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Der Israelit · 1872-07-31 · Heft 31 (31.7.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 31 (31.7.1872)
Date
1872-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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665 bringe*. Wir tönnen freilich nicht erwarten, bafc sich die große Mehcheit im Handumdrehen ändern wird, um so weniger, da die Unkenntniß der jüdischen Religion dort säst allgemein ist; aber das hoffen wir, daß man nicht mehr auf Treu und Glauben Alles hinnimmt und Alles gut heißt, was die Hübsch und Consorten bttten, denn, wenn diese auch ihren Mitbrüder» das Judentvi.m, die Gesetze und Vorschriften abnehmen, die — Verantwortung nehmen Sie ihnen nicht ab; Rechenschaft hat sich Jeder selbst, hat Jeder vor Gott u«d seinem Gewissen abzulegen. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin» Religiöser Fanatismus hätte, wie die „Stsb. Z." mittheilt, in unfern Mauern beinahe ein gräßliches Verbrechen ausgeführt, wäre dasselbe nicht beizeiten ausgedeckt worden. Sämmtliche acht Mitglieder einer in der Spandauerftraße wohnenden jüdischen Familie erkrankten vergangenen Sonntag nach der Mittagsmahlzcit unter eigenthümlichen gleichartigen Symptomen. Die herbeigerufenen Aerzte erkannten Vergiftung, und es wurde behufs größerer Gewißheit Hr. Professor Sonnenschein gerufen, der die Reste des Essens als mit Phosphor versetzt befand. . Das Dienstmädchen wurde ins Verhör genommen und gestand, daß es eine Partie Streichhölzer ihres Phosphors entkleidet und denselben dem Essen beigemischt habe, weil es die Juden hasse und vernichtet sehen möchte. Einen ebenso mißlungenen Versuch will es bereits früher in einer andern jüdischen Familie gemacht haben. Die Verhaftung ist erfolgt. Hamburg. In der Bartelstraße in St. Pauli, bei der Familie Levien, hielt sich der Schwiegersohn des Hauses . Herr C. Behrens, seit 18 Monaten auf. Er war seit dieser Zeit erkrankt und trotz aller angewandten ärztlichen Mittel und trotz des Gebrauchs von Bädern blieb er völlig gelähmt, so daß er sich nur mit Hilfe eines Wärters von einem Orte zum andern bewegen konnte. Am vorigen Dienstag-Nachmittag brachte der Wärter ihn auf den Balkon, setzte ihn dort nieder und ging dann in's Hans zurück, um dort einige Geschäfte zu verrichten; später wurde er ausgeschickt, um einige Kleinigkeiten einzukaufen. Während der Zeit entlud sich ein heftiges Gewitter und der Kranke mutzte auf dem Balkon bleiben, da der Wärter nicht anwesend war, während die Hausgenossen glaubten, daß Hen Behrens sich in der Krankenstube befände. Um Hilfe herbeizurufen, maßte der Kranke die eiserne Balustrade am Balkon und versuchte sich zu erheben. Plötzlich blitzte es stark und besinnungslos stürzte er nieder. Später ward er ohnmächtig gefunden und zu Bett gebracht. Längere Zeit verblieb er in der Betäubung. Als seine Geisteskräfte völlig zurückgekehrt, sprang er plötzlich mit einem Freudenschrei in die Höhe, denn er merkte, daß seine Lähmung durch den electrischen Schlag, von dem er getroffen, völlig vertrieben war. Nicht wenig überrascht war der Arzt Dr. Hagenow, als am andern Morgen sein Patient ihn gesund und munter besuchte. So unglaublich dieser Bericht klingt, w können wir ihn doch aus bester Quelle verbürgen. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Franz Langer aus Kaaden, Bildhauer, geboren zu Weipert, schnitzte aus Lindenholz den Tempel, Salomon's nach -den Aufzeichnungen des Geschichtsschreibers Josephus Flavius. Dreißig Jahre arbeitete er ununterbrochen an diesem mühsamen „Kunstwerke", bis er 1850 im 72. Lebensjahre starb. Er hinterließ das unvollendete Werk seinem Sohne, der gleichfalls daran arbeitete und 1858 mit Tode abging. Die zwei Kaa» dener Bürger Philipp Hickmann und Franz Langhammer übernahmen das „Kunstwerk," arbeiteten daran theils selbst, theils ließen sie von Anderen nach den hinterlissenen Schriften und dem Plane Langcr's fortarbeiten, was abermals einen Zeitraum von zwei Jahren erforderte. Nun endlich steht dieses „Kunstwerk" fertig da und braucht zur Unterbringung einen Raum von 225 Quadratfchuh. Die jetzigen Besitzer fragten bei dem General-Director der Wiener Weltausstellung an, ob sie dieses Kunstwerk ausstellen könnten, und dieser Tage langte ein Schreiben an, in welchem den Besitzern die Mittheilung gemacht wurde, daß ihnen ein Platz eingeräumt werden wird. So wird denn die Arbeit jahrelangen Fleißes in 23 Kisten verpackt, die Wanderung nach Wien zur Ausstellung antreten. Wien. Der „Tschech" des Cardinals Schwarzenberg fordert die böhmischen Gemeindevertretungen auf, die Niederlassung von Juden möglichst zu verhindern, da dieselben nicht nur der christlichen Religion, sondern auch der nationalen Sache feindselig gesinnt seien. Die polnisch-clerikale Partei in Krakau hat die Berificationscommission bestimmt, die Wahl von zwölf Israeliten in den Gemeinderach für ungiltig zu erklären Rumänien. Bukarest. „Wieder regt sich die tausendköpstge Hydra der fanatischen Perfolgungssucht, wieder haben Schurkerei und nachtscheues landesoerrätherisches Gesindel die Hebel in Bewegung gesetzt, um durch Herausbe-

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