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Der Israelit · 1872-07-17 · Heft 29 (17.7.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 29 (17.7.1872)
Date
1872-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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630 aus der Nähe und der Ferne zahlreich herbeigeströmt. Im Trauerhause sprach zuerst Herr Kreisrabbiner Ettling er aus Mannheim (ein Bruder des Altonaer Rabbinen y"j) und dann ein Schwiegersohn des Betrauerten, Herr Dünner aus Cöln (ein Bruder des Seminar-Dnectors zu Amsterdam); auf dem Friedhose wurden zunächst einige Psalmen zur Einweihung desselben recitirt; dann sprach Herr Stistsrabbincr Weil, der stets die rabbinischen Functionen bei der Rcligionsgesellschatt vollzieht. Hierauf sprach der Herausgeber dieser Blätter. Zur Kennzeichnung der Situation lassen wir hier die Rede folgen, wie wir solche später aus dem Gedächtnisse nicdergeschrieben haben; wir glauben, daß sie auch für weitere Kreise Interesse hat, zumal da wir schon häufig dem Vorurtheile begegnet sind, daß die Friedhofsfrage berechtigt sei, eine vollständige Trennung zu Hintertreiben. Wir sagten: Wir haben soeben, meine Freunde, au» beredtem Munde die Frage des Propheten Jesaias wiederholen hören: -op ns p nuyn o ns p ’cn ns p no? und so frage auch ich Dich, Du theurer Dahingeschiedener: „Was hast Du hier und wen Haft Du hier, daß Du hier, daß Du Dir hier Haft bereitet ein Grab?" Nicht ruht hier Dein unvergeßlicher, von Dir so heißgeliebter, von aller Welt einst so hochverehrter Vater, neben dessen Grabstätte Du Dir schon vor Jahren einen Raum gekauft, nur dort Deine sterbliche Hülle zu bergen, nicht ruhet hier die geliebte Mutter, nicht die Freunde und Verwandten, die Dir vorausgegangen zur ewigen Heimath! Eine einsame Grabstätte hast Du Dir erkoren, die noch vor kurzer Zeit ein Ackerfeld gewesen, deren' Umzäunung noch nicht einmal vollendet ist? Höhnend hörte ich die Leute reden: Das ist nicht hon “op, die Grabstätte der Väter, zn der Deine Leiche gebracht wird! Und wahrlich, gerade in der jüdischen Gemeinschaft wird und wurde es so vie lfach ersehnt, bestattet zu werden an der Seite der Eltern und Verwandten. Du aber hast oerzichcet aus die Stätte neben Deinem Vater, die schon lauge Dem Eigenthum geworden war, urn Dir zu bereiten ein einsames Grab! nsp ns “)*? nasn o ns p ’ci ms p r-n? Meine Freunde! Andere haben in beredten Worten, in warmen Gefühlsergüssen all die hohen Vorzüge, all die edlen Tugenden geschildert, die dem thenren Dahingeschiedeuen in so reichern Maaße eigen waren; mir aber gestattet Ihr wohl, mich aut die Beantwortung der Frage zu beschränken, die ich soeben mit den Worten des Propheten an unsern edlen, thenren, tiefbeklagten, für uns leider verlorenen Freund gerichtet; denn ein hoher, erhabener, allgemeiner Grundsatz, der wohl der Erörterung werth ist, muß dabei zur Darlegung gelangen. Der tyeure Dahiugeschiedene hat während feines Lebens durch sein Thun und Wirken, sein Streben, Ringen und Kämpfen bewiesen, daß er seinen Gott geliebt hat mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und "mit allem seinem Vermögen; sein großes, edles Herz war ungetheilt dem Dienste Gottes gewidmet, sein Leben hätte er gern und freudig hingegcben, wenn dieses Opfer wäre von ihm verlangt worden, sein Vermögen betrachtete er erst dann als sein Eigenthum, wenn er den zehnten Theil seines Erwerbs und mehr allwöchentlich vor dem Beginne des Sabbats abgesondert hatte, um diesen Theil im Dienste Gottes und der leideirden Menschheit zu verwenden — daß er aber auch im Tode auf die längsterkorene und erworbene Stätte neben des heißgeliebten Vaters Ruheort verzichtet, um sich hier ein einsames Grab zu erwerben, das ist der Ausfluß eines von dein Heimgegangenen betätigten. erhabenen Grundsatzes, der dieser Stunde eine besondere Weihe, eine große Bedeutung verleihet. Es gibt zwei, in jüdischen Kreisen ostgenannte Worte, von denen das eine einen sehr guten, das andere einen sehr schlimmen Klang hat. Das wohlklingende Wort heiß: diPi#, Friede, das schlimmklingende npHns Zank, Streit, Hader, und doch ist manchrnal das letztere dem erstern vorzuziehen. Den Frieden bezeichnen die Weisen als dasjenige Gefäß, das alles Gute zu ^fassen geeignet ist; aber der Inhalt ist oft kostbarer als das Gefäß, und so kann es manchmal kommen, daß man das Gefäß zerbrechen muß, um den Inhalt zu retten. Und auch das böse Wort npiSno hat oft sein Gutes. So lesen wir in der 17. Mischnah des 5. Abschnittes des Tractats Aboth: r.siD d'dp db6 wn» npiPm ps „Jeder im Namen des Himmels, d. h. in reiner Absicht geführte Streit, wird endlich bestehen." Wir sehen also, daß es einen Streit cdv*? ct’ö» gibt. Warum selbst einem solchen das Bestehen als etwas Gutes in Aussicht gestellt wird, warum es nicht besser wäre, wenn selbst ein solcher Streit seine endliche Lösung finden möchte, ist nicht recht abzusehen; daher erklärt Rabbi Jizchak Arama in seinem Werke „Akedath Jizchak" die Mischnah anders; er lehrt uns, daß der Tannai nicht eine Folge hier in Aussicht stellen, sondern uns ein Kriterium geben will, durch welches wir erkennen, ob ein d'dip nwb npipno geführt wird oder nicht. Daher legt er den Worten O"pnnP n-vv den Sinn unter: „dosseil Endzweck aufs Erhallen gerichtet." Es b-chauptet jeder Streitende, daß auf seiner Seite das Recht sei, daß er o’ozf db6 streite; selbst Korach behauptete dieses, wie wir es am nächsten Sabbat in der Thora lesen werden. So wisset denn: ist der Endzweck des Streites aufs Erhalten gerichtet, dann wird der Streit, wie jener Hillel und Schammai's, am» geführt, — ist er aber, wie der Korachs und seiner Rotte, aufs Zerstören gerichtet, dann ist er

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