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Der Israelit · 1872-07-31 · Heft 31 (31.7.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 31 (31.7.1872)
Date
1872-07-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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667 „Hätte ich dem Juden doch den Kopf gespalten!" sprach er. „„Was wollt Ihr von mir/"' sagte Rabbi Samson, „„theile ich nicht Euer Schicksals"" „Du, Du stehst mit den Geistern im Bunde!" rief Chajim; „die werden Dich schon befreien, während wir im Elende verschmachten müssen." „„Rufet Eure Geister, Rabbi!"" flehte der Schiffs- Hauptmann, „„daß sie unsere Bande zerschneiden, daß sie uns bcistehen, die Räuber zu bändigen und uns helfen, in die Heimath zurückzukehren."" „Höret doch nicht," entgegnete der Rabbi, „auf das Geschwätz meines thörichten Bruders. Lernet vielmehr von mir, unser hartes Geschick mit Ergebung zu ertragen. Ich stehe nicht mit Geistern im Bunde; mein Vertrauen ist auf Gott, den Allmächtigen, gerichtet, der in jedem Augenblicke unsere Fesseln lösen, uns die Freiheit wiedergeben und uns in die Heimath zurückführen kann. Und sollte cs Gottes Wille sein, daß wir als Sclaven in harter Knechtsarbeit den Rest unseres Lebens verbringen, so ist es ja eben Sein heiliger Wille und gereicht gewiß zu unsernl Heile. Was Er thut, was Er über uns verhängt, ist sicherlich zum Guten. Warum sollen wir uns auflehnen dagegen? Lernen wir von Joseph, der in seinem Gottvcrtraucn nicht wankte, da er zum Sclaven verkauft, da er in's Gefängniß geworfen wurde. Und er ward aus der Grube emporgczogen und wurde der König des Landes." „ „Ihr seid ein frommer, heiliger Mann, Rabbi,"" sprach der Schiffshauptmann, während Thränen, die er mit den gefesselten Händen nicht zu trocknen vermochte, seinen Augen entströmten, „„wie kömmt's, daß Ihr einen so unheiligen Bruder habt, der Euch so gram ist und beinahe verschuldet hätte, daß ich mit Eurer Ermordung meine Seele belastete?"" „Hörst Du, Chajim," redete Rabbi Samson den Bruder an, „die harte Anklage aus dem Munde des Richtjuden? Und wahrlich, Du hast diese schweren Vorwürfe verdient! — Sein Herz hängt am Golde, Hauptmann, und diese schlimme Leidenschaft erstickt manchmal alles Gute in ihm. Er ist mein Bruder, der Sohn meines Vaters und meiner Mutter, deren edles Beispiel ihm wurde wie mir; wie ich wurde er erzogen und belehrt nach den Grundsätzen der Lehre unseres Gottes; allein, schon damals, als er noch ein Kind war, hatte die Habsucht von seinem Herzen Besitz ergriffen. Möchten doch die Leiden, die Gott jetzt über Dich verhängt, Dich bessern, mein Bruder, möchte doch der Verlust Deines Vermögens und Deiner Freiheit Dich erkennen lassen, daß nichtig und vergänglich ist jeder irdische Besitz, daß nur . . . „" „„Hör' auf,"" schrie Chajim erbittert, „„was plagst Du mich mit Deinen Vorwürfen? Bin ich. nicht schon unglücklich genug, daß Du mich noch verhöhnst und mir Strafreden hältst? Und geht es Dir etwa besser als mir? Kann Deine Gelehrsamkeit Dich schützen vor dem harten Sclavenjoche? und wenn es wahr lst, daß Du nicht mit Geistern in Verbindung stehst, kann Deine Thorakenntniß Deine Fesseln lösen? Und wenn einmuhamedanischer Häuptling Dich kaust und Dich zwingt, seine Kleider zu reinigen, seine Zimmer zu kehren, sein Feld mit dem Spaten zu bearbeiten, was nützen Dir da Abaja und Raba, was Raschi und Alphaßi, die Du so lange studirt hast? Wärst Du ein Weber, ein Maurer, ein Zimmermann oder ein Musiker — Du wärst jetzt besser daran, könntest Handwerk und Kunst dazu verwenden. Dein Loos zu erleichtern!"" Rabbi Samson schwieg; was sollte er zu diesem Bruder reden, dessen steinern Herz noch immer nicht erweicht war? Der Seeräuber landete in Mogador an der afrikanischen Küste. Die Gefangenen wurden an's Land gebracht und in Sclavenkleider gehüllt, um demnächst nach Alexandrien auf den Sclavcnmarkt gebracht zu werden; man hatte ihnen die Fesseln abgenommen; sie konnten ohnehin nicht entweichen. Der Tag nach der Landung war ein Sabbat. Rabbi Samson erbat für sich und seinen Bruder die Erlaubniß, die Snnagogc besuchen zu dürfen: es wurde ihm gestattet. Der Stadttheil, in welchem die Juden wohnten, war eng und schmutzig; die Häuser waren klein und ärmlich; das Geschick der Juden von Mogador schien kein glänzendes zu sein. Als die beiden Fremden in die Synagoge kamen, achtete man ihrer kaum; die Juden von Mogador waren daran gewöhnt, fremde Glaubensgenossen in Sclavengewändern zu sehen; die Seeräuber sorgten stets dafür, daß ihnen dieser Anblick kein seltener wurde. Als die Vorlesung aus der Thora beendet war, hielt, vor dem Beginne des Mussaph-Gebetes, der Rabbiner von Mogador einen talm irdischen Vortrag. _ Er sprach über die Opfer und belehrte in Bezug auf sie seine Zuhörer, die aufmerksam seinen Worten lauschten, ihn manchmal mit Einwänden unterbrachen, die oft zu langen Erörterungen führten. Auch Rabbi Samson hörte aufmerksam 31t; manchmal umspielte ein überlegenes Lächeln seinen Mund, manchmal schüttelte er mißbilligend das Haupt; aber er sprach kein Wort. „Meine Zuhörer und^Schüler," sagte zum Schlüsse der Rabbiner, „ich bitte Euch jetzt, recht genau Acht zu geben, da ich Euch eine Frage vorlegen werde, deren Beantwortung mir noch nicht gelungen, so oft ich auch schon mich darum bemüht habe. Hört zu; im Tractat Kidduschin, im zweiten Abschnitte führt die Gemara die vierte Mischnah aus dem siebenten Abschnitte vonSchekalim an, die also lautet: ein Stück Vieh, das in der Umgegend von Jerusalem bis nach Migdal-Eder und in i derselben Entfernung nach jeder Seite hin (herrenlos umherlausend) gefunden wird, muß zum Opfer darge-

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