Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1872)
- Date
- 1872-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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631 tut O'VV db^ npiPno, ein Streit, aus Niedern, eigennützigen Beweggründen entsprungen. Wahrlich , der Streit, den der Dahingeschiedene und seine Gesinnungsgenossen geführt haben und führen, er ist ein npi^no, denn es handelt sich darum, die Religion der Väter unverkürzt und unverfälscht uns und unsern Kindern zu erhalten, und ich kann dem geliebten Todtcn keinen besseren Nachruf weihen, wie wenn ich die erhabenenen Grundsätze darlege, die er mit solcher Entschiedenheit vertreten und die ihn im Tode noch in diese einsame Grabstätte geführt haben. I. Es sind drei große Grundsätze, auf denen die Religion Israels beruht, und diese Grundsätze wollte Korach, der ja unsern modernen Religionszerstörern als Vorbild dient, vernichten. Schon ehe Gott sich auf Sinai seinem Volke offenbarte, schickte er die Verkündigung dieser Grundsätze voraus. Dort heißt es: n;n ,-pop na-a c;?n yctp’ naya ,pj?n aya -piN 6*a ’3jn Cibiy1? U’CN’ "ja DJ\ „Siehe ich komme zu dir in dichtem Gewölk sGott kömmt zu Jisraöl, er hat besondere Fürsorge für Jisraöl nnai&*nV|, damit das Volk höre, daß ich mit dir rede fGott redet mit den Propheten, es gibt also eine den Propheten gewordene Offenbarung des Gottes-Geistcsj, und auch an dich (Moscheh) werden sie ewiglich glauben fd. h., daß die Prophetie Moscheh's eine besondere und vor allen ander» hervorragende, von allen vorhergehenden und nachfolgenden Offenbarungen unerreichte und unerreichbare ist). 2. B. M. c. 19. v. 9. Diese Grundsätze wollte Korach nicht allein leugnen, sondern aufheben. Deßhalb kleidete er, wie die Weisen im Midrasch erzählen, seine Anhänger in Gewänder von blauem Purpur (n^an) und führte sie vor Moscheh, fragend: „Müssen diese Gewänder mit Schaufäden versehen werden?" Und als Moscheh bejahend antwortete, da verspotteten ihn Korach und die Seinen und sprachen: „Ein purpurblauer Faden genügt, und diese ganz purpurblauen Gewänder sollten noch eines solchen Fadens bedürfen?" Wenn wir auf die eigentliche Bedeutung des Zizith- Gcbotes eingehen, so werden wir auch den Sinn dieser Erzählung verstehen. Gott hat befohlen, den blauen Zizith-Faden anzuschauen, damit wir aller seiner Gebote gedenken; denn, lehren die Weisen, das Purpurblau ist ähnlich der Farbe des Meeres, das Meerblau aber ist ähnlich der Bläue des Himmels und diese erinnert an den Thron von Gottes Herrlichkeit; so führt uns das Betrachten des Techeleth in unserm Denken bis an den Thron des himmlischen Vaters. Von dorther stammen die Offenbarungen der Propheten; sie sind der Faden, der von Gottes Thron bis zu uns herniedergcht. Aber auch unsere Vernunft stammt von Gottes Thron. — „Da wir im Besitze der Himmclstochter Vernunft (ndan i^aer naa), wozu bedürfen tmr da des prophetischen Leitfadens?" fragt Korach. Sind das nicht dieselben Einwendungen gegen Gottes Gebote, die wir noch heute vernehmen? Und als> man in dieser Stadt Versammlungen hielt und! Beschlüsse faßte, eine neue Synagoge zu bauen, Orgel! und Reform-Gottesdienst einzuführen, da stellte man! sich auf den Standpunkt Korachs, da war es nicht um den Orgclklang und um die deutschen Gebete zu thun, sondern es sollten damit die alten Wege des Judenthums verlassen, die menschliche Vernunft sollte höher gestellt werden als die Offenbarungen, die den Propheten geworden. „Die Himnrel sind mein Thron," ruft Jesaias in der Haftarah des kommenden Sabbat Rosch Chodesch, „die Erde meiner Füße Schemel, welches ist das Haus, das ihr mir bauerv wollt?" Nicht prachtvolle Synagogen verlangt Gott, in denen der Orgel Töne brausen, sondern auf Denjenigen schaut Er, der 'iau dp -nn, der sich scheut, Gottes heiliges Wort zu verletzen. Trügerisch, getrübt durch irdisches Befangensein ist die menschliche Vernunft; selbst große Propheten haben geirrt, da sie der eigenen Einsicht folgten; Samuel irrte, da er den Acltesten der Söhne Jischai's zum Könige salben wollte, bis Gott ihm den David zeigte; der Prophet Nathan irrte, da er David gestattete, das Heiligthum zu bauen und mußte auf Gottes Geheiß die eigenen Worte widerrufen; der Prophet Michajah mußte den Rath zurücknehmen, den er nach eigenem Ermessen dem Könige Achab ertheilt hatte; denn selbst die Propheten sind fehlende, irrende Menschen, wenn sie die eigene Vernunft walten lassen, und nur die Offenbarungen Gottes sind untrüglich. Für die Wahrheit der Prophetie ist der Dahingeschiedene eingetreten mit all der Thatkraft, die er in so reichem Maaße besaß. Wie Moscheh einst die Lewiten, so hat er die Treugebliebenen um sich gesammelt, und deßhalb hat er sich diese einsame Grabstätte bereitet; um den Glauben an die Offenbarung Gottes zu erhalten, hat er cs vorgezogen, fern von den geliebten Eltern zu ruhen. II. Korach, erzählen die Weisen, füllte ein Haus mit onso und fragte: „Muß die Pforte dieses Hauses eine Mesusa tragen?" Hub als Moscheh bejahte, da verhöhnte er ihn und sprach: „Zwei Paraschoth genügen. und die 275 der ganzen Thora sollten nicht genügen!"