Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1872)
- Date
- 1872-07-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XIII. Jahrgang. Erste Beilage z« Nr. 31 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Gebete für Israeliten zum Gebrauche beim Gottesdienste, im Hause und aus dem Friedhöfe von vr. A. A. Wolfs, Dbcxxabb'mcx in Kopenhagen. Jn's Deutsche übertragen von Sigismund Berendt, Rabb. - Cand. Frankfurt a. M. 1872. (Kaufsmann.) 151 S. Unsere Gebetliteratur ist durch vorliegendes Buch um einen schätzenswerthen Beitrag vermehrt worden. Gemüthserhebung und Belehrung gehen hier Hand in Hand, denn auf Talmud und Midraschim fußend, versteht es der Vers., in leicht faßlicher Sprache sowohl die Bedeutung derjenigen Tage, die zum Andenken an die große, wunderbare Vergangenheit Israels gestiftet sitch, darzulegen, als auch die ethischen Lehren, die unfern Religionsgesetzen innewohncn, aus denselben zu entwickeln. Diese Gebete haben bei ihrem ersten Erscheinen in dänischer Sprache so großes Aufsehen in Deutschland gemacht, daß deutsche Capacitäten den Vers, oft darum angingen, für eine Ucbcrsctzung Sorge zu tragen. Ein Schüler des Verf. hat sich nun an diese Arbeit gemacht, und die Frucht seines Fleißes dem Verf. als Zeichen seiner Dankbarkeit und Verehrung gewidmet. Die Verlagsbuchhandlung hat durch schöne Ausstattung wie durch einen möglichst niedrigen Preisansatz alles Mögliche gethan, um das Buch allen Kreisen zugänglich zu machen, und wird es sich auch sicherlich bald seinen Weg in alle jüdischen Familien Deutschlands bahnen. F. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. HÜlS, 26. Juli. Wie aus dreien geschätzten Blattern bekannt, sind die jüd.-rcligiösen Zustände Westfalens, speciell des früheren Rabbinats-Sprengels Münster, Paderborn und Mark, für die Dauer ganz unhaltbar, meT vrjo "wph bl v'»r. Wenn nicht einige wenige besser gesinnte Gemeinden und Private eine rühmenswerte Ausnahme machten, so wären wahrhaft jüd. Gesinnung und That dort nur noch dem Namen nachbekannt. Die Nothwendigkeit der schleunigsten Wiederbesetzung des Rabbinatsstuhles, wenigstens in dem vorgenannten Sprengel ^vielen andern Gemeinden genügt vielleicht schon ein m my), tritt daher immer dringender zu Tage. Trotzdem wurde bis jetzt keine Stimme laut, für die Sache cinzutreten. Daß die Geldftage es allein sei, die Jedes Zunge zum Schweigen verurtheilt, darf nicht angenommen werden. Die Besoldung eines Rabbinen legt den einzelnen Gemeinden verhältnißmäßig sehr geringe Opfer auf. Es ist vielmehr der reinste Jndifserentismus gegen alles Religiöse, dem die Schuld beizumessen; es fehlt der echt jüdische Wille als der einzige Sporn, dem wir alles Gute zu verdanken haben. Daher thut es noth, die Schlummernden aus dem Schlafe aufzurütteln und ihnen zu zeigen, daß Zurückftehen von der Förderung des Guten nichts weniger als tatsächliche Förderung des Bösen sei. Oder will man sich etwa am die Zukunft vertröstend Hier ist es «ücht die Zeit, welche Wunden heilt, nein, sie reißt die vorhandenen immer weiter auf, so daß Heilung unmöglich werden könnte. Jeder Augenblick ist verloren, der nicht einer guten Sache dient. Es kann nun nicht meine Aufgabe sein, für den Sprengel in die Schranken zu treten. Das Bewußtsein aber dt rvzny bv, die Liebe zur Heimath und die schon vor mehreren Jahren an mich ergangene Aufforderung eines Mitgliedes der Gemeinde Vreden, dem Sitze des sel. Rabbinatsverwesers V'sjt ’no crmuthigen mich, durch diese gesch. Blätter , die des Guten schon so viel gefördert, die Sache wenigstens in Anregung zu bringen. Mögen die Gemeinden, die den Ruf der Religiösität für sich im Einzelnen noch gewahrt haben, nun auch durch die That zeigen, daß es ihnen um Besserung der religiösen Zustände im Allgemeinen wirklich Ernst sei? Mögen die Vertreter derselben, ihrem heiligen Berufe treu, sofort eine Aufforderung an den löblichen Vorstand der Gemeinde M ü n st e r, dem seitherigen Vororte deS Sprengels, ergeheii lassen, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen, und Vorschläge zu machen, die zur baldigen Erreichung des Zieles führen? Möge endlich jeder Einzelne. dem an dem Fortbestehen unserer heiligen Jnstir tutioneu gelegen ist, aus feiner Lethargie erwachen und mannhaft auftrelen irr dem Kampfe für Gott und die heilige Religion Israels, nw« 'n nyrvnn nb, njn cn? «\s! L. Cohen, Lehrer.