." (Doll es besser werden, so müssen die Gemeinden darauf bedacht sein, nur solche Lehrerlräfte zu gewinnen, die ihrem heiligen Amte vollständig gewachsen sind und auch Liebe, Eifer und Hingebung für ihren heiligen Berus haben. Die Kinder dürfen dann um keinen Preis den Religions- und bibl. Gcschichtsstunden in der christlichen Schule beiwohnen. Einige Beispiele, wie ungerathen es sei, wenn jüdische Kinder dem chr. Religionsunterricht mit beiwohnen, will ich in kurzen Worten darthun, doch zuvor erlaube ich mir einige Bemerkungen vorauszuschicken: Es ist bei mir festes Princiv, daß die Schüler außer bibl. Geschichte, auch noch von der isr. Geschichte und zwar von der Zerstörung des ersten Tempels bis auf die Gegenwart, in wenigen Zügen erfahren sollen. Ich gehe von dem Grundsätze aus, der Israelit, der seine eigene Geschichte nicht kennt, hat nicht so wahre Liebe zu seinem Indenthume, als der, der mit dessen Geschichte genau bekannt ijt Das Kind muß also jüdische Geschichte lernen, es muß und soll wissen, daß Israel seit der Zerstörung des ersten Tempels bis ins 19. Jahrhundert hinein für seine Religion gelitten und gekämpft, daß trotz Verfolgungen, Kerker, Scheiterhaufen, Zwangstaufen u. s. w. u. s. w. man den Stamm mit der Wurzel nicht ausrotten konnte, ja noch mehr; daß Israel aus allen seinen Bedrängnissen stets siegreich hervorgegangen ist; daß Israel in Men seinen Leiden stets Wohlthätigkeitssinn, Mildthätigkeit, Herzensgute, Nüchternheit, Enthaltsamkeit, Streben nach Bildung und Wissenschaft, dabei die Innigkeit des ehelichen, elterlichen und kindlichen Verhältnisses treu bewahrt hat und daß Israel sich eher hinopfern ließ, als seinem Gotte untreu zu werden. Das Kind soll und muß mit der jüdischen Literatur bekannt werden, es soll wissen, daß in den Zeiten des finstern Aberglaubens, des blinden Fanatismus Heroen aus ihm hervorgegangen sind, an deren berühmten Schriften wir uns noch heute erbauen. Wer denkt nicht an Maimonides, der lieber sein Vaterland verließ, als sich zum Islam zu bekennend Wem ist nicht Abarbanel bekannt, der lieber mit seinen Glaubensgenoffen die Verbannung theilte, als allein am spanischen Hofe zu bleiben? Wem sind nicht die noio unn mpy bekannt? Sie haben lanpn m»*sn>7 026 gewirkt, und die Nachwelt ehrt sie. Jetzt da uns ein goldner Morgen aufgegangen ist, wir nicht mehr hinter Schloß und Riegel unsere heiligen Vorschriften zu beobachten brauchen, wir unD öffentlich und freimüthig bekennen dürfen, einer Religion anzugehüren, die die' höchsten Grundwahrheiten in sich trägt, sollten wir uns davor noch schämen, sollten fürder zugeben, daß unsere Kinder den christl. Religionsunterricht mit anhören? Gibt es vielleicht unter 1000 christl. Lehrern nicht einen, der sich ein Verdienst daraus macht, gerade in dieser Unterrichtsstunde sein Augenmerk auf die jüdische Kinder zu legen? oder überhaupt zu sagen (was factisch ist): Ihr Judenkinder mit euren vielen und albernen Ceremonien!" So kam es einst vor, daß ich in der isr. Geschichte von Johann Hurkan unterrichtete, wie dieser zu den Saducäern überging, welcher Schritt in der Folge für sein Haus verderblich wurde. Da sagte ein Kind: unser christl. Lehrer hat uns mitgetheilt, daß die Pharisäer Heuchler waren. Daß ich dieses widerlegte, bedarf keiner weiteren Erörterung. So unterrichtete ich auch in der bibl. Geschichte von den göttlichen Wunderthaten des Propheten Elischa. Die Kinder bemerkten hierzu, daß sie in der christl. Dchule beim bibl. Geschichtsunterricht gehört: daß auch der Stifter der christl. Religion, solche oder ähnliche Wunder ausgeübt habe. Solche Beispiele könnte ich noch mehrere anführen, will mich aber auf obige beschränken und nur fragen: Ist es nun noch gerathen, daß isr. Kinder in den Ortsschulen den Religions- und bibl. Geschichtsunterricht mit beiwohnen dürfen? Es ist Niemand vom Staate dazu gezwungen, deßhalb ift's nur Nachlässigkeit der betreffenden Eltern, wenn sie dieses so hingehen lassen. Zwei Religionen brauchen dieselben nicht zu lernen, es ist genug, wenn sie die unsrige in jeder Beziehung genau und tüchtig kennen, sie ausüben und darnach leben. M. Kaufmann, isr. Lehrer. ANZEIGEN. esucht ein Lehrling, welcher eine höhere Schulbildung .genossen und .besonders in der französischen Dprache gründliche Kenntnisse besitzt. Das Geschäft En gros - Export befindet sich irr einer der bedeutendsten Handelsstädte, und ist Samstags und an den jüdischen Feiertagen geschlossen. Franco-Offerten befördert die Exped. d. Bl. sub Nr. 1625.

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