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Der Israelit · 1872-07-31 · Heft 31 (31.7.1872) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 31 (31.7.1872)
Date
1872-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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666 X "V. sc^wSrung von Tumulten und Scandalen die Kroß- Mchte, welche über uns zu Gericht sitzen, zu erbittern und ihnen den Beweis zu kiefern, daß nur energisches Einschreiten und kathegorische Maßregeln im Stande sind, die Umtriebe der Demagogen zu paralysiren. — Ein achtbarer Kaufmann jüdischer Confession, Herr David Algasi, Strada Spaniola wohnhaft, hatte ein 12jährigcs christliches Mädchen in seinem Dienste; vor drei Tagen sing dasselbe plötzlich über Unwohlsein zu klagen an, und die herbeigerufene Mutter nahm das Mädchen nach Hause, unter dem Vorwände, daß sie es dort bester Pflegen könne. — Nach einer Stunde wird das Kind von seiner Mutter wieder in's Haus des Herrn Algasi zurückgebracht; es befindet sich in den schrecklichsten Convulsionen, und Plötzlich heißt es, die Juden hätten es versucht dem Kinde Blut zu nehmen; dieses Gerücht, welches' absichtlich ausgesprengt wurde, lockt alsbald eine zahlreiche Volksmenge an, fast dreihundert Menschen belagern drohend ^das Haus des Herrn Algasi. Der herbeigeholte Arzt constatirt, daß dem Kinde wahrscheinlich ein Gift, muthmaßlich Nux romica eingegeben worden; auf beiden Füßen findet er kleine Wunden, hervorgebracht durch schief in die Haut practicirte Nadelstiche; der eine Fuß war blutig, während bei dem andern sich unter der Epidermis schwarzangelaufenes Blut angesammelt hatte. Die Polizei treibt die Menge auseinander, und nimmt über die Affaire Protocoll auf. Das Mädchen erklärt, daß es seine Eltern unterwiesen haben zu sagen, daß ihr die Juden haben Blut aus den Füßen nehmen wollen. Glücklicherweise hat die Sache keine weiteren Folgen gchabt. Merkwürdig ist aber dabei, daß die Eltern des Kindes sowohl als auch das Mädchen selbst nicht gerichtlich eingezogen sind, und daß man keine Anstalten gettoffen hat, der Sache auf den Grund zu kommen." (Rum. Post.) Amerika. Milwaukee, 3. Juni. Gestern hatten wir eine cigenthümliche Feierlichkeit in einer neuen isr. orthodoxen freien Gemeinte unter dem Namen Ansche Emet. Ich nenne sie darum freie Gemeinde, weil die Mitglieder keine Beitrage zu leisten haben. Durch einige Leute, welche nach dem Brande von Chigago hierhergekommen sind, wurde diese Gemeinde gestiftet, wo der alte polnische Ritus mit einjährigem Ciclus beobachtet wird. Die Gemeinde besteht jetzt schon aus 20 Mitgliedern. Wer nach alter Sitte einem Gottesdienste beiwohnen will, kann zu uns komureu. Der Chasan, der eigentliche Stifter der Gemeinde fungirt unentgeltlich, ebenso der Bal Kore und Prediger. Auch eine Religionsfchnle ist damit verbunden, wo alle Schüler ebenfalls unentgeltlich täglich unterrichtet werden. - Die gestrige Feierlichkeit bestand nun darin, daß wir eine neite Sefer Thora, die Hr. Bloch von aus Europa für uns mitgebracht hatte, eingeweihr haben. (Heb. Lead.) Asien. Teheran, 1. Juli. Ein Berichterstatter des türkischen Missionsvereins in London schreibt, daß in Teheran allein 106,000 Menschen durch Hunger umgekormnen sind. Die Anzahl aller in Folge der Hungersnoth umgekommenen Menschen beträgt '3,000,000. Feuilleton. Der Fürst von Coucy. IV. Ein Schrei des Entzückens tönte aus jeder Brust, als die hartgcprüften Männer die Worte des Schiffs- .hauptmanns vernahmen. Die eben noch so wild Aufbrausenden warfen sich zur Erde nieder, um Gott für die Anssicht auf Rettung zu danken. Daun baten sie Rabbi Samson um Verzeihung; ein Jeder von ihnen war fest überzeugt, daß sie nur seiner Fürbitte zum zweiten Male die Rettung vom sichern Tode verdankten. Der Schiffshauptmann befahl, die Nothsignale zu geben; doch schien die Gallone schon von der Bemannung des fremden Schiffes bemerkt worden zu sein; denn dieses näherte sich ungemein schnell. Ach, vom Tode waren die Unglücklichen errettet! Allein, sie sollten ihrer Freiheit und ihrer Habe beraubt werden. Es war ein afrikanischer Seeräuber, der sich der Gallone bemächtigte. Nachdem man die Halbverhungerten auf das fremde Schiff gebracht und sie mit Speise und Trank erquickt hatte, wurden sie gebunden und in den untern Schiffsraum geworfen. Sie sollten nach Afrika gebracht und dort als Sclaven verkauft werden. Da lagen sie nun nebeneinander, Rabbi Samson, Ehajim, der Schiffshauptmann, die Ruderknechte und die Passagiere der Gallone; ihre Hände waren gefesselt. „Wehe!" rief Ehajim, „meine ganze Habe und die meiner Freunde ist dahin! Ich selbst soll als leibeigener Knecht ein elendes Dasein führen! Und wem habe ich's zu verdanken 2 Nur Dir, Du schlimmer Bruder, der Du uns Alle verflucht hast, auf daß wir niemals in Eugellaud landen!" Der Schiffshauptmann knirschte mit den' Zähnen.

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