Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1872)
- Date
- 1872-07-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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€48 angemessenen Metier handelt. Der flüchtige und zuweilen auch störrige Charakter derselben ist leicht geneigt, den kaum ergriffenen Berus wieder zu changiren und es dauert immer geraume Zeit, bis sie deutscher Gesittung uäher gebracht werden können. Auch dar Sprachelement verursacht nicht geringe Schwierigkeit. Und wenn es leicht erklärlich ist, daß unter der bedeutenden Zahl der von dem veredelnden Einfluß einer verständigen und liebevollen Erziehung intact gebliebenen armen Jungen sich etwelche als durchaus verkommen präsentiren, so können wir hinwiederum versichern, daß sich der größte Theil als gelehrig und geistig geweckt erprobt hat und daß namentlich ihr Fleiß und ihre religiöse Führung, die wir streng controliren, nichts zu wünschen übrig lassen. Noch mehr, es sind einige sogar io exemplarisch wacker und übertreffen in so hohem Grade die in sie gesetzten Erwartungen, daß wir durch sie selbst von christlichen Meistern mit Anerbietungen zur Ueberweisung ähnlicher Lehrlinge angegangen worden sind und nur bedauern, localer Verhältnisse wegen, nicht darauf einghen zu können. (Das Counts bilden die Herren: r. Schwarz, Rabb.; Nathan Keller; Abraham Baum; Samuel Marx.) Mühlhausen. Die „Franks. Ztg." bringt unter „ Mittheilungen aus dem Publikum " Folgendes: „Ich bitte Sie, von Nachstehendem Notiz zu nehmen: Am 18. Juni d. I. stand vor dem Landgerichte zu Mühlhausen (Elsaß) ein Israelit, Namens Ullmann aus Sierenz. So oft er aufgerufen wurde, that dies der Vorsitzende, Herr Hofstnger, immer unter Beifügung des Prädicates: „Jude," wie denn besagter Richter, wenn er Ruhe gebieten will, dies gewöhnlich mit dem Zusatze zu thun pflegt: „Stille, wir sind in keiner Jude nsch ule!" — In ganz Mühlhausen ist diese eigentümliche Ausdrucksweise des Herrn Richters bekannt. Schweiz. Gens, im Juni. Die hiesige israel. Gemeinde hat eines ihrer vortrefflichsten Mitglieder verloren. Herr Aaron Meyer, vormaliger Bürgermeister von Dürmenach, gewesener Vicepräsident des Consistoriums von Laut-Rlliv, ist im Alter von 66 Jahnen einer langen, schmerzhaften Krankheit erlegen. Hervorgegangen aus einer reichen Familie, wurde A. Meyer auf Wunsch seiner frommen Eltern mit einem armen Kinde, welches sie adoptirt und aus dem sie einen gelehrten Mann bildeten, erzogen. Er trat also in's Leben unter dem Schutze der Liebe und hat keinen Augenblick in seinem Leben diese edle Eigenschaft verleugnet. Er heirathete sehr jung eine Frau seiner Wahl, errichtete in Belfort die erste israel. Communalschule — die zugleich die erste in Frankreich war — und widmete diesem Werke seine Zeit und sein Geld. Nach dem Tode seines Vaters Präsident der Gemeinde in Dürmenach, wo er wohnte, und später Mitglied des Consistoriums, widmete er sich gauz der religiösen Verwaltung, und obgleich entschlossener Anhänger der Orthodoxie, erregte er doch bet seinen Gegnern nur Gefühle der Achtung und Freundschaft, und dieß deßhalb, weil er bei allen Dingen nur den wahren religiösen Geist — den Geist des Friedens, der Vermittlung und der Liebe zu Schau trug. Seine Selbstverleugnung und Uneigennützigkeit, die Rechtlichkeit und Erhabenheit seines Charakters waren die Ursache, daß er zweimal zur Notablenversammlung behufs Ernennung eines grand-rabbin von Frankreich gewählt wurde, und man weiß es, daß er in diesen Versammlungen einen entscheidenden Einfluß ausübte. In Colmar, wo er später wohnte, stand er an der Spitze des Consistoriums (Ober-Rabbiner Klein war Präsident) und obwohl seine Verwaltung durch eine gewaltsame Opposition getrübt ward, wurde er doch von unsern Glaubensgenossen in Haut;-Rhin als einer der tüchtigsten und bewährtesten Männer betrachtet. Als Bürgermeister seines Geburtsortes war er in der Gemeindeverwaltung ein Mann der Pflicht und Hingebung, und in der Verwirrung, welche die Revolution von 1848 herbeiführte, bewies er eine Thätigkeit und Pflichttreue, die über alles Lob erhaben ist. Seit 14 Jahren hatte er sich nach Genf zurückgezogen, wo seine Familie eine hohe Geschäftsstellung einnimmt; daselbst enthielt er sich zwar jeder directen Theilnahme an Gemeindeangelegenheiten; aber umgeben von der Achtung und Zuneigung Aller, war A. Meyer der Führer und Rathgeber dieser jungen Gemeinde, welche an ihm ihren frömmsten und geliebtesten Repräsentanten verliert. (Univ. Jsr.) Oe ft err.-Ungar. Monarchie. Hermannftadt, 11. Juli. Vorige Woche wurden mehrere Juden, welche nach der Romania reisen wollten, an der walachischen Grenze mit dem Bemerken zurückgewiefen, daß ein Ministerin!-Befehl existire, Juden, besonders Rabbiner, Schächter rc. nicht über die Grenze zu lassen. (Sieb. Jsr.) Rumänien. Bukarest, 5. Juli. So wäre denn das — von England wie es hieß — auf's Tapet gebrachte Projekt einer Conferenz zur Regelung der Judensrage in Rumänien, will man einem ministeriellen Dementi Glauben schenken, bereits im Sande verlaufen. Das diesbetreffende Comuniqus im „Monitor ofsiciale" sagt unter Anderem: „Hinsichtlich der Nachrichten betreffend eine Conferenz der Mächte wegen der Lage der Juden in Rumänien, hat die Regierung von ihren Agenten im Auslande die positivsten Versicherungen empfangen, daß die Realisirung einer solchen Eventualität nicht zu Stande kommt." 1