Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1872)
- Date
- 1872-07-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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JS 4. (Pädagog Beilage zu Nr. 28 des „Israelit", xrn. Jahrg.) Plätter für Mute und Haus. V Weber Höchter-Schuten und Wädchen- Mnlcrricht. (Fortsetzung.) Wenn aus dem Vorhergehenden es sich nun ergeben hat, daß sowohl vom Utilitätsals auch vom Humanitär - Standpunkte auch dem weiblichen Geschlechts eine weitgehende Bildung zu gewähren ist: so beantwortet sich damit noch nicht die zweite Frage, welche Lehrgegenftände in den Kreis des Mädchenunterrichts zu ziehen seiend-Denn die Forderung der Neuzeit, das weibliche Geschlecht zu einer erhöhten praktischen Thätigkeit heranzuziehen, will keineswegs die Beschränkungen ignoriren, welche Natur und Sitte demselben als Grenzen in seiner Thätigkeit gesetzt haben, deren (Überschreitung .einerseits eine physische Unmöglichkeit, andererseits, wo die Natur nicht ein Hinderniß bietet, eine solche Umwälzung in die menschliche Gesellschaft bringen, deren Folge die Zerstörung derselben sein würde. Es würde keinem, auch dem weitgehendsten Fürsprecher für die sogenannte Emancipation der Frauen einfallen, dieselben als Conducteure, Baumeister, Ingenieure, Strategen und dergl. verwenden zu wollen, es ist vielmehr die mehr nach Innen gerichtete, die, wenn man so sagen könnte, sitzende Thätigkeit, die man ihnen zuweisen will. Dieses nun ins Auge gefaßt, zusammengenommcn mit dem besonderen Frauenberufe, gilt es das Was? und das Wie? der in den Mädchenschulen durchzunehmenden Lehrgegenstände. Da sind nun aber alle Gegenstände, die eine gehobene Schule behandeln muß, auch diejenigen, welche den Lehrinhalt einer Töchterschule ausmachen müssen, mit Ausnahme eines einzigen ZweigeS: des mathematischen Unterichts. Was vom mathematischen Unterrichte nicht bei der Arithmetik genommen werden kann, hat in einer Mädchenschule nichts zu thun. Wir wissen wohl, daß wir mit dieser Ansicht einer gelegentlichen Aeußerung einer bedeutenden Autorität entgegentreten, die sich, wenn auch nicht direct, für den mathematischen Unterricht in der Mädchenschule ausspricht, doch demselben seine Anerkennung nicht versagt. In seinem Urthcil über Mädchenschulen sagt Diesterweg nämlich: „Indem De Lasge'schen Institut zu Wiesbaden lösten die Töchter des Oberbergraths Kramer, wie die Knaben, die geometrischen Aufgaben, und ich habe nachher an ihnen durchaus keinen Abbruch an weiblichen Eigenschaften, wohl aber dagegen erlebt, daß sie in vorzüglichem Grade befähigt waren, in männlich-ernste Gespräche einzugehen, und die Idee einer (männlichen) Knabenerziehung zu! fassen." (Schmidt, Gesch. d. Pädagogik IV, 504.) Auch hat man in neuerer Zeit die Geometrie als Lehrgegenstand in manchen Töchter - Schulen, wie z. B. in der Muster-Schule zu Frankfurt a. Al., eingesührt; doch bedenken wir, wie sehr von den äußerst notwendigen Lehrgegenständen die Zeit in Anspruch genommen wird, so muß man eben im Interesse der Gesundheit und der Bildung Hkost sich nur auf das Notwendigste beschränken und sparen, wo man nur sparen kann. Und selbst Diesterweg will mit der Erfahrung, die er im De Lasge'schen Institut gemacht hat, nur der Ansicht entgegentreten, als ob die Verstandesentwickelung beim weiblichen Geschlechts das Gemüthliche, Zarte, Weibliche, Liebenswürdige entferne, wodurch der ganze Unterricht in lauter Liebenswürdigkeit sich auflöst und der rechten Energie entbehrt. Und gewiß hat Dicsterweg Recht damit, daß die Verstandesenrwickelung das Weibliche nicht beeinträchtige, doch hat der Unterricht andere Mittel als die Geometrie, uni das Urtheil zu schärfen und den Verstand zu bilden; die Lectüre, die Grammatik, der Rechnenunterricht können in dieser Beziehung fruchtbar verwerthet werden. Bei dem Unterricht in den Naturwissenschaften ist vorzüglich der häusliche Beruf des Weibes ins Auge zu fassen: so wird' die Physik nächst den allgemeinen Naturerscheinungen, die Jeder, der nur den geringsten Anspruch auf Bildung macht, kennen unrß, ganz besonders auf die Naturgesetze eingehen, deren Wirkungen wir in den alltäglichen Verhältnissen des Hauses wahrnehmen, die Chemie wird vorwiegend die Nahrungsmittel und die Küche berücksichtigen, die Botanik wird die Pflanzen sich vorwiegend auswählen, mit denen jedes Haus am häufigsten wird Bekanntschaft machen müssen. Daß wir nach dem vorher Erörterten, die Handarbeiten als obligatorischen Gegenstand ansehen, versteht sich von selbst; die Rücksicht auf den einstigen Beruf, wie die Erwägung, daß den Frauen die Möglichkeit der Selbsthilfe geboten werde, fordern dieses mit Entschiedenheit. Aber auch für die Hebung des ästhetischen Sinnes, des Sinnes« für Accuratesse, Reinlichkeit, Sauberkeit, Ordnung bildet der Unterricht in den Handarbeiten einen wichtigen Factor. Es genügt hier, diese Punkte nur andeutungsweise zu berühren, aber Eines ist es, bei dem wir länger verweilen müssen, bei der Frage, die sich uns sogleich aufdrängt, wenn wir den jüdischen Stattpunkt bei den Mädchenschulen in's Auge fassen: Soll den Mädchen ein umfassender hebräischer Unterricht ertheilt werdend (Forts, folgt.)