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Der Israelit · 1872-07-31 · Heft 31 (31.7.1872) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 31 (31.7.1872)
Date
1872-07-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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664 ehrlich auf folaende Frage Antwort geben würden: Sprechen Eure Prediger je davon, daß man den Sabbat heuig halten soll, keine Arbeit an ihm verrichtet noch verrichten laßt, kurz, daß man an ihm ruhen soll als Zeichen, daß Gott Himmel und Erde geschaffen in sechs Tagend Ermahnen sie, wie es ihre Pflicht ist, Diejenigen, welche den Sabbat nicht haltend Wie Jeder weiß, ist dieses Gebot kein solches, das nur „naturgemäß im Decalog enthalten oder angedeutet ist," sondern ist selbst eines der „Zehn Gebote" urd zwar dasjenige, dessen Uebertretung nicht nur einer Uebertretung aller Gesetze gleichkommt, sondern eine Läugnung Gottes involvirt. Wir sind im Voraus so ziemlich der Antwort gewiß, denn, wenn man selbst den Sabbat nicht heilig hält, so kann man doch ehrlicherweise nicht Andern empfehlen ihn zu beobachten. Und wie werden sie erst für O’ünw sorgen, wenn die „Halacha keine religiöse Bedeutung" hat! Und doch kann nur aus der Halachah, welche das in der mm nur kurz ausgesprochene Verbot *6 nsnt: erst erläutert und begründet was nrnv ist, oder nicht, sestgestellt werden, wann das Geschlachtete für uns brauchbar ist oder nicht. Sicherlich, das wird und muß jeder Jude zugestehen, gehört der Unterschied zwischen ->eo und ns^D zum jüdischen Leben, und so zwar, daß ein Judenthum ohye die Beobachtung dieses Gebotes nicht existirt. So viel vom jüdisch-practischen Leben. Was die jüdische Sitte anbelangt, so wollen wir den Americanern bloß das zu erwägen geben, was wohl ein europäischer Jude, der jüd. Leben und jüdische Sitte „liebt" und „hochschätzt", der es „aller Welt gegenüber mit Begeisterung verkündet," von dem jüdischen Eheleben in America denkt, weil eine Ehe, ohne zwei nach jüdischem Rechte vollständig unbescholtene Zeugen, d. h., solchen, die ein jüditchcs Leben nach jüdischer Sitte leben, geschlossen völlig «Ngilttg ist. Ich will ganz und gar von den hübschen Geschichten schweigen, die von Zeit zu Zeit dort Vorkommen.-) Ist es aberdenkbar, daß wir aus purem Starrsinn, aus „Egoismus" und „Selbftvergötterung" einen großen Theil unserer Mitbrüder und Glaubensgenossen so zu sagen aus der Gemeinschaft Israels ausschließen, weil diese Behauptung den Reformapofteln so geläufig ist, oder geschieht es vielleicht nicht deßhalb, weil wir die Reinheit, Erhabenheit und Heiligkeit des jüdischen Glaubens, der jüdischen Religion schützen müssen, daß sie nicht vernichtet, nicht vergessen werde d Welchen Nutzen hatten wir davon, daß wir gegen die Reformbeftrebungen ankämpfen, dem sogenannten Zeitgeist keine Herrschaft über die Satzungen unserer Religion einräumen, wenn wir nicht fest überzeugt wären, daß es sonst in kurzer Zeit keine Juden mehr geben würde d Denn Prachttempel, Wohlthätigkeitsanftalten sind nicht speci- *) S. übrigens in der Beil. Art. Salt Lake City. Red. fisch-jüdische Institutionen, darin ausschließlich besteht nicht das Judenchum, wer daher darin das Judenchum erblickt, der wird bald finden, daß kein Unterschied zwischen Juden, Christen, Muhamedanern und Heide» ist. Ja selbst in der Anerkennung der Einheit Gottes besteht nicht allein das Judenthum, auch ohne Jude z» sein, kann man an einen Gott glauben, sondern nur chenn diese Idee, wie wir schon früher gesagt, zur That wird, unser ganzes Leben durchweht und vergeistigt, wie es durch die Gotteslehre geschieht. Wir Cämpfcn aber auch deßhalb, und scheinbar einen ungleichen Kamps gegen die Reform im Judenthume, weil die Erfahrung von Jahrtausenden aus unserer Seite ist, wo ähnliche Umsturzideen das Judenchum zu vernichten drohten, wo es um die Beobachtung der Gotteslehre fast trostloser aussah, als heute, und dennoch nichts, weder Zeitgeist noch Mcnschenwahn die uralte Eiche zu entwurzeln vermochte. Und das gibt uns Kraft, Muth, Hoffnung und Zuversicht, daß das Judenchum durch keines Menschen Hand, durch keines Menschen Pläne je geändert werden wird. Das Judenthnm besteht nur in der vorgeschricbenen Form, innerhalb der Schranken, die ihm Gott gesetzt. Darum, wer sich als Jude fühlt, wer es für eine Ehre und für einen Ruhm hält, Bekenner des Judenthums zu sein, der darf keine Bedingungen machen wollen; entweder er ist Jude, und dann hat er alle Consequenzen zu übernehmen, oder er thut das nicht, ist dann aber auch kein Jude. Coucessionen macht das Judentbum nicht, es will den ganzen Menschen und nicht Modehelden, die henke diesen, morgen jenen Rock anziehen, heute so und morgen wieder anders verbrämt und verputzt. Für die jüdische Religion, von einem Geiste des Ernstes und der Heiligkeit durchweht, paßt nur ein schlichtes, einfaches Gewand, sie will nach dem inneren Werthe bemessen sein. Und schlimm, sehr schlimm müßte es um die jüdische Religion, um die jüdische Gottesidee bestellt sein, wenn sie erst der Zierrathe, der Farben und Töne bedürfte, um zur Geltung zu kommen. Nur der Unwiffende wird darin den Werth erblicken, weil er die einfache Hoheit nicht begreifen kann. ES ist daher ein Armuthszeugniß, das die Reformjünger sich und dem Publikum ausstellen, wenn sie vermeinen, die rechte Weihe bekomme der Gottesdienst erst durch Pracht und Glanz, durch Farbe und Ton, wahrend es höchstens eine Sinnenwirkung und Sinncntäuschung ist, und nicht aus reinem Triebe, nicht aus vollem Herzen das Gebet sich den Lippen entringt. Wer beten, zu Gott sprechen will, der braucht nicht Choral und Musik zu Vermittlern, der will zwischen Gott und seinem Herzen kein Drittes, Fremartiges mbb nsn» 'n Und Gott sieht nach dem Herzen. Mögen diese Worte, die aus dem Herzen kommen, wenn auch manchmal etwas scharf, ihren Zweck nicht verfehlen, und die Juden A.nerica's zum Nachdenken

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