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Der Israelit · 1872-07-31 · Heft 31 (31.7.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 31 (31.7.1872)
Date
1872-07-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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braHt werden, weil es voraussichtlich ein entlaufenes Opferthier; ist das Stück Vieh männlich, so wird es als Ganzopfer, ist es aber weiblich, so wird es als Friedensopfer, Sebach Schelamim, dargebracht. Soweit die Mischnah: die Gemara hat allerlei Einwände dagegen; unter andern auch den: wie darf man ein solches weiöliches Thier als Sebach Schelamim darbringen? vielleicht ist es bestimmt gewesen, das Schuldopfer eines Aussätzigen zu werden? Darauf antwortet die Gemara, ein solches Schuldopfer käme sehr selten vor und deshalb sei das nicht zu befürchten. Wenn es aber häufig verkäme — so muß man doch schließen — dann wäre es nicht erlaubt, es als Sebach Schelamim darzubringen. Und nun - hört genau zu — nun frage ich euch, warum dürfte man es selbst in diesem Falle nicht als Sebach Schelamim darbringen? Man könnte das ja bedingungsweise thun! Man könnte sagen: ist dieses Thier das Schuldopfer eines Aussätzigen, so sei es als solches dargcbracht, wo aber nicht, so sei es ein Sebach Schelamim: denn wisset, meine Schüler und ihr andern Zuhörer, die Art der Darbringung des Schuldopfers des Aussätzigen und des Sebach Schelamim ist ganz dieselbe: sogar die zu beiden gehörigen Trankopfcr sind dieselben, und daß des Schuldopfers Blut auf die Zehen des Aussätzigen gestrichen werden muß, das hindert wenigstens nicht." Eine tiefe Stille herrschte nach diesen Worten in der Synagoge. Ein Jeder bemühte sich, die Frage des Rabbi recht zu erfassen. Ein wißbegieriger, junger Schüler bat ihn dann, dieselbe zu wiederholen, was der Rabbi auch bereitwillig that. Darauf versuchte gar Mancher die angeregte Schwierigkeit zu heben; aber jede versuchte Lösung erwies sich am Ende als unzutreffend. „Ja, ja," sagte der Rabbi. „Jahre lang trage ich mich mit dreier Frage, ohne sie beantworten zu können. Als ich im vorigen Jahre den großen Rabbi von Marocko, Rabbi Äbiaßaph, besuchte, trug ich ihm diese Frage vor, und er suchte sie in folgender Weise zu beantworten: Die Gemara fragt zugleich auch in Bezug auf das Schuldopfer des Geweihten, des Nafir; in der That nun könnte die Gemara die Frage in Bezug auf das Schuldopfer des Aussätzigen. so beantworten. wie ich es gethan; allein, weil damit die Frage in Bezug auf das Schuldopfer des Nasir noch nicht beantwortet rvare, so gibt die Gemara lieber eine Antwort, die für Beide paßt, nämlich daß sie selten Vorkommen. — Die Lösung des Rabbi Abiaßaph von Marocko genügt für den Nothbchelf, allein sie befriedigt mich nicht, und ich würde mich glücklich schätzen, wenn Jemand mir eine bessere Auskunft zu ertheilen vernröcht.:." Da trat Rabbi Samson aus dem Hintergründe der Synagoge hervor und sprach: „Du hast Recht, Rabbi, daß Dir die gegebene Lö- 668 fu«g nicht genügt. Erlaube mir, Dir die Sache anders zu erklären. Du fragst, man könnte ja bedingungsweise das Thier als Schutdopfer oder als Sebach Schelamim darbringen. Das geht aber nicht; denn wisse, es ist nicht allein möglich, daß ein solches Schuldopfer verloren worden, es ist auch möglich, daß der Eigenthümer die Hoffnung, es wrederzufinden, aufgegcben und ein anderes Thier als fein Schuldopfer dargebracht hat, noch ehe das erstere wiedergefunden; jetzt ist dieses ein solches Schuleopfer, dessen Eigenthümer schon die Sühne erlangt hat, und ein solches darf niemals dargebracht werden; man muß es sterben lassen. Anders verhält es sich mit den Ganzopfern; diese dürfen immerhin als freiwillige Gaben dargebracht werden. Du siehst also, daß man unmöglich das Schuldopfer eines Aussätzigen, selbst bedingungsweise, als Sebach Schelamim darbringen darf und daß die Gemara vollständig im Rechte ist." „„Du sprichst die Wahrheit. Fremdling,"" antwortete der Rabbiner überrascht, „„erlaube, daß ich meiner Schülern Deine Worte deutlich darlege."" Nachdem der Rabbiner dieses gethan, betrachteten Alle den Fremden mit Ehrfurcht und Erstaunen. „Wer bist Du, Fremdling?" fragte der Rabbiner- „Du bist sicherlich ein Großer in Israel." /Ich.bin ein Gefangener, ein Sclave."" „Wie ist Dein Raine und der des Landes, das Dich geboren?" „„Ich heiße Samson und bin in Coucy im Frankenreiche geboren."" „Im Frankenreiche, wo einst der große Rabbi Jakob lebte, den man Rabbenu Tam nannte?" ////Ich bin sein Schüler."" „Du bist ein würdiger Schüler eines großer Meisters. Du bist selbst ein großer Meister. Freunde, Schüler, Brüder! Gott hat uns ein großes Glück beschieden. Ein großer Lehrer in Israel weilt in unserer Mitte. Er ist unglücklich, er ist in Sklaverei gerathew Opfern wir unsere gesammte Habe, ihn auszulöscn, rym die Freihüt wieder zu geben?" „„Das wollen wir, ja das wollen wir!"" riefer Alle niit einer Stimme. „Und ich, wo bleibe ich?" schrie Chajim. „„Wer ist dieser Mann?"" fragte der Rabbiner. „Er ist mein Bruder," antwortete Rabbi Samson, „der mit mir zugleich in Gefangenschaft gerathen." „„Euch Beide auszulösensagte der Rabbiner^ „„wird nicht möglich sein. Wir sinarm, und Eure Herren verlangen stets ein großes Löjegeld."" (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: i>r. Lehmann. — B>r>an Da Le iNvux'Mien pofhuchhandtung. I. Gottslebeu's Buch- und^Steindruckerei in Mainz.''

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