Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1872)
- Date
- 1872-07-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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649 „Roman»!" meint dazu, »wir und die ganze Welt (1) haben dies vorausgesehen" »nd von offiziöser Seite wird benanntes CommuniquS dahin commentirt, das; die garantirenden Mächte eine Collectivnote im strengsten Tone an die rumänische Regierung in dieser Angelegenheit zu richten beabsichtigen. Wir wollen an dieser löolichen Absicht nicht mäkeln, jedoch von Beabsichtigten bis zum Thun hat es noch seine weiten Wege. Nehmen wir auch den Fall an, daß diese Note so categorisch als nur möglich abgefaßt wird, so ist sie so ipso an die Unrechte Adresse gerichtet. Ich darf Ihnen nicht erst sagen, welche Wirkung eine derartige vapierne Intervention auf die Verstocktheit rumänischer Gemüther hervorbringt, und so kann es füglich ganz gleichgiltig sein, ob eine Note erlassen wird, oder ob das hierauf bezughabende Gerücht in das Reich der Fabel zu verweisen ist. Und so ist denn die Hoffnung der Juden, die sich gleich dem Ertrinkenden an jeden Strohhalm klammern, wieder zu Wasser geworden und die Freude, die unter den Kindern Israels geherrscht, nichts weiter gewesen, als tsut äs briät pour uns vmslstts. Eie können sich nun einen Begriff machen, welche Sprache unsere im höchsten Grade unverschämte Preffe jetzt führt. Alles Mögliche und Unmögliche wird beschimpft, besudelt und in den Koth gezerrt. Herr Peixotto, Generalconsul der Vereinigten Staaten Amerikas, zufälligerweise Jude, ist es diesmal, den unsere liebenswürdige Journalistik sich in erster Linie zum Spotte auserkoren. Hier heißt es ja, sowohl an dem Ausländer, als an dem Juden sein Müthchen zu kühlen, und daraufhin wird Herr Peixotto in einem an Infamie alles Dagewesene übertreffenden Artikel des „Romanul" in der gassenbübischesten Weise angegriffen. Anlaß hierzu gab die in der „New-Hork-Times" veröffentlichte, auf Rumänien bczughabende Correspondenz zwischen Peixotto und dem amerikanischen Staatssecretär Fish. Wohl wahr, es kommen in dieser Correspondenz Stellen vor, die dem Uneingeweihten derb, ja derb bis zum Excesse scheinen müssen; wir jedoch können mit gutem Gewissen bestätigen, daß diese Stellen, seien sie noch so angreifend, nichts weiter als die reine Wahrheit, die Wahrheit in ihrer ganzen Nacktheit enthalten. Wir begreifen wohl, daß eine so offene Sprache den Rumänen als der Spiegel ihrer Brutalttät und Rohheit erscheinen muß, und es ihnen durchaus nicht behagen kann, wenn man das Ausland einen so tiefen Einblick in ihre verlotterten Verhältnisse machen läßt. „Amerika hat alle unsere Sympathien verloren," schreibt „Romanul". Doch wird sich Amerika über diesen Verlust hoffentlich zu trösten wissen. Die Rumänen möchten wohl jetzt das Geschehene ungeschehen machen, greifen in ihrer Unüberlegtheit zum Schimpfe und verrennen sich dabei in eine Sackgasse, aus der sie keinen Ausweg mehr haben. Im Chore schreit unsere Skriblerrotte, warum die Regierung eS duldet, daß ein fremder Agent sich in „rein innere Angelegenheiten" menge, warum sie nicht seine Abberufung verlange und warum sie eS zugebe, daß ein Jude — «nd „welch ein Jude" sagt „Romanul" — eine solche Sprache führe u. s. w. sä infinitum. Doch Herr Peirotto ist es nicht allein, den die edlen Nachkommen Michai's des Tapfern zur Zielscheibe ihrer infamen Angriffe gemacht, auch der griechische Consul wird von ihren Schmähungen nicht verschont. Von diesem scheint es den Rumänen ganz und gar unerklärlich, wie er ^ich denn, er, der Grieche, unterstehen konnte, gemeinsame schritte mit den anderen Consuln zu machen. Ist denn Griechenland eine garantirende Machte frage» sie, als ob nicht jeder Mensch ein Recht hätte, sich über rumänische Willkür abfällig zu äußern, geschweige denn der Vertreter eines fremden Staates. Der unerschöpfliche Quell des rumänischen Schimpftexicons wird auch hier zu Hilfe genommen, ohne zu bedenken, daß man sich damit selbst eine Maulschelle applicirt. Ist doch Herr Coftaforu selbst ein Grieche, der Finanzminister Mavrogheni desgleichen und irre ich nicht, so ist auch unser Ministerpräsident Herr Lascar Catargiu griechischen Ursprungs; viele, ja sehr viele öffentliche hervorragende Aemter sind von Griechen besetzt und wie lange ist es denn her, seitdem die Vortragssprache in den Schulen nicht mehr griechisch ist? Doch Ueberlegung und Vernunft bei uns suchen, dürfen Sie nicht, Sie haben sonst die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Daß Rumänien ohne Hilfe des Auslandes nicht das kleinste Finanzunternehmen zu Wege bringen kann, hat neulich eine Licitation, die im Finanzministerium vor sich gegangen, richtiger gehen sollte, gezeigt. Es hat sich hier nämlich um die Verpachtung eines Theiles der Staatsgüter gehandelt; Juden durften daran nicht theilnehmen, das Ausland wollte, aus Gründen, die ganz gleichgiltig sind, nicht eingreifen, dem stark zusammengeschmolzenen Häuflein reicher Bojaren, welche sich an diesem Geschäfte betheiligen wollten, kam der verlangte Pachtschilling zu theuer, die beanspruchte Vorausbezahlung für ein Jahr zu gewagt vor, schienen die Ernteaussichten nicht gut, und so mußte die Verpachtung verschoben werden. Ein anderer Termin wurde ausgeschrieben und man geht keineswegs irre, wenn man diesem Termine das ähnliche Schicksal wie seinem Vorgänger voraussagt. Und trotz alledem schlägt man Lärm, daß die fremden Unternehmer das Land aussaugen. Armes, dreimal armes Land! (Fr.-Bl.) Frankreich. Paris. Die „Rev. Jsr." bringt unter dem Titel: „Der religiöse Cultus in Paris" aus der Feder des Herrn Alexander Weil einen interessanten Artikel, aus dem hervorgeht, daß man in Frankreich über die