Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1872)
- Date
- 1872-07-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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WWWWWWWWWWW tzM Nothwendigkeit, den jüd. Gemeinden ihre Antonomke Wieder zmückzugcben, zur Einsicht gelangt. Wir bringen aus demselben in Folgendem einen Anszng: Ein großes Unglück für das religiöse Judenthum Frankreichs ist, daß dessen Cultns vom Staate bestritten wird. Das erscheint zwar sonderbar, denn von vielen Geistern wurde dieses Verhältnis^ als die letzte Stufe der Emancipation erachtet. Wir sehen jedoch, daß die Unterhaltung des Cultns durch den Staat die Religion selbst d. h. das geistige Band, welches die Gemeinde vereinigen muß, zerstört. In der That ist nichts gefährlicher für eine Religion oder einen CultuS als der Jndifferentismus. Wenn .sich in einer Gemeinde eine Trennung vollzieht, in welcher die Parteien mit einigen Variationen in den Ceremonien Gott anbeten, so beweist dies nur, daß die Geister eifrig dafür sind, das zu lehren und zu unterrichten, was sie für gerecht und wahr halten. Jeder religiöse und philosophische Kampf beweiset Leben; aber der Jlldifferentismus ist der Tod, ia er ist mehr als der Tod, er ist die fortdauernde Krankheit ohne Hoffnung auf Genesung. Das französische Judenthum, vor 1830 so belebt, ist, seit dessen Cultns vom Staate übernommen worden, wie von einer Lähmung geschlagen. Sein Cultns ist mit Rost und Schimmel bedeckt, von Zeit zu Zeit hat man ihn abgekratzt und jedesmal hat man ihrn etwas Wesentliches weggenommen, ohne es zu ersetzen. Die intelligentesten und reichsten Juden haben sich jeder Gemeindepflicht entzogen und ihre Kinder sind im Vcltftändigen Jndifferentismus gegen jede Religion und jeden bibl. Unterricht, ohne welchen es keinen richtigen Unterricht gibt, erzogen worden. Dieser Jndifferentismus hat sich nicht blos auf die Principicn beschränkt, sondern sich auch auf die Menschen ausgedehnt. Er hat aus dem französischen Juden! hnm eine Art Wüste mit all den kleinen Oasen gemacht, wo einige Zwergpalmen vegetiren. Die französischen und jüdischen Notablen wissen kann:, wer der Rabbiner oder Vorsänger der Synagoge ist. sie kommen fast nie in dieselbe, ausgenonllnen, wenn sie sich verheirathen. Weßhalb anders? Die Regierung bezahlt ja. Noch einige Zeit, und die Regierung wird die Rabbinen ernennen. Ob der Rabbiner ein großer Gelehrter, ein großer Charakter, ein guter Redner, ob der Vorsänger eine schöne Stimme, ob der Gottesdienst anziehend und erbauend, ob genügende Gotteshäuser für die betreffenden Bezirke vorhanden, dies Alles ist für der: Indifferenten von geringer oder gar keiner Wichtigkeit; da er nichts zum Cultns beiträgt, betrachtet er sich gar nicht als Gemeindemitglied. So ist es nicht in andern Landern; da tragen alle Israeliten, welches auch ihre religiösen Principien find, zum Cultns bei. In diesen Ländern haben aber auch die Juden sich die Freiheit in der Wahl ihrer Angestellten bewahrt. Da ist kein Consistorium, welches sich mit dieser Affaire abgibt, da wählt die ganze Gemeinde ihren Rabbiner und Vorsänger Und das mit Recht, sie sind es. die zahlen und indem sie ihre Pflichten erfüllen, wollen sie auch von ihren Rechten Gebrauch machen. Haitis. Eine große Commission wurde zu dem Zwecke gebildet, um die durch die großen Brände während der Communenherrschaft verbrannten Civilacle wieder herzustelle»; dieselbe hat ihren Sitz und ihre Bnreaux im Börsenpalaft. Wenn man daselbst die vielen Thüren passirt, so kann inan aus einer derselben die Aufschrift lesen: „Declaration der Juden." Ist das eine pcssende Sprache rechtschaffenen Bürgern gegenüber? so fragen die „Arcy. Jsr." Besan^on. Herr Weil - Picard, dessen Wohlthätigkeit sprüchwörtlich geworden, hat die ursprünglich für die freiwillige Nationalsubscription bestinnnten 50,000 Francs für die Schulen von Besantzon bestimmt. (Arch. Jsr.) England. London. Sir Moses Montefiore ist nach Petersburg abgereist, um dem Kaiser von Rußland im Namen des „Board of Deputies“ zur Feier des zweihundertstel! Geburtstages Peters des Großen zu gratuliren. Derselbe ist von den Herren Br. Loewe und Dr. Daniel begleitet. (Jew. Chr.) London. Wir brachten jüngst die Mittheilung, daß Herr 8. Montague den United-Synagogues eine großartige Bibliothek jüd. Werke zum Geschenke gemacht hat. Wie wir im „Jew. Chr." lesen, geht man mit dem Plane um, ein ttn-m rva zu gründen und diesem diese Bibliothek zur Verfügung zu stellen. Türkei. Aus Konstantin« pel wird der „N. f. Pr/ geschrieben: Die Intoleranz der Griechen ist allgemein zur Genüge bekannt; geradezu scandalös ist ihr Benehmen gegen die hier etablirten spanischen Juden, denn nicht blos in Smyrna, sondern auch in Janina und auf der Marmora-Jnsel fanden ähnliche Scenen statt. Es sah sich daher der israel. Ober - Rabbiner, ein ehrwürdiger Greis, genöthigt, dem ökumenischen Patriarchen in dieser Angelegenheit den wohlverdienten Text zu lesen. Die Regierung hat anderseits die geeigrleten Maßregeln ergriffen, unr ähnlichen Wiederholungen gehörig vorznbeugen.