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Der Israelit · 1872-07-24 · Heft 30 (24.7.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 30 (24.7.1872)
Date
1872-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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651 Feuilleton. Der Fürst von Lonry. m. (Ein furchtbarer Donnerschlag unterbrach den Streit der Brüder. In ihr Gespräch vertieft, hatten sie es nicht bemerkt, daß ein schweres Gewitter heranfgezogen war. Jetzt donnerte und blitzte es in kaum unterbrochener Folge; der Sturm heulte und brauste über das Meer und warf die leichte Gallone hin und her; die Wellen thürmten sich in erschrecklicher Weise und hoben das schwache Fahrzeug bald himmelhoch, um es sogleich wieder iu die Tiefe des Abgrundes zu schleudern. Die Brüder eilten auf's Verdeck. Hier bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick. Die Segel waren zerrissen, der Mast gebrochen und die Ruderer fasten mit schreckensbleichen Gesichtern auf den Ruderbänken, die Hände in den Schoost sinken lassend. „Betet!" rief der Schiffshauptmann den Brüdern zu, betet zu Gott, daß das Unwetter Nachlasse, oder wir sind verloren." Ruhig ftand Rabbi Samson da und blickte wie verklärt in das Gewoge des Meeres. Mit Entsetzen schaute sein Bruder auf rhn. „Du hast uns verflucht," stammelte er, „Dein unbedachtes Wort weiht itns Alle dem Untergang." „„Wer sagt Dir,"" entgegnete Rabbi Samson mit Hoheit, „„datz es unbedacht war? Besser, ich sterbe durch Gottes Hand, als datz Du mich mit Deinen Händen erdrosselst."" Da warf sich Chajim dem Bruder verzweiflungsvoll zu Fristen. „Verzeihemir." rief er, „verzeihe mein böses, fluchwürdiges Wort! O, geh nicht zu hart in's Gericht mit tim! Niemals hätte ich Hand an Dich gelegt! Es war nur eine Drohung, die Dich schrecken sollte! O, bete zu Gott, das; der Sturm sich lege, und wir nicht den Tod in den Wellen finden!" „„Und wenn wir in England landen?"" „Fch w.rde nur Las thun, was Du mir zu thun gestattest! SD, säume nicht, stehe zu Gott! Ja, was liegt Dir daran, zu sterben? Du gehst ein iu's Paradies — "ber ich, der ich noch soeben die Thora verhöhnt habe! Chotosti, ich habe gesündigt!" ilnd er fing laut an zu weinen und schlug mit der Hand auf seine Brust, datz diese erdröhnte. Heftiger braltfte der Sturm, lauter, ertönte der Tontter, greller jutften die Blitze. VHörst Du, wie Hott zürnt?" rief Chajim weinend. „Warum betest Du nicht, hartherziger Bruder? Gott erhört Dich, wenn Du ihn anrufst; chut Er doch Alles, was Du willst." „„Ob Gott thut, was ich will, wie kann ich dawissen? ich aber bemühe mich zu thun, was Gott will, und so will ich auch für Dich und uns Alle Seine Gnade anflehen."" Er ging hmab in die Cajüte und betete inbrünstig, und siehe da — alsobald legte sich der Sturm, die Wolken zertheilten sich, und nur-aus der Ferne noch hörte man den Donner grollen; bald wieder vergoldete die Sonne mit ihren Strahlen die weite Fläche deS Meeres. Mit Staunen und Verwunderung hatten der Schiffshauptmann, die Schiffsknechte und die Passagiere das Alles mit angesehen. Als die Gefahr vorüber war, drängten sie sich um Rabbi Samson, um ihm zu danken und ihrer Bewunderung Ausdruck zu geben. Er aber wies Dank und Bewunderung von sich. „Danket Gott," sagte er, „nicht mir. Ja, wir, die wir da-s Meer befahren, wir haben die Wunder deZ Allmächtigen geschaut. Er sprach, und ein Sturm entstand, und hoch hoben sich des Meeres Wogen. Himmelhoch hoben sie unser schwaches Fahrzeug und warfen es in des Abgrundes Tiefe, während unsere Seele angstvoll zagte. Wir wankten und taumelten wie Berauschte, und alle unsere Weisheit war zu Ende. Da riefen wir zu Gott in unserer Noch, und aus unserer Drangsal befreite Er uns. Er liest schweigen den Sturm und hat beschwichtigt des Meeres Wogen. So wollen wir Ihm danken für die unverdiente Gnade! Gelobt sei der Gott Israels, gepriesen Sein heiliger Name!" Und der Schiffshauptmann, die Schi'fskncchte und die Reisenden warfen sich nieder und riefen mit lautet Stimme: „Gelobt sei der Gott Israels, der Rabbi SamsonS Gebet erhört unb uns aus großer Noth errettet hat!" Das Schiff befand sich in einem schrecklichen Zustande; unverdrossen ging das Schiffsvolk daran, die Schäden wieder auszubesseru; der Mast wurde so gut wie möglich wieder hcrgestellt, die Segel wurden wieder ausgebessert oder durch neue ersetzt. Dem Sturme war eine Windstille gefolgt; die Segel blähten sich nicht, und nur durch den Rudcrichlag. der emsig arbeitenden Ruderkuechte wurde das Schiff fortbewegt. „Werden wir bald die Küste von England erblicken?" fragte Chajim den Schiffshauptntann. „„Die Küste von England?"" entgegnete dieser. „„Wer weist, ob wir die jemals sehen werden. DaS Schiff ist weit hinaus verschlagen in den atlantischen Dcean, und wen» wir bei dieser Windstille unfern CourL

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