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Der Israelit · 1872-07-10 · Heft 28 (10.7.1872) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 28 (10.7.1872)
Date
1872-07-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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xm.Jahrgang. Beilage zu Nr. 28 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 3. Juli. Ihr geschätztes Blatt brachte kürzlich einen größeren Aussatz über den Bildungstrieb und die Bildungsfähigkeit des jüdischen Volkes, in welchcin die ungerechten Anklagen des jüdischen Schriftstellers Bernstein gehörig zurückgewiesen wurden. e>ch bin nun im Stande, Ihnen heute eine Notiz zu übrrmachen, welche — die Wahrheit des Sprichworts: „Wahlen sprechen" bestätigend — beweist, daß wenigstens tce Bitdungstrieb des jüdischen Volkes (und wer vermag dann die Bildungssähigkeit zu bestreiten?) auf einer liehen Stufe steht. So besuchen, nach der Frankfurter Zeitung in Preußen von 10,000 Einwohnern: G y mnasien: 104 Inden, — 31 Protestanten, - 21 Katholiken. Sonst höhere Schulen: 315 Juden, — 53 Protestanten, — 28 Katholiken. Realschulen: 121 Inden, — 22 Protestanten, < Katholiken. Das Bildnngsbedürsniß der Christen beträgt also % rOP. %2 von dem der Inden. 'Br. Mainz, 7. Juli. Mittwoch, den 3. Juli wurde ■Vw Baruch Wormser von Earlsruhe ans diese»! Leben abberufen. Die Bestattung, bei der der Herausgeber dieser Blätter anwesend war, fand Donner- ,ra0 1 Juli ans dein von der isr. (orthodoxen) Rel'.g'a'nsgesellschaft ueuerworbcnen Friedhofe statt. Wir werden in nächster Nummer ausführlich darüber berichten. Fürth. Vor einigen Wochen wurde hier ein "0>et" gegeben, ein zwiefach „neue" Erscheinung. Erstens hat rnan von Alters her ans religiösen Pedenten in hiesiger Stadt nie einen solchen Akt vor- ^iioimnen, und zweitens snngirten dabei als v'a"i d^r hiesige Herr Rabbiner 1)r. Löwi rmd sein Sub- Herr Or. Lkenberger, ein Zögling des „Breslauer ^euiinars^. Daß der „Dritte im Bunde" ein f'Ueine o rthodore Autorität nach dem Sinne u's Schulchan Arnch E. H. §. 154 Ans. vatt -aio sein w»nte, wird wohl von Niemandem erwartet werden. würdig eines solchen t'i N'2, wurde auch der belannle Sofer ans Roth zum Schreiben genommen, der M noch nicht langer Zeit in diesen Blättern durch seine gerichtliche Bestrafung als „falscher Denunziant" charaktcrisirt wurde. Der «er-aa ist ein gewißer Jakob Rothschild ans W i l h e l m sd o r s und die njpnj eine geborene Lipp aus Bamberg. Auch wurden von demselben Rabbinat seit Kurzem einige vorgenommen, was wir allen „Orthodoxen" zur „Darnachachtnng" empfehlen. WieSloch, 3. Juli. Heute wird mir die traurige Pflicht, von dem Dahinscheiden eines Mannes zu berichten, der eine Zierde seiner Gemeinden sowohl als der ganzen Jndcnheit, ein wackerer Charakter in jeder Beziehung war. Herr Moses Elieser Liberles, Bezirksrabbiner in Brette», ist nicht mehr unter den Lebenden. Nach mehr als 2 Jahre langem Leiden hauchte derselbe am Sonntag 1. Juli früh 7 Uhr seine Seele in einem Alter von 45 Jahren, ans. Nachdem mir die so betrübende Nachricht wurde, eilte ich als Schüler des Verblichenen nach Bretten, um meinem theuern Lehrer die letzte Ehre zu erweisen. Das Leichenbegängniß fand gestern Vormittag 10 Uhr statt, an welchen! sich die Gcmeindeglicder des Bezirks sehr zahlreich betheiligten: es fehlten aber auch nicht das Amtspersonal, die Gemeindebehörden, die Geistlichen, die Lehrer und noch verschiedene Bürger der Amtsstadt. Herr Bezirksrabbiner Schleßinger ans Bruchsal wußte in sehr beredeter Weise das Leben des Dahingeschiedenen zu schildern und ganz besonders wies er daraus hin, daß der Heimgegangene nur dann im Andenken seiner Bezirksangehöngen bleibt, wenn sie sich der leider zu früh verwittweten Iran und ihrer noch kleinen, hilflosen und unmündigen 5 Kinder annehmen, mit allen Kräften unterstützen und so das verwaiste Leben der Hinterbliebenen angenehm machen. Ans dem Friedhose in Flehingen (es war des Verstorbenen Wunsch, dort beerdigt zu werden) angelangt , sprach Rabbiner Schleßinger nochmals, woraus ein Verwandter des Verstorbenen, Herr Stistsrabbiner W e i l ans K a r l s r u h c, ebenfalls eine ergreifende und vorn Herzen kommende Rede hielt. Die Krone unseres Hauptes ist gefallen uvsn rrt:j; ppbj. Wir verlieren an dem Verblichenen im wahren Sinne des Wortes einen vollkommenen mn\ Wie war ihm das Studium unserer heiligen min so lieb, wie war sein Unterricht ein so klarer und deutlicher, wie war er doch ein liebevoller Gatte, ein tüchtiger Erzieher seiner Kinder, ein tüchtiger Staats- und "Gemeindebürger.' So möge denn sein Geist anssteigen zu dem, der tobtet und belebt; seine verklärte Seele möge ausgenommen werden unter den Lebenden im Jenseits. Beten möge er dort für das Wohlergehen seiner so schwer heimge-

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