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Der Israelit · 1872-07-17 · Heft 29 (17.7.1872) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 29 (17.7.1872)
Date
1872-07-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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634 Laiipheim. Der Confirmation, jenem schmucken Töchterlein, das den überspannten Zeitgeist znm Papa, Vie iDr. Oberkircheubchörde zur Mama hat und dem der größte Theil des würtemb. Rabbinerthums 122!? b22 i-iidrv -n2?2 npdj *?22t in treuer Liebe zugethan ist, hat, wie bekannt, vor 3 Jahren Herr A. Selz von Niederstetten einen so derben Herzstoß versetzt, daß sie seitdem gefährlich krank darnieder liegt, und daß ihr Tod eher als ihre Genesung in sicherer Aussicht steht. Auch dahier ist die Lebensuhr derselben dem Abläufen nahe. Am jüngsten mj/12& haben von 20 Confirmationspflichtigen 14, und zwar sämmtliche Knaben und einige Mädchen — der Confirmation den Rücken gekehrt und von den 6 Mädchen, die sich dazu hergegeben, wäre wohl manches noch gerne weagcblieben, wenn nicht der fürchterliche Gedanke, daß dann auch die Confirmationsgeschenke weableiben, es dazu animirt hätte. Wenn daher auf solche Gleichgiltigkeit der vielen Eltern und Kinder gegen eine so wichtige Handlung unser Herr Rabbiner den Akt heuer bedeutend abgekürzt und die Synagoge nicht wie alljährlich mit schönen, weißftämmigen, maigrünen Birken, sondern blos mit dunkeln Nadelhölzern, die ihre Köpfe trauerweiderlähnlich herunterscnkten, bestellt war, so läßt sich solches gewiß rechtfertigen. Wenn die Herren Rabbinen das Eingehen der Confirmation unangenehm berührt, weil ihnen dadurch eine .22 ornp aus der Hand fällt, verzeihen wir es ihnen gern. Uns aber freut es, daß die mechanische Rcligionsweberei, die alljährlich von;tdud bis mjnrjtp in Gang gesetzt wird, doch aber stets nur ein leichtes, unhaltbares Fabrikat fertigt, fortan zum Stillstand gebracht wird, und wir haben lange genug vor und nach der Confirmation gehört, wie die Herren Rabbinen die religiösen Kenntnisse ihrer Schüler bis in den Himmel hinauf gepriesen, während sich in Wahrheit und beim wahren Licht betrachtet unter denselben recht viele befanden, die kaum hebräisch lesen, kaum „benschen" und nur winzig wenig von Thora übersetzen konnten. Ja es ist wahrlich Zeit, daß die optische Täuschung, das Aufführen solcher Religions-Schauspiele einmal aufhöre. Wir wünschen daher der abreisenden Confirmation ein herzliches Lebewohl auf Nimmerwiedersehen, und die Herren Rabbinen möchten wir bitten die 2 Stunden, i die sie alljährlich von ,^2i.'n bis mya» per Woche dem Confirnlations-Unterrichte zu widmen hatten, dem be-! sondern Unterricht in zum Opfer zu bringen,! auf Laß sie ihr Scherflein beitragen zu dem v» 721! Jn '-vO'v. ***n. ' F e u t l l e t 0 n. Der /ürfl turn Coucy. 11. „Dinah," sprach Rabbi Samson, in das Wohnzimmer tretend, wo sich seine Gattin im Kreise ihrer Kinder befand, „Dinah, mein Weib. soeben war mein Bruder Chajim hier und hat mir diese zwei Goldstücke gebracht. Nimm sie und bestreite davon des Hauses Nothdurft. Gehe aber sparsam damit um, denn Chajim wird auf ein halbes Jahr verreisen und so lange muß die Summe Vorhalten." „„Auf ein halbes Jahr will Dein Bruder verreisen?"" „Ja, er will über's Meer ziehen nach England; er wünscht, daß ich ihn begleite." „„Du hast doch nicht eingewilligt „Muß ich nichts Bin ich nicht abhängig von meinem Bruders Außerdem hat er mir versprochen, mich bei unserer Rückkehr so reichlich zu belohnen, daß wir aller Armuth und Kümmerniß künftig überhoben sein sollen. Eine solche Aussicht ist wohl durch eine kurze Trennung nicht zu theuer erkauft." „„Dennoch wünschte ich, Du bliebest bei uns! Ein halbes Jahr wirst Du fern von uns sein, wirft Dich den Gefahren einer Seereise aussetzen!"" „Der schmale Meercsstreifen, der uns von England trennt, verdient kaum den Namen Meer." „„Allein dieser schmale Meeresstreisen ist oft schwierig und gefährlich zu passiren!"" „Wir stehen überall in Gottes Hand. Auf Seine Güte vertraue ich; Er wird mich glücklich und gesund zu Euch zurückführen." „„Mir ist der Gedanke schrecklich, daß ich allein mit den Kindern Zurückbleiben soll. Unser Jakob wächst heran und bedarf bald des Unterrichtes."" „Ich werde mit meinem Schüler Jizchak reden, daß er ihn unterrichte während meiner Abwesenheit. Unsere Tochter Zaire ist bald ein großes Mädchen; sie wird Dir in der Erziehung der kleinen Kinder hilfreich zur Seite stehen." „„Ach, sie ist selbst noch ein Kind."" „Nicht doch, liebe Mutter, ' rief Zaire lebhaft, „zähle ich doch schon elf Jahre und muß schon am nächsten Versöhnungstage fasten!" Rabbi Samson zog sie an sich und küßte sie. „Du bist nreine große Tochter," sagte er, „und * wirst der Mutter schon helfen. Sei brav und fromm, I und ich werde Dir etwas Schönes von England mit-; bringen. Was wünschest Du Dir?"

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