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Der Israelit · 1872-07-24 · Heft 30 (24.7.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 30 (24.7.1872)
Date
1872-07-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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655 Colmar. Der bisherige Oberrabbiner von Colmar, Herr I. Levy, hat seine bisherige Stellung niedergelegt, um eine neue Stelle in Neso'ul anzutreten. Oesterr.- Ungarische Monarchie. Die amtliche „Prager Zeitung" bestätigt/ daß jüngst in Melnik wiederholt Excesse gegen zwei jüd. Kaufleute veranstaltet wurden. Das amtliche Blatt bemerkt: Da cs in erster Linie Pflicht der Gemeindebehörde ist, für die Sicherheit der Person und des Eigenthums genügende Vorsorge zu treffen, so ist wohl die Annahme gerechtfertigt, daß in diesem Falle jener Pflicht nicht gehörig entsprochen wurde, weil sich sonst dieser sträfliche Unfug nicht hätte viermal wiederholen können. Sollte bei erner allfälligen nochmaligen Wiederholung des Ercesses die Gemeindebehörde nicht sofort ihre Pflicht thun. so müßte die k. k. Statthalterei sofort, ohne auf etwaige Ausflüchte Rücksicht zu nehmen, die geeigneten Vorkehrungen zum ausgiebigen Schutze der Person und des Eigenthuins ruhiger Bürger treffen. Bei dieser Gelegenheit sei noch speciell hervorgehoben, daß auch in jenen Gemeinden, in welchen gewiffe Zweige der Lokalpolizei der Staatsbehörde reservirt sind, die Gemeindebehörde verpflichtet ist, bei den Vorkehrungen für den Schutz der Person und des Eigenthums in entsprechender Weise mitzuwirken. Wenn dies minder rasch und minder bereitwillig geschieht, als wenn es gilt, den Behörden Schwierigkeiten zu bereiten oder dem Gesetze zu opponiren, beispielsweise eine Schule ihrem Zwecke zu entziehen, so ist dies eben wieder eines jener charakteristischen Merkmale, welche am besten die von gewisser Seite beobachtete Taktik illustriren. Wenn man Autonomie haben will, darf man nicht bloß Rechte beanspruchen, sondern man muh auch die hieraus erwachsenen Pflichten erfüllen. Wien, 16. Juli. In der heutigen Gemeinderathssitzung stellte Bartl folgenden Antrag: „In Erwägung, daß bei den schlechten Justiz- Verhältnissen in Rumänien und dem geringen Schutz, den die österreichischen Umerthanen seitens der Consuln dort genießen, materielle Verluste der daselbst etablirten Oesterreicher refp. Wiener, an der Tagesordnung sind; ferner in Erwägung der Mißhandlungen der Israeliten, unter denen vielleicht auch Wiener Gemeindeangehörige zu leiden haben, möge sich der Gemeiuderath m einer Petition an das Ministerium dcS Ae..ßern wenden, in welcher um Schaffung eines Schutzes für österreichische Unterthanen in Rumänien ersucht wird." Der Antrag wird an die erste Cection gewiesen. Die Jsraelitengemeinde Eiben schütz ist in zwei große Lager gespalten, welche sich die orthodoxe und die , liberale Partei nennen. An der Spitze der ersteren! steht der Bürgermeister, während die Liberalen vom Rabbiner geleitet werden. Der Streit ist so weit gediehen, daß die letztere Partei beschlossen hat, ein Schisma durchzuführen, und hat dieselbe in der That bei der Statthalterei das Ansuchen gestellt, die Bildung einer neuen Cultusgemeinde zu bewilligen. (Fr-Bl.) Krakau. Der Umstand, daß die zahlreiche isr. Bevölkerung Krakan's bei den Gemcinderathswahlen zwölf jüd. Stadtvertreter durchgebracht hat, veranlaßt den clerical - polnischen „Kraj" zu der Aufforderung an die Polen Galiziens, sich rasch mit den Ruthenen zu verständigen, weil sonst das von den Juden unterstützte Deutschthum den Sieg davontragen würde. Italien. Mailand. Professor G. I. Aseols in Mailand ist zum Ritter „des Ordens des bürgerlichen Verdienstes" ernannt worden. Das ist eine um so größere Auszeichnung, da dieser Orden nicht mehr als 60 Mitglieder haben kann. Mit diesem Orden ist ein Einkommen von 600—1000 Liv. verbunden. (Ed. Isr.) Frankreich. Paris. Bei der letzten Kunstausstellung find zwei Israel. Künstler, die Herren L. Levy und B. U l l m a n n, zu Rittern der Ehrenlegion ernannt worden. (Un. Isr.) Paris. Franz. Blätter berichten, die über Cerfbeer verhängte Todesstrafe sei in Landesverweisung umgewandelt worden. Diese Nachricht ist zum mindesten verfrüht. Mau glaubt aber, daß die preußische Gesandtschaft Schritte zu Gunsten des Verurtheilten gethan hat und seine Freilassung auf Grund des Frankfurter Vertrages und insbesondere der Bestiminung verlangt, nach welcher kein Elsässer oder Lothringer wegen Handlungen, die mit dem Kriege von 1870—71 in Beziehung stehen, zur Verantwortung gezogen werden soll. Paris. Vorgestern fand in Paris am Pere- Lachaise die Beisetzung der Leiche Rafael Felir statt. Cämmtliche Schauspieler und Schauspielerinnen von Porte Saint Martin, die unter seiner Direction gestanden waren, wohnten der Trauerfeier bei, während die übrigen Theater durch einzelne Mitglieder vertreten waren. Nachdem der Rabbiner die letzten Gebete unter einem heftigen Regengüsse gesprochen, sollte der Sarg in die Gruft hiuabgelasseu werden, in der bereits die berühmte Rachel und ihr Vater ruhen. Da zeigte es sich, daß der in London angefert gte Sarg viel zu groß war und trotz aller Mühe nicht sofort in die Gruft geschoben werden konnte. Unter dem Eindrücke dieses unliebsamen Zwischenfalles verließen die Leidtragenden den Friedhof.

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