Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1872)
- Date
- 1872-07-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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636 nichts Unrechtes darin finden, wenn ich jenseits des Meeres Pferde ankaufe für die Unterthanen unseres Königs diesseits. Haben wir die Rosse erst über das Wasser gebracht, so wird es nicht schwer halten, sie von Coucy aus nach Paris, Lyon, Marseille, Dijon, Avignon und überallhin zu bringen." „„Nichtsdestoweniger,"" entgegnete Rabbi Samson bedächtig, „„ist das Geschäft ein nicht ungefährliches. Du weißt, wie sehr die Fürsten darauf halten, daß ihre Rosse, deren sie bei ihren vielen Kriegen so sehr bedürfen, im Lande bleiben."" „Ich weiß es und werde mit aller Vorsicht zu Werke gehen. Von London aus werde ich Agenten durch das ganze Land senden. Diese aber sollen nicht in meinem Namen kaufen. Die großen, reichen Barone des Landes, die Herzoge von Süsser, Esser und Northumberland, die Grafen Warwick, Derby uitb Leicester, die Lords von Shaftesbury, Beaufort, Richmond und viele Andere — ein Jeder dieser großen Herren hat seinen Hofjuden, der Alles für ihn besorgt. Mit diesen denke ich in Geschäftsverbindung zu treten. Wenn der Hofjude des Grafen von Jork zum Beispiel Pferde einkauft, so ist es selbstverständlich, daß dieses für seinen Herrn geschieht. Die Pferde werden dann mir abgeliefert, und ich sende sie nach Frankreich. Es ist ein schönes Geschäft, und bringt, wenn's gelingt, bedeutenden Gewinn." „„Ja, wenn's gelingt."" „Du bist kein Geschäftsmann, Bruder, Du btst zu zu klernmüthig, zu ängstlich. Man kann nicht gewinnen ohne zu wagen." „„Ich glaube aber, mein Bruder, Du wagst zu viel; Du setzest an den Gewinn nicht bloß Dein und Deiner Genossen Vermögen, sondern auch das Leben vieler Menschen. Wenn irgend Etwas von Deinem Vorhaben ruchbar wird, so heißt es nicht, Chajim von Couct) will die Pferde dem Lande entführen und dadurch dessen Wehrkraft schwächen, sondern man sagt gleich: „Die Juden wollen das thun, haben das gethan!" Der Haß gegen unser Volk schlummert in den Herzen der Menschen? und es bedarf nur des geringsten Anlasses, ihn zu wecken und zum verderblichen, verzehrenden Feuer anzufachen. Du bringst mit Deinen gefährlichen Geschäften sämmtliche Juden von Engelland in Gefahr!"" „Es wird so schlimm nicht werden, und ich werde es schon an der nöthigen Vorsicht nicht fehlen lassen. Deßhalb lasse Deine Bedenken fallen und theile nur nichts davon unfern englischen Glaubensgenossen mit." „„Ich halte es für meine Pflicht, meine Bedenken meinem Freunde, dem Rabbiner von London, offen darzulegen."" „Das wirst Du nicht thun." „„Das werde ich sicherlich thun."" „Willst Du mir das ganze Geschärt verderbend" „„Ich werde Dir lieber Deine Geschäfte verderben, als dazu beitragen, daß Tausende unserer Brüder in die größte Gefahr gerathen "" * Chajim sprang auf. „O," rief er, „hätte ich mit Dir nichts angefangen, hätte ich Dich daheimgelassen bei den „Eiern, die am Feiertag gelegt werden", „bei dem Gewand, um das zwei Finder sich streiten," oder „bei dem Hund, der ein Stück Aaß verschlingt", und was Deine hochwichtigen^Forschungen mehr sind . . , „bei der Maus, die ein L-tück Chamez wegschleppt" oder „bei dem Viehe, das eine schwere Geburt hat!" Ha, ha, ha, was verstehst Dn vom Geschäfts Gibt es Rücksichten im Geschäft, andere Rücksichten als die Frage: Was wird dabei verdient? Noch gut, daß ich Dir die Wahrheit nicht gesagt habe; ich habe mir nur einen Scherz mit Dw erlaubt; ich denke nicht daran. Pferde einzukaufen." „„Das freut mich. Nichtsdestoweniger werde ich den Rabbiner von London bitten, die Londoner Juden vor diesem gefährlichen Geschäfte zu warnen."" „Trotzdem ich Dir sage, daß ich ein solches gar nicht beabsichtige? Du glaubst mir wohl nicht?" „„Nein, ich glaube Dir nicht"" „Du undankbarer Mansch, Du schlechter Bruder! Ohne mich wärest Du längst verhungert, und nun willst Du mich unglücklich machen, willst mir hindernd entgegentreten!" „„Höre mich, Chajim, ich bin weder undankbar noch schlecht. Aber alle Wohlthaten, die Du mir erwiesen, gestatten mir nicht, cs zuzugeben , daß durch Dich vielleicht Tausende von Familien unglücklich werden! Wenn ich es erleben müßte,» daß, durch Dich und Deine Geschäfte veranlaßt, eine Verfolgung, eine Vertreibung der Juden entstände! Und ich, der das hindern kann, sollte es nicht thun?"" „So wisse, mein und meiner Geschäftsfreunde Vermögen hängt von dem Erfolge dieser Reise ab. Ehe ich zugebe, daß Du das Geschäft störest, würde ich Dich mit diesen meinen Händen erdrosseln." „„Du bist schrecklich, Bruder, und sprichst Worte aus, die ohne die That schon ein schweres Verbrechen sind."" „Du wirst sehen, daß ich den Worten die That werde folgen lassen." „„So wollte ich, daß wir niemals die Küste von Engelland erblicken, nie in Engelland an's Land steigen!"" (Forts, folgt.) Hierzu eine Beilage. 'L<erantWoEche Redaction: vr. Lehmann. Verlag der Le Rour'scken Hofhuchhandlung. I. Gottsleben's Buch- und Stemd'nckerei in Mainz.