Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1872)
- Date
- 1872-07-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4S3 dahin gebracht, daß man ihn ausgeschlossen von den Gräbern der Seinen — jetzt wird ihm ein einsames Grab bereitet auf einem noch nicht völlig umzäunten Ackerfelde! Und selbst Solche, die sonst achten auf Gottes Wort, lassen sich durch derlei Reden bethören. „O, höret Gottes Wort/' ruft der Prophet in der Haftara des kommenden Sabbat, „ihr, die ihr achtet auf sein Wort: sie haben gesprochen, eure Brüder, die euch hassen, die euch verstoßen; um meines Namens willen wird ehren der Ewige, und Er wird erscheinen bei eurer Freude, und sie werden beschämt werden." Warum hasset ihr, warum höhnet ihr, warum verstoßet ihr? Hat der Edle hier jemals Jemandem wehe gethan, hat sein edles Herz nicht in Liebe umfaßt alle Menschen, hat er nicht Gutes gethan allen Armen ohne Unterschied, war an seinem Charakter ein Makel, war sein Name nicht hochgeehrt bei Juden und Nichtjuden? Müsset nicht auch ihr sagen, er war ein überzeugungstreuer Mann d Und dieses einsame Grab — er ist nicht darum zu beklagen, er ist darob glücklich zu preisen; es ist ihm ein Denkmal der unbegrenzten Hingebung und Ueberzeungstreue, wie ihm keins in Erz oder Marmor gesetzt werden könnte. So wollen wir denn scheiden von Dir, Du Edler, um den unsere Tbränen so reichlich fließen; Deine irdischen Ueberreste wird bald die Erde decken, während Dein unsterblicher Geist sich aufschwingt zum Throne des Allherrn, r.oar wvj;*v3 Kvr-r oipo Du bleibst immer der Edelstein, der Du gewesen. Wir aber, die Deinen, Deine Gemeinde, Dein Vaterland, Israel, die Welt, wir haben Dich verloren! Und doch lebst auch Du fort in unserer Mitte durch Deine edlen Thaten, durch die Religionsgesellschaft, die Du gegründet, durch die Söhne und Töchter, die in Deinem Sinne und Geiste leben und wirken, durch die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter, die Du lediglich in Rücksicht auf Gott und seine Thora gewählt hast. v:y »in, -von »in wehe, welch ein Frommer, welch ein Demüthiger ist von uns gegangen! Welch ein edler Sohn, welch ein zärtlicher Bruder, welch ein treuliebender Ehegatte, welch ein fürsorglicher Vater, welch ein edler Jude, welch ein guter Bürger, welch ein Mensch im höchsten, erhabensten Sinne des Wortes! Ja, sein Fortgehen läßt eine Lücke, eine schmerzliche Lücke zurück! Darum, meine Freunde, wollen wir, ein Jeder von uns, uns bemühen, diese Lücke auszurüllen! Sein edles Wirken und Streben soll uns zum Vorbilde gereichen, zur Nacheiferung anspornen! Und was soll ichnoch zur Weihe dieser Ruhestätte sagen? „Tie Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht; nach hundert Jahren klingt sein Wort und seine Thal dem Enkel wieder." Kann es eine größere Weihe geben für diesen Ort. als die, daß Barnch Wormser hier wird bestattet werden? Du aber, o Gott, Du mögest verschwinden lassen den Tod für immer und trockenen die Thräne von jeder Wange, mögest schwinden lassen die Sünden von der Erde — dann werden Frevler nicht mehr da sein, und auf Streit und Hader mögest Du Deinen Frieden folgen lassen, Amen! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 9. Juli. Als wir in Nr. 24 der „Jsr. Wochenschrift" die heftigen, durch Nichts gerechtfertigten Ausfälle gegen uns lasen, von denen wir in Nr. 25 des „Israelit" berichteten, nahmen wir uns vor, die „Jsr. Wochenschrift" nicht mehr selbst 31t leien, ersuchten vielmehr, einen unserer Mitarbeiter, das für uns zu thun. In Folge dessen haben wir die Nr. 25 der erwähnten Zeitschrift nicht gelesen. Herr Or. Treuenfels theilt uns nun brieflich mit, daß er in der genannten Nummer die Duellen zu I. D. c. 254 § 1. angeführt habe; es stellt sich demnach unsere Vermuthung „daß, wie es scheint, die Quellen Herrn Rabbiner vr. Tr. unbekannt und unzugänglich seien," als eine irrige heraus, was wir hiemit gern rectificireu, da es uns fern liegt, selbst einem Gegner irgend Unrecht thun zu wollen. Mainz, 11. Juli. Fast sämmtliche politische Zeitungen Deutschlands haben Auszüge aus der als Manuscript gedruckten (!!) Denkschrift des Herrn Professor Dr. G r ä tz gegeben nnd damit die harten und ungerechtfertigten Anklagen desselben gegen unsere armen Brüder und Schwestern in Palästina zur größtmöglichen Oessenttichkeit gebracht. Wir ersuchen daher die geehrten Leser des „Israelit" denjenigen Zeitungen, welche von den Grätz'schcn Erpectorationen Notiz genommen, die nachstehende Berichtigung zngchen zu lassen: „Verehrliche Redaction! Ihre geschätzte Zeitschrift brachte unlängst einen Auszug aus einer von Professor Grätz veröffentlichten Denkschrift, welche harte Anklagen gegen die armen Israeliten Palästina'^ enthält. In Nr. 27 und rB des zu Ma i nz erscheinenden „Israelit" ist jedoch nachgewiesen worden, daß jene Anklagen aur Unkenntniß uui) Entstellung beruhen, was Sie gefälligst im Interesse derjenigen Leser veröffentlichen wollen, die sich für die armen Israeliten Palästinas interejsiren und dieselben mit ihren Gaben bedenken, damit jene Unglücklichen durch die Grätz'fchen Berichte nickt geschädigt werden."