Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1872)
- Date
- 1872-07-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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654 Oberherrschaft über Deine irdischen Begierden überlassen, damit dasselbe Siegerin bleibe im Kampfe mit dem Körper. Dem natürlichen Impulse der Seele folgend, wirst Du alsdann nur in der Annäherung an Gott und in dem Leben imb Streben für Gott die Erfüllung Deiner Bestimmung erkennen und suchen, und Dein ganzes Sein wird von der reinsten Liebe zu Gott getragen sein. Zeitungsnachrichten und Correfporidenzen. Deutschland. Mainz, im Juli. Dem hiesigen praktischen Arzte Herrn Dr. Leb recht ist von Sr. Majestät dem Könige von Bayern das Verdienstkreuz von 1870/71 verliehen worden. Magdeburg. Die am 10. d. Mts. im Alter von 82 Jahren verstorbene Wittwe Elbthal hat der hies. Gemeinde 8000 Thlr. zu einer Elbthal'schen Stiftung für jüdische Kranke und Blu.de — die Verstorbene war in den letzten Jahren erblindet —, und außerdem kleinere Summen zu wohlthätigen Zwecken testamentarisch vermacht. (Jsr. Wochenschrift.) Lüneburg, 17. Juli. Heute fand hier die Vermählung des Frl. Jcnui Michaels von hier mit Herrn Abraham Isar aus Berlin statt. Wenn wir über dieses Ereigniß berichten, so geschieht cs deßhalb, weil bei dieser Feier fast die ganze Stadt sich bemühte, ihre freudige Theilnahme zu bekunden. Man hatte zum Vorabend ein Festspiel veranstaltet, an welchem die Söhne und Töchter der vornehmstelt christl. Familien sich betheiligten. Wenn man bedenkt, daß der sel. Vater der Braut seiner Zeit fünf Jahre laug petitioniren mußte, um das Niederlassungsrecht zu erlangen, weil ein altes Gesetz vorschrieb, daß nicht mehr als 5 jüdi'che Familien in Lüneburg wohnen dürften, so kann man in Bezug auf diesen Umschwung der Verhältnisse mit vollem Rechte sagen rwc -p-o, „gelobt sei Der, welcher die Zeiten verändert!" Kirltennordheirn. Je schmerzlicher wir es empfinden, wie unsere Zeit unsere heilige Religion und deren Satzungen vernachlässigt, um so anerkennenSwcrther ist das Verdienst eines Mannes, der selbst in einer Gegend, wo man durch das unselige Verfahren eines Heß gegen alles religiöse Interesse abgestumpft und gleichgiltig ist, eine rühmliche Ausnahme macht. In unserer noch jungen Gemeinde von 4 Familien hat Herr M. Grünstein eine n"D schreiben lassen, die mp 's eingeweiht wurde, nicht durch frivole Lustbarkeit, sondern durch erneu gottgefälligen orthodoxen Gottesdienst. Nachdem derselbe geendigt war, gab der Stifter den sämmtlichen Anwesenden ein solennes Frühstück. Bei solchen seltenen Erscheinungen in hiesiger Gegend kann man sich des Spruches nicht enthalten: noch ist Israel nicht verwaist, noch ist das jüdische Herz nicht erloschen, und so wird sein Auge auch wieder klar sehen, seine Fehler erkennen und zurückkehren zu seiner Pflicht. Das walte Gott! vex. Hamburg, 16. Juli. Eine erhebende Feier wurde am Sonntag in den Räumen des Paulinenstifts begangen. L>eit dem Jahre 1857 ist die israel. Mädchenschule von 1798 mit dem Paulinenstift in der Art vereinigt, daß die Waisen des Stiftes in der Schule unterrichtet wurden, wohingegen man für die Schule Localitäten im Stiftgebäude einrichtete. Die Zahl der Schülerinnen wuchs jedoch mit jedem Jahre. so daß schließlich das Local sich als zu beschränkt erwies, weshalb der Vorstand des Paulinenstifts im Garten ein drei Etagen hohes Schulgebäude errichten ließ, welches vorgestern eingeweiht ward. Zu der Feier waren außer zahlreichen Gästen auch der Vorstand der deutsch-israel. Gemeinde erschienen. In dern alten Gebäude hielt Hr. Adolph Henrichsen, Präses des Schulvorstandes, eine längere Anrede, in welcher er einen Rückblick auf die Geschichte W Schule warf und mit dem Wunsche schloß, daß die Anstalt immer mehr und mehr gedeihe, und. wie seit 74 Jahren, segensreiche Früchte trage. Dann begaben sich die Anwesenden aus dem alten Hause in das neue Schulgebäude, in welchem Dr. John Israel, Präses des Paulinenstifts, den Neubau dem Schulvorstand übergab und in einer Rede darauf hinwies, daß -du. inniges Band die beiden Anstalten verbinde, weil von beiden Seiten dahin gestrebt werbe, Vortreffliches zu erreichen und den Ansprüchen der Neuzeit Entsprechendes zu leisten. Mit herzlichen Worten erwiderte die Oberlehrerin Fräulein Magnus die Rede des Dr. Israel, dankte für das bisher ihr geschenkte Vertrauen rmd bat ihre Colleginnen, sowie auch die Schülerinnen um Beistand zur Lösung der großen Ausgabe, welche das Institut zu erfüllen habe. Schließlich sprach noch Herr Wilhelm Wolfs als Abgeordneter des (^emeindevoistandes und versichert den Anstalten das Wohlwollen des Letzteren, der stets bemüht sei, für Bildung und Fe^cschritt Sorge zu tragen. Hiermit war die Vorfeier beendet. Zu einer frohen Nachfeier vereinigten sich die Kinder im Garten der Anstalt, woselbst Erfrischungen für sie bereit gehalten waren. Für die Mitglieder des Vorstandes und für die Gäste war im Saale des Stiftes ein Diner servirt.