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Der Israelit · 1872-07-31 · Heft 31 (31.7.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 31 (31.7.1872)
Date
1872-07-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 31 des Israelit. Telegraphische Depeschen. Königsberg, 26. Juli. Soeben ist Sir Moses Montesiore, von Petersburg kommend, hiereingetroffen und lnit Enthusiasmus empfangen worden. Berlin, 29. Juli. Soeben ist Sir Moses Montesiore hier eingetroffen und von Herrn Rabbiner vr. Hildesheimer am Bahnhöfe empfangen worden; derselbe logirt Hotel de Borne mb wird einige Tage hier verweilen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Denc uns vorliegenden Berichte des Berliner Lolal-Eomitt's der^llianetz israelite universelle für die Zeit vom 1. October 1869 bis 18. Mai 1872 entnehmen wir Folgendes: Das Berliner" Lokalcomitv ist nun fast drei Jahre an dem Hilfswerk für westrussischen Juden thätig. Bon der Gesammt-Ausgabe — 9483 Thlr. 5 Sgr. 6 Pf. — entfällt über die Hälfte - nämlich 5442 Thlr. 15 Sgr. — auf die Unterstützung „Studirender und Handwerker." Da diese Ausgabe dem einen Haupttheile des ausgestellten Programnls entspricht — nach welchem es vor Allem daraus ankommt, die Erwerbsfähigkeit der Bevölkerung Westrußlands sowohl unmittelbar zu heben, sowie durch Erlernen von Handwerken und Ausbildung jüngerer, bildungsfähiger Leute zu einem wissenschaftlichen oder gewerblichen, insbesondere Lehrcrberufe voxzubereiten und auf eine sichere Grundlage zu stellen,, so wird der darauf verwendete Betrag nicht unverhältnismäßig erscheinen. Als „Ctudireude", d. h. in ihrer Vorbereitung zu einem wissenschaftlichen oder künstlerischen Berufe oder auch zur Aneignung der nothwendigsten Elementarkenntnisse sind überhaupt unterstützt worden 39 Personen. Von denselben widmeten rcsp. bereiteten sich vor zum Studium der Mediz-n oder Philosophie 16, zum Lehrersache 7, zur Technologie 3, zum Kaufmannsstande 3, zur Gesangskunst 1, zur Bildhauerei 1. 3 Frauen wurden als Hebammen ausgebildet und 1 junges Mädchen als Zahutechnikeriu. Zu ihrem Unterhalt wurden diese 39 Personen im Ganzen mit 1464 Thlr. unterstützt, während 263 Thlr. als Lehrgeld — fast ganz für die 4 Frauen — verwendet worden. Außerdem wurden! 130 Thlr. dem Sludienbeförderungsverern, welcher die elementare Vorbereitung eines großen Theils unserer! „studirendcn" Pfleglinge leitete und überwachte, zu- ■ gewiesen. i Behufs der Erlernung eines Handwerks sind im Ganzen untergebracht resp. unterstützt worden 80 Personen. Von demselben haben gelernt als Seifensieder 19, Destillateur 10, Cigarrenarbeiter 9, Hefenmacher 6 u. s. w. Die ersichtliche Vorliebe für einzelne Professionen ist keine zufällige, sie steht vielmehr mit unserer Aufgabe im engsten Zusammenhänge und ist eben darin begründet, daß unsere „Handwerkspflegliuge" fast durchweg dem gewöhnlichen Lehrliugsalter längst entwachsen, zu einem guten Theile sogar schon Familienväter in mehr oder weniger vorgeschrittenem Alter waren, die hier Herkommen, um so bald als möglich in ihre Heimath und zu ihrer Familie erwerbsfähig zurückkehren zu können. Daher wählten sie vorzugsweise Professionen, welche eines Theils nach den Erwerbsverhältnissen ihrer westrussischen Heimath die praktische Aussicht eines besseren Fortkommens darbieten, andern Theils in kürzerer Zeit und im vorgerückten Alter noch leicht zu erlernen sind. Bei dieser Sachlage war vielfach die Zahlung von Lehrgeld unvermeidlich. Solches ist überhaupt in 36 Fällen und zwar im Gesammtbetrage von 954 Thlr. geleistet worden, vorzugsweise in der ersten Zeit unserer Thätigkeit, in welcher einerseits die hohe Altersklasse unter unseren Pfleglingen vorherrschend war und die hiesigen Meister diese neue Art vor Lehrlingen noch mit etwas Mißtrauen — welches vor der Praxis immer mehr verschwand — empfingen. Für den Unterhalt unserer „Handwerks- Pfleglinge" entstand ein Aufwand von 263 > Thlr. 15 Sgr., so daß für die qu. 80 Personen im Ganzen verausgabt worben sind 3585 Thlr. 15 Sgr. Der zweite — und vielleicht wichtigere und wirksamere — Haupttheil des für unsere westrussischen Glaubensgenossen projectirten Hilfswerkes, die Auswanderung nach Amerika, hat unsere Mitwirkung gleichfalls in Anspruch genommen. Das Berliner Lokalcomits hat hierbei indeß eine besondere selbständige Thätigkeit nicht zu üben gehabt, hat vielmehr an seiner im Organisationsplane ihm zugewiesenen Stelle lediglich auf Requisition und Anweisung des Köuigsberger Haupt- Grenz-Comitö's die von letzterem hierher dirigirten Auswanderer nach Hamburg expcdirt. Dank ferner der thatkräftigen Zustimmung, mit welcher Gemeinden wie Einzelne den Aufruf des Ccntralcomitts der Allianz zur Adoptirung von verlassenen Waisenkindern der westrussischen Juden beantwortet haben, hat das hiesige Lokalcomitö in gleicher Weise, wie die Auswanderer, die vom Königsberger Comits hierher dirigirten Waisenkinder weiter befördert, zumeist nach Köln, Aachen und trankfurt a. M., w'o sie zum Theil verblieben, zum heil rheinischen oder westphälischen Gemeinden zugefuhrt, oder nach Paris geschickt worden sind.

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